die beschützerin, susanne kliem, buchkritik

Es geht um die Journalistin Janne Amelung. Sie arbeitet als Event-Managerin bei dem Berliner Privatsender Alfa.Sat. Sie ist dort nicht nur sehr zufrieden mit ihrem Job, auch das Arbeitsklima ist perfekt und könnte nicht besser sein. Doch dann taucht die Unternehmensberatungsfirma Bloomsdale Consulting auf und alles scheint sich gegen Janne zu wenden. Sei es der eigene Freund oder die Kollegen, sogar ihr ehemaliger Chef, sind nach und nach nicht mehr gut auf sie zu sprechen. Aber warum? Wer oder was hat das Ganze ausgelöst? Lange fischt sie im Trüben, bis ihr ein vager Verdacht kommt.

Das Thema, welches die Autorin Susanne Kliem hier aufgreift ist sehr brisant.

Gibt es nicht gerade wenige Menschen die durch Formen des Mobbing und Stalking bedroht fühlen und viele Fälle bleiben ungemeldet, da die Betroffenen sich nicht trauen etwas zu sagen. Sie sind zu eingeschüchtert oder wissen nicht wem sie sich anvertrauen sollen bzw. können. Wer selbst schon einmal ein Opfer wurde, weiß wie heikel diese Thematik ist. Man traut sich letztendlich erst nach langem Zögern einer Person an, wo man hofft, dass diese einen versteht und einem aus der misslichen Lage hilft. Ohne so einen Rückhalt kann es einen zerstören.

Der Aufbau von “Die Beschützerin” ist recht klassisch gehalten. Es fängt mit einem Prolog an, geht weiter mit dem Hauptpart, der in übersichtliche Kapitel und Abschnitte unterteilt ist und endet mit dem Epilog. Zeitweise sind die Abschnitte im Buch jedoch recht kurz gehalten, sodass die Ortswechsel rasch hintereinander kommen, auch wenn es sich gerade nur in einem Gebäude abspielt. Somit ist der Blickwinkel stets geradeaus gerichtet.

Positiv ist auf jedenfall die Ich-Perspektive zu erwähnen.

Sie untermauert ja meistens die Nähe zur Hauptfigur und lässt den Leser hautnah mitfiebern. Jedoch ist die Nähe in diesem Fall – besonders in der ersten Hälfte des Buches – zu viel. Man erfährt Details aus dem Leben von Janne und ihrem neuen Nachbarn, aber das eigentliche Geschehen kommt nicht voran. Entsprechend war mir hier die Detailverliebtheit zu stark ausgeprägt. Es zieht sich einfach und man schaut unweigerlich auf die Seitenzahl und hofft, dass das Buch endlich an Tempo zunimmt.

Wenn es dann endlich in die Vollen geht und die Grundthematik des Buches aufgegriffen wird, macht sich Erleichterung breit. Diese wird nach einigen Seiten allerdings wieder rasch geschmälert. Das Verhalten einiger Kollegen ist für mich absolut nicht nachvollziehbar, gerade wenn es um den – ja fast Freundeskreis – auf Arbeit geht. Der Täter ist ebenso schnell erkannt und somit der Überraschungseffekt für das Ende genommen.

Als es zum finalen Showdown kommt, geht es mir alles dann viel zu schnell.

Auch die Szene auf dem Wasser, gegen Ende wirkte für mich übertrieben und unrealistisch. Einzig Prolog und Epilog haben für mich ein super Feeling herübergebracht. Wäre diese Stimmung anstatt der stetigen kurzen Rückblenden Janne an ihre Kindheit eingebaut wurden (meiner Meinung nach überflüssiges Beiwerk) und die Identität des Täters im Trüben gelassen wurden, bis eben zum Finale, dann wäre es sicher ein 1A-Psychothriller geworden.

Wie oben gesagt, hat mit der Einstieg sehr gut gefallen und meiner Erwartungen, sowie Hoffnungen an das Buch recht hoch gesteckt. Leider hat mir dann die komplette Umsetzung nicht gefallen. Thema verfehlt würde ich auf keinen Fall sagen, aber es war zu lasch. Das Verhalten von Janne während ihres Identitätsraubes wirkt nachvollziehbar und passt stimmig zu ihrem Typ. Nur das drumherum war nicht immer das Wahre.

Alles in allem lies sich das Buch gut lesen, sprachlich gibt es nichts zu meckern, wer ruhige, vorhersehbare Thriller mag, kann hier auch ruhig zugreifen. Alle anderen sollten die Finger davon lassen.


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Genre: Crime / VÖ: März 2014 / Verlag: carl’s Books bzw. btb (neu) / Serie: Einzelband


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