|Film| “Maboroshi”

幻の光 // Hirokazu Kore-eda (1)
#Japanuary

Mit Maboroshi bespreche ich heute den ersten Film aus der Hirokazu Kore-eda Box. Es ist zeitgleich das Filmdebut des Regisseurs aus dem Jahre 1995.

|| Trigger: Suizid ||

Ein Licht der Illusion

Inhalt
Yumiko, glücklich verheiratet mit Ikuo, genießt ihr Leben. Er bringt sie zum Lachen und zeitgleich sieht sie in ihm die Reinkarnation ihrer Großmutter. Deren Verlust hat sie einst als Mädchen stark geprägt. Während sich Yumiko um den gemeinsamen Sohn kümmert, geht Ikuo das Geld in einer kleinen ortsansässigen Firma verdienen. Eine glückliche kleine Familie.
Bis sich Ikuo von einem Zug überfahren lässt. Suizid.
Von jetzt auf gleich bricht alles über der jungen Mutter zusammen. Die Frage nach dem Warum quält sie schmerzlich, wagt sie aber nicht laut ausszusprechen, sondern schluckt den Schmerz herunter.

Ein paar Jahre später tritt ein neuer Mann in ihr Leben. Gemeinsam, mit ihrem inzwischen fünf Jahre altem Sohn, zieht sie zu ihm in ein Fischerdorf. Er ist ebenfalls Witwer und hat eine kleine Tochter. Ob Yumiko hier ihr neues Lebensglück findet? Kann das Meer ihr vielleicht dabei helfen?

Der Film fängt mit Rückblenden an. Es ist eine junge Yumiko zu sehen, die einen innigen Kontakt zu ihrer Oba-san pflegt. Eines Tages verschwindet diese und kehrt nicht mehr zurück. Der Verlust gräbt sich tief in ihr ein. Erst ihr Mann kann dieses Loch füllen, zumal er sie an ihre Oma erinnert.
Kaum ist das Loch gefüllt, wird es ihr erneut ausgehöhlt.
Der Suizid ihres Mannes lässt die Trauer neu aufleben. Dazu kommen die Fragen aus dem Umfeld: “Warum hat er das getan? Du musst doch etwas gemerkt haben? Wieso ist dir nichts aufgefallen?” Harte Worte, die auch beim zuschauen schmerzen.

Was direkt auffällt ist die Stimmung, die durch Licht und Schatten erzeugt wird. Stetig auf Augenhöhe hatte ich das Gefühl ganz nah dabei zu sein und so manch eine Momentaufnahme würde sich als Gemälde an der Wand wunderbar sehen lassen können. Dabei ist das Lichtspiel hier bewusst vom Regisseur eingesetzt. so hieß doch die Inspiration für den Film ein Buch namens “Maboroshi no hikari – Das Licht der Illusion”.

Geredet wird in dem Film nicht sonderlich viel. Stattdessen wird auf das erwähnte Lichtspiel gesetzt, in dem Gesichtsausdrücke und Alltagssitionen gezielt in Szene gesetzt werden. Diese Momente sagen zeitweise mehr aus, als tausend Worte.
Und keine Sorge, trotz der Ruhe, wird es nie langweilig. Ganz im Gegenteil. Meinetwegen hätte der Film gerne noch weiter gehen können.
Genau diese ruhige Grundstimmung, die dennoch so wahnsinnig viel aussagt, hat mir an dem Film gefallen. Da wird ein ernstes Thema – über welches gern totgeschwiegen wird – emotional geladen umgesetzt ohne schwer oder erdrückend zu wirken.

Eckdaten

Genre: Drama
Länge: 110 min
Regie: Hirokazu Kore-eda

Sprache: jap. mit UT
Stream: unbekannt – geschaut via Disc

zu Verleger trigon-film*

Maboroshi Filmcover

An dieser Stelle noch etwas Hintergrundwissen.
Das oben erwähnte Buch “Maboroshi no hikari” diente unter ander als Vorlage für das Filmdebüt. Hirokazu Kore-eda hatte damals Kontakt zu einer Witwe, die ihren Mann durch einen Suizid verlor. Ihre Erfahrungen hielt er in einem Buch fest und musste kurz darauf feststellen, dass es bereits ein literarisches Werk mit ähnlicher Thematik gibt und so wurde die Idee zu “Maboroshi” geboren.


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