von Riku Onda
„Das hier ist, könnte man sagen, die Geschichte eines Fotos.“ (Buchbeginn)
Aki und Hiro verbringen eine letzte Nacht in der gemeinsamen Wohnung, bevor sich ihre Wege trennen. Alles ist bereits gepackt. Die letzten materiellen Objekte ihres Lebens in Kartons verräumt.
Versunken in den Erinnerungen der letzten Tage und Wochen, lassen sie Revue passieren, wie es zum Bruch ihrer Beziehung kam.
War wirklich die Bergwanderung schuld, bei der ein Mensch ums Leben kam? Oder bröckelte es bereits vorher und die Ereignisse haben das Fass letztlich zum Überlaufen gebracht?
Was auch immer es war, beide vertrauen sich nicht mehr und schieben der jeweils anderen Person den Tod ihres Bergführers in die Schuhe.
Schließlich waren nur sie in der Nähe, als das Unglück geschah.
Die gesamte Handlung wird abwechselnd aus der Sicht von Aki und Hiro erzählt. So gibt es von Kapitel immer mehr Einblick in deren Leben. Wie ihre Beziehung entstand, was sie zu dieser Bergwanderung brachte, wie ihr Umfeld die beiden sieht und – ganz wichtig – was die beiden voneinander halten.
In all diesen Punkten liegt die Wurzel des Übels begraben, die uns in diese verkorkste Situation einer leeren Wohnung brachte. Wo der Vorwurf im Raum schwebt: „Du hast ihn ermordet. Ich kann dir nicht mehr trauen.“
„Es ist nicht leicht, Erinnerungsfragmente zusammenzusetzen. Jetzt liegt alles, was ich mit ihr zusammen erlebt habe, wie Scherben durcheinander vor mir. Obwohl es schmerzhaft für mich geworden war, diese Scherben auch nur zu betrachten, haben wir die schwierige Aufgabe, die Fragmente der Reise herauszulesen und zusammenzufügen.“ (S.77)
Dieses Zitat beschreibt die Situation genau richtig. Auch wir – als lesende Person – folgen ihren Erinnerungen und versuchen ebenfalls alles zu einem stimmigen Bild zusammenzusetzen. Wie ein Puzzle.
Genau das machte für mich den Reiz des Buches aus. Nicht das angedeutete Drama auf der Inhaltsangabe, sondern die Emotionen einer Beziehung, die in einer letzten Nacht gebündelt werden wollen.
Es kommen dabei tatsächlich einige Fakten ans Tageslicht, die ich so nicht erwartet hätte. Das gibt der möglichen Lösung, die sich im Kopf entwickelte eine gänzlich neue Richtung. Am Ende schwirrte mir nicht einmal mehr dauerhaft die Frage im Kopf herum wer von beiden es getan hat. Eher wie faszinierend es ist, wie schnell Vertrauen in die Brüche gehen kann. Mit einem Wimpernschlag. Ploff.
Schlussgedanken.
Der Roman „Fische, die in Sonnensprenkeln schwimmen“ hat seinen ganz eigenen Reiz, den es zu entdecken gilt. Wie an den Zitaten zu sehen, ist das Buch aus der Ich-Perspektive geschrieben. Für mich absolut passend, bei der Ausgangslage. Das macht alles noch persönlicher und nahbarer.
Es ist das zweite Buch, welches ich von Riku Onda lese. Daher war mir bewusst, dass ich wahrscheinlich keine klare Antwort bekomme, sondern selbst die Fäden knüpfen muss. Darauf sollte sich eingestellt werden, damit keine falschen Erwartungen entstehen.
Empfehlen kann ich das Buch auf jeden Fall. Es hat mich für ein paar Stunden perfekt unterhalten.
Das Buch wurde passend zum #Japanuary gelesen.
Alle Beiträge und Leseindrücke unter diesem # sind auf bsky zu finden.

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VÖ: 02/23 bei Atrium Verlag
Seiten: 240
■ Japan
■ Roman
■ Einzelband
■ weiterer Lesetipp aus der Rubrik: „Die Frau im lila Rock„
