das verstummen der krähe sabine kornbichler, buchkritik

Kristina Mahlos Auftrag als Nachlassverwalterin hat es in sich. Eine Verstorbene vererbt ihr beträchtliches Vermögen – jedoch nur unter der Bedingung, dass Kristina den Mord aufklärt, für den ihr Mann einst verurteilt worden war. Kris will den Fall ablehnen, doch dann entdeckt sie in der Wohnung der Toten einen Hinweis auf ihren eigenen Bruder Ben, der vor Jahren spurlos verschwand …[Piper]


Meine Meinung:

Dies ist der Serienauftakt um diverse Ereignisse und Erlebnisse rund um die Nachlassverwalterin Kristina Mahlos. Nachlassverwalterin? Wie bürokratisch langweilig klingt das denn? Jemand der das Erbe sichert und, wie sein Berufstitel schon sagt, den Nachlass verwaltet soll ein ganzes Buch spannend füllen? Und dann auch noch eine Thematik die mehrere Bücher füllen soll?

Kein Sorge. Hier geht es nicht trocken und staubig zu. Frau Mahlo ist auch keine griesgrämige Dame, mit Lesebrille auf der Nase und skeptisch gekräuselten Lippen. Sie ist eine Frau, die mitten im Leben steht und mit ihren Eltern auf einem Hof wohnt.

Ihr jüngere Bruder Ben verschwand vor sechs Jahren spurlos. Bisher ist kein Leichnam aufgetaucht, also keimt in ihr und vor allem in ihren Eltern immer noch die Hoffnung, dass der Jüngste noch am Leben ist und eines Tages heimkehrt. Dafür brennt tagein tagaus eine Kerze vor der Tür. Jeder weiß, wie wichtig Kristinas Vater dieser Hoffnungschimmer ist. Doch eines Tages ist sie ausgeblasen. Ein Zeichen? Ein fiese willkürliche Tat? Man weiß es nicht.

Als sich weitere seltsame – fast unbemerkte Dinge – ereignen, ist man sich fast sicher, dass dies mit dem aktuellen Erbfall zusammen hängt, denn Frau Mahlo bekommen hat. Will einer der Erben ihr drohen?
Als Leser baut man zig Fantasiegebilde auf und kommt doch der Wahrheit nur sehr spät auf die Spur. So geschickt sind die Fäden verknotet.


Positiv:
+ Es herrscht stetig eine seichte und ruhige Grundstimmung, die sich auch etwas auf den Leser überträgt.
+ Die Figuren sind gut ausgebaut. Allen voran Kristinas Eltern. Sie leben auf dem gleichen Hof, aber in getrennten Wohnungen und unterhalten sich lediglich über Post-it-Zettelchen. Eine wunderschöne Idee.
+ Die Nachlassverwalterin selbst steht immer im Mittelpunkt und ist die Ruhe selbst. Zudem ist sie engagiert und stets auf das Wohl der anderen Bedacht. Mal eine Figur, die nicht durch negative Vergangenheiten gebeutelt ist.
+ Die Krähe Alfred! Aber wie das so mit Tieren in Büchern ist, irgendwas passiert immer…
+ Der Beruf, den wohl nicht jeder kennen wird, wird schön verständlich erklärt.
+ Es gibt zahlreiche Verstrickungen. Besonders wenn man die Erben zu dem aktuellen Fall kennen lernt, weiß man lange nicht wo vorne und hinten ist.
+  Entsprechend bleibt es lange spannend.
+ Der Schreibstil ist flüssig und somit lässt sich das Buch auch rasch durchlesen.
+ Die Komplexivität des Falles war sehr angenehm. Das Hirn ist hier sehr gefragt, vor allem wenn man versucht “schneller” als die Hauptfigur zu sein. 

Negativ:
–  Ja, es ist ein Krimi und ja, darin kommt nicht wirklich viel Action vor, sondern es geht meist mehr um die Methodik und das Rätseln, dennoch war mir das Buch zeitweise zu ruhig.
Kristinas ruhiges Verhalten war für mich nicht immer nachvollziehbar. Entweder hat sie bei manchen Szenen Baldrian geschluckt oder Scheuklappen vor den Augen gehabt.
 
+/- Man merkt schnell, dass es zwar überwiegend um den seltsamen Erbfall geht, in den die Familie Mahlo unweigerlich privat mit reingezogen wird. Dennoch wird sich sehr auf eben jene  selbst fixiert. Der Fall rückt dadurch ab und an stark in den Hintergrund. 


Fazit: 

Dank der lieben Iris bin ich erneut auf das Buch aufmerksam geworden. Es hatte schon lange auf meiner Wunschliste geschlummert und nach dem Lob, in der kleinen Twitter-Leserunde, musste ich es einfach holen!
Die Familie Mahlo ist einfach nur liebenswert. Selbst mein blutiges Thrillerherz wurde hier weich und amüsierte sich über die kleinen Stichelein und freute sich über Kuschelrunden, die einem begegneten und immer weder kitschig noch albern waren.

Ich fühlte mich von Anfang bis Ende gut unterhalten, hätte mir dennoch manchmal mehr Tempo gewünscht und mehr Lockerheit. Wie oben erwähnt dachte mir Kristina manchmal einfach zu einseitig und verbannte die Wahrheit vor ihren Augen. Dennoch werde ich die Reihe weiterlesen. Band 2 wartet hier schon sehnsüchtig auf mich.
Wer also mal dem Detective-, Polizeianwärter- oder Profiler-Trott entkommen möchte und sei es nur für ein paar Stunden, der sollte hier auf jeden Fall zugreifen!


Genre: Krimi / VÖ: September 2013 / Verlag: Piper  / Region: Deutschland (München) / Serie: 1.Band

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