“Kazuhisa Fukase ist ein Mörder!” (Buchbeginn)

Fukase ist dezent schockiert, als er diesen Satz liest. Er steht auf einem Blatt Papier, welches er von seiner Freundin überreicht bekommt. Da sie sich keinen Reim daraus machen konnte, hat sie ihn direkt kontaktiert und damit ungewollt einen Strudel der Zweifel, Ängste und Erinnerungen in dem jungen Mann in Gang gesetzt. Er weiß nämlich ganz genau, auf wen sich dieser Satz bezieht. Es ist tatsächlich jemand gestorben. Vor drei Jahren. Nur war er nicht der Mörder.

Was will der Schreiberling also damit bezwecken? Fukase lässt die Beschuldigung keine Ruhe. Gerade war er an einem Punkt angekommen, wo er sich getraut hat, auf Menschen zuzugehen und Kontakte zu knüpfen. Auch zu Frauen. Und nun ist da diese Mauer. Also fängt er an zu recherchieren. Knüpft alte Kontakte neu und besucht unter anderem die Eltern des Verstorbenen. Schließlich war dieser ein Studienkollege von ihm gewesen. Ein Freund.

“Ich machte einen Kaffee. Damit kann ich uns etwas Gutes tun, Das Allerbeste, was ich vermag. Der einzige Lichtblick in der finsteren Welt der Schuldgefühle.” (S.63)

Was einem sofort auffällt, ist die Liebe zu Kaffee. Fukase hat ein Faible für besonders hochwertige und aromatische Bohnen. Das macht ihn in seinem Bekanntenkreis äußerst beliebt und so mancher Teetrinker wurde von seinem Kaffee verführt. Das geht soweit, dass man als Leser ebenfalls das schwarze Getränk von ihm haben möchte und bereits die gemahlenen Bohnen riechen kann, wenn man seinen Handgriffen folgt.

Gleiches gilt für Buchweizennudeln und Curry und und. Die Liebe zu Speis und Trank ist deutlich spürbar. Im harten Kontrast dazu stehen die Anschuldigungen, die kontinuierlich an dem Gewissen von Fukase nagen. Er will unbedingt wissen, wer ihm so etwas an den Kopf wirft und warum. Verständlich, man möchte schließlich nicht grundlos als Mörder hingestellt werden. Oder ist er etwa doch nicht so unschuldig, wie er einen glauben lässt? Dass er ein Geheimnis hat, was bisher niemand gelüftet hat?

“Fukase sprang ruckartig aus und schüttelte energisch den Kopf. Er ging in die Küche, nahm eine Plastikflasche Wasser aus dem Kühlschrank und trank direkt daraus. Dann klatschte er sich im Spülbecken Wasser ins Gesicht, um die absurden Gedanken zu vertreiben.” (S.167)

Im Vergleich zu “Geständnisse” sind die Perspektivwechsel nicht sonderlich extrem. Man wechselt lediglich zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her. Der besondere Touch ist nur, dass Fukase in der Gegenwart aus der Ich-Perspektive berichtet und man somit eine besondere Beziehung zu ihm aufbaut. Man überlegt ständig ob man ihm glauben kann oder nicht. Was stetig für kleine Gefühlschwankungen sorgt. Ansonsten bleibt die Geschichte recht ruhig. Was sicher den ein oder anderen verschrecken mag. Das Hauptaugenmerk liegt wirklich auf der Entwicklung und den Gedanken von Fukase.

Erst das Ende. Das haut nochmal ordentlich rein. Dieser Plottwist ist der Autorin perfekt gelungen und hat dafür gesorgt, dass das Buch nicht als Schwächling hinter Geständnisse zurückbleibt. Hinzukommt der Schreibstil von Kanae Minato, den ich einfach wunderbar finde. Daher hoffe ich auch, dass bald noch mehr Werke von ihr nach Deutschland kommen.

Abschließend kann ich das Buch jedem Liebhaber japanischer Literatur empfehlen. Wer den Stil der Japaner mag, wird auch mit diesem Buch glücklich werden. Wer allerdings Spannung und spektakuläre Wendungen erwartet, der wird hier nicht zufrieden sein.

>> zur Kritik “Geständnisse


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Genre: Crime / VÖ: April ’19 / Verlag: C.Bertelsmann / Region: Japan / Serie: Einzelband

erhältlich bei: hugendubel.de

weitere Meinungen:

KillMonotony: “Wer asiatische Literatur mag, kann hier beherzt zugreifen. Allen, die nicht mit der oftmals sehr ruhigen und langsamen Erzählweise von japanischen Autoren vertraut sind, werden “Schuldig” vermutlich eher langweilig finden, denn das Rätsel bleibt bis zur letzten Seite ungelöst und die Spannung ist wirklich sehr subtil.”

PinkAnemone: ” Ein philosophischer und typisch japanischer Roman, der mich trotzdem nicht ganz von sich überzeugen konnte.”

12 thoughts on “|Crime| “Schuldig”

  1. Bei Kaffee und Essen hattest du mich eigentlich schon. Ein überraschendes Ende klingt dann aber gleich noch mal verlockend. Also komm ich wohl nicht drum herum, mir das Buch demnächst zu organisieren.

  2. Uuuhhhhh *-* Deine Meinung klingt so viel ansprechender als Connys *lach (aber sie und ich entfernen uns buchig eh irgendwie in letzter Zeit o.O). Ich habe das buch schon hier und bin durch deine Eindrücke wieder mega angefixt, es demnächst lesen zu wollen! ich hörte schon, dass es sich von “Geständnisse” unterscheidet und bin gespannt auf die Geschichte und besonders das Ende ;)

    Mukkelige Grüße!

    1. Na, wenn du es schon hast, dann RAN AN DEN SPECK :D
      Bin auf deine Meinung gespannt.
      Hab ja schon in der LR gemerkt, dass der ruhige Ton nicht so Connys Fall ist und sie mit dem Charakter uns seinen Entscheidungen nichts anfangen konnte. Da haben wohl auch meine Erklärungen über den japanischen Charakter nicht geholfen XD

      Ach du @entfernen es gibt immer Bücher mit denen man sich überschneidet :D
      Conny findet auch Bücher toll, wo ich mir an den Kopf fasse XD
      Also alles nooormal ;)

      1. Ja nu stress mich net!! Es will so verdammt viel hier gelesen werden :D Ich bin gespannt, mich konnte “Geständnisse” voll begeistern und auch wenn dieses anders ist, freue ich mich schon wahnsinng aufs Lesen!!

        Bislang waren Conny und ich sehr nahe beieinander mit Eindrücken und Empfindungen, abgesehen von der aktuellen LR, geht es gerade Berggraben weit auseinander XD

  3. Sehr cool, dass dir das Buch auch so gefallen hat! Ich muss ja gestehen, dass “Geständnisse” immer noch subbt. Aber ich will es endlich lesen und dieses hier auch! Bin eingentlich sicher, dass ich beide Bücher mögen werde. In dieser Hinsicht kann ich dir total vertrauen! :-)
    GlG, monerl

  4. Japanische Crime Fiction ist ein Fass ohne Boden. Es gibt so viele sehr gute Schreiber und viele müssen erst noch im Westen entdeckt werden. Dabei reizen doch immer wieder die femdliche Umgebungen, das Essen und die fernöstlichen Empfindlichkeiten. Den obligatorischen Killer Twist kriegen sie alle hin. Kanae Minato ist eine Meisterin ihres Faches! Weiter so!
    Ihr
    Thorsten J. Pattberg, Autor der Lehre vom Unterschied

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