“Bleibt im Auto. Ich bin gleich wieder da.”

Eine Autopanne. Das kann jedem einmal passieren. Mit Kindern im Auto ist es eine heikle Angelegenheit. Aber Jack, passt auf seine beiden Schwestern auf. Wenn Mutti sagt, sie kommt gleich wieder, dann wird das auch stimmen. Nur kommt sie nicht wieder. Die Zeit rinnt dahin. Es ist warm. Der schattige Platz an der Schnellstraße bereits vergangen und immer noch keine Hilfe in Sicht. Jack beschließt ihr entgegen zu gehen. Kurzerhand wird die Windeltasche übergeworfen, die kleinste Huckepack genommen, die andre an die Hand und los gehts!

Sie finden ihre Mutter nicht. Die Notrufsäule ist verlassen. Eine Hilfsaktion wird eingeleitet. Ihr Vater ist völlig verzweifelt und dann die bedrückende Nachricht: Sie wurde ermordet. Eine schwangere Ehefrau und Mutter wurde kaltblütig erstochen und sterbend am Wegrand zurückgelassen. Wer macht so etwas? Wieso muss das ausgerechnet der kleinen Familie passieren? Fragen, die dem Vater extrem zu schaffen machen. Eines Tages ist er verschwunden. Abgehauen, lässt die Kinder allein in der Wohnung zurück.

 

“Von außen sah man nicht, dass das Haus gestorben war. Von außen war es so ordentlich und normal, wie ein Haus nur sein konnte, das neben einer belebten Straße in die Mitte einer Reihenhauszeile gequetscht war.” (S.73)

 

Jack begibt sich auf die Suche nach Nahrung. Er ist noch nicht volljährig und kann offziell keinen Job annehmen, also geht er andere Wege. Hauptsache niemand kommt dahinter, dass kein Erwachsener in ihrem Haushalt lebt. Parallel dazu sucht die Polizei einen Einbrecher, der den Namen “Goldlöckchen” bekommen hat. Da er unter anderem gern in fremden Betten schläft. In einer Kleinstadt, wo gefühlt alle zehn Jahre ein Mord geschieht, ist so eine Einbruchserie natürlich brisant. Ein neuer Detektive – John Marvel – wird mit der Sache vertraut gemacht.

Dem schmeckt das so gar nicht. Strafversetzt, soll er hier sich sammeln und neuen Aufgaben nachgehen. Marvel will allerdings Morde aufklären, keine Einbrüche. Wie langweilig ist das denn? Entsprechend mürisch ist er unterwegs und lässt seine neuen Kollegen darunter leiden. Die schlucken erstmal brav und sagen nichts. Dann hat Marvel eine grandiose Idee, bei der alle Feuer und Flamme sind. Sie soll den Einbrecher zu fall bringen und endlich wieder Frieden in die Stadt bringen. Ob die Taktik aufgeht?

 

“So allmählich konnte Detective Reynolds John Marvel nicht leiden. […] jetzt war es ine Woche später, und noch immer lief nicht alles rund.” (S.118)

 

Neuer Detektive, strafversetzt, Griesgram, Probleme mit den Kollegen, kleine Feuerchen in der sonst so sittsamen Polizeistation. Alles Dinge, die man schon zig mal in Krimis gelesen hat. Anfangs hat mich dieses Schema F auch tierisch gestört. Lediglich die Abschnitte mit Jack hielten mich davon ab, gelangweilt die Szenen mit Marvel zu überspringen. Beide Erzählstränge laufen jedoch kontinuierlich aufeinander zu und wenn sie dann aufeinander treffen, geben sie einen durchaus spannenden Mix ab.

Zwar habe ich schnell die Muster durchschaut und mir meine Lösung bereit gelegt, dennoch war es so unterhaltsam geschrieben, dass ich am Ball geblieben bin und das Buch recht rasant verschlungen habe. Der Schreibstil ist dabei eine gute Hilfe. Fließend blättert man durch die Kapitel, will wissen, was Jack diesmal macht, was die Polizisten anstellen und ob und wie, das Thema mit seiner ermordeten Mutter aufgegriffen wird. Es gibt quasi vier Stränge, die mit einander verwoben werden. Wer sich hinter dem vierten Strang versteckt, wird an der Stelle nicht verraten.

Letztlich schafft es dieser Krimi einen zu unterhalten, auch wenn er das Rad nicht neu erfindet (was schlecht geht). Ein Drahtseilakt, den nicht jeder schafft. Belinda Bauer ist es in “Die verlassenen Kinder” gelungen. Da blicke ich auch dezent über die glücklichen Zufälle am Ende hinweg, denn schlussendlich passt alles zusammen und gibt ein schlüssiges Gesamtbild ab. Wer also häufiger in der Krimiwelt unterwegs ist, wird das Buch ähnlich empfinden, wer noch ein Jungspunt ist, könnte an so manch einer Stelle nett überrascht werden.

Lesenswerter britischer Krimi, der zu unterhalten weiß, indem er einen Mordfall einmal etwas anders angeht.

 

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Genre: Crime / VÖ: Juni ’20 / Verlag: Goldmann* / Serie: Einzelband

erhältlich bei: hugendubel.de *

#WirLesenFrauen

ein weiterer Krimi von Belinda Bauer:Was tot ist*

3 thoughts on “|Crime| “Die verlassenen Kinder”

  1. Verdammmich.. ich wusste, wenn ich einmal bei Dir zu stöbern beginne, gehe ich nicht ohne ein Buch auf meine WL zu packen. Begonnen hat es mit der “The Extinction Cycle”-Reihe, dann “Monster Slayer”, weiter ging es mit dem Opa (der schon auf dem Weg zu mir ist) und nun will auch unbedingt der kleine Jack zu mir laufen.
    So wird das nix mit dem SuB-Abbau und wer ist schuld? Ja, jetzt brauchst gar nicht unschuldig in die Luft zu gucken und mit nem Flori-Video daherkommen. Das nützt Dir gaaar nix. Duuuuuuuu, bist Schuld…Du gaaanz alleine. Ich gucke jetzt einfach nicht mehr weiter…moment..war da ned auch irgendwas mit dunker Marterie? *weiter luscher*

    1. Oh, ich bin echt gespannt, wie du den Opa aufnimmst :3
      Und da du die Briten magst, wirst du um ein Buch von der Autorin hier nicht drumherum kommen. Also entweder das hier oder ein andres *hehehe*

      *guckt ihren SUB an*
      Abbau? Als ob ICH dir da helfen könnte XD Der war gut, Conny! Muahahahaha!
      *sagt die, die eben 3,5 Comics am Stück gelesen hat*

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