celeste bedeutet himmelblau

Ein Wuschelkopf als Ermittler? Ein Einzelgänger der kaum Freunde hat? Ein junger Mann, der freiwillig aus der Großstadt wegzieht? Und er soll autoritär genug sein, um die Dorfpolizei zu führen? Oh, ja! Genau das macht den Polizisten Frank Liebknecht  so sympathisch. Könnte man bei dem Namen einen Ermittler mittleren Alters vermuten, so wird diese Seifenblase schnell zerstört.

Noch etwas grün hinter den Ohren und dennoch sehr wachsam, gerät Frank an seinen ersten großen Fall.

Eine Leiche wird auf dem Feld gefunden. Was von den Behörden schnell als “unglücklicher Unfall mit Todesfolge” abgestempelt wird, erscheint ihm bei weitem nicht so simpel. Da steckt mehr dahinter als ein dummer Trunkenbold des Dorfes, der nicht sehr beliebt war. Somit beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln und zerrt Dinge ans Tageslicht, die wohl so manch einer gerne im Dunkeln gelassen hätte.

Die Verschwörungen und Tatsachen, die Frank nach und nach aufdeckt, schockieren ein wenig. Hätte man doch bei einem kleinen unscheinbaren Dorf in Hessen, nicht solche Verbindungen zugetraut. Fakt ist jedoch, alle Familienmitglieder des Toden scheinen ein Geheimnis gehabt zu haben und Frank ist sich sehr sicher, dass es jemanden gibt, der ihm helfen kann, die letzten Lücken zu schließen. Doch der Weg dorthin ist sehr steinig.

Vor jedem Kapitel wird dem Leser vor Augen gehalten, mit wem er es in dem Abschnitt zu tun hat. So muss man nie großartig grübeln, ob ein Szenenwechsel stattgefunden hat oder nur die Perspektive neu ist. Man wechselt sich dabei ständig zwischen Frank Liebknecht, Dieter Strobel und einem Mädchen ab. In wie weit Dieter Strobel und das Mädchen eine Verbindung zu Frank haben, möchte ich an dieser Stelle nicht ausführen, das darf jeder selbst
herausfinden.

Dennoch haben alle eine Beziehung zueinander, die nach und nach gelüftet wird, sprich ihre Wege führen langsam zusammen. Dabei bleibt es nicht aus, dass der ein oder andere Tote ihre Wege pflastert. Wieder ein Indiz dafür, dass der gute Frank darauf hingewiesen wird, dass er auf seinem “Weg bleiben soll”, wie es Bruni immer so schon sagt.
Bruni ist die derzeitige Polizeichefin, die bald in Rente geht, Liebknecht soll ihren Posten einnehmen und wird von ihr eingelernt. Sie ist auch gleichzeitig der ruhige Pol im Buch. Stets wirkt sie Weise und ausgeglichen und lässt einen immer ein wenig durchatmen, nachdem Frank einem die neusten Erkenntnisse mitgeteilt hat.

“Aus ihrer Sicht musste das alles logisch und wünschenswert erscheinen. Doch es gab ein Geheimnis. Und er war fast sicher es beim Namen zu kennen.” (S. 72)

Diese Erkenntnisse beziehungsweise Ermittlungsergebnisse, die er mit seinem neuen Dorf-Freund Karl Hofmeister teilt, wirken zeitweise sehr haarsträubend und wirr. Derartiges soll in einem kleinen beschaulichen Dorf im Odenwald geschehen? Möglich wäre es durchaus, trotzdem ist es manchmal zu viel des Guten. Man merkt, dass hier viel recherchiert wurde und man entsprechend vieles in das Buch packen möchte. Leider wirkt das nicht immer überzeugend und wird zu ausschweifend für den kleinen Krimiauftakt. Hätte man es stattdessen über mehrere Bände gezogen, hätte es super gepasst und hätte nicht so gequetscht gewirkt.

Ungeachtet dessen darf der Leser die ganze Zeit mitdenken und rätseln. Hier und da bekommt man Ansätze geliefert, die die Hauptfigur noch nicht weiß, aber die fallen kaum ins Gewicht. Der Buchtitel wird später gut aufgeklärt, auch wenn man sich ab einem bestimmten Punkt denken kann, woher er kommt und wie tief seine Verbindung zum Geschehen ist. Es gibt jedoch immer noch genügend Momente wo Frank und der Leser gleichermaßen geschockt sind. Wo man nichts geahnt hat und zu spät die anrollende Welle des Üblen gesehen hat, was ein guter Pluspunkt ist. 

Trotz dem dicken Kritikpunkt des “Vollgepackseins” ist das Buch absolut lesenswert und ein gelungener Auftakt für eine Krimiserie. Brigitte Pons schafft es hier ein kleines nettes Dorf zu erschaffen, was seine mürrischen Alteingessenen beherbergt und dennoch ein kleines Naturidyll ist, in dem man sich neue Ermittlungen rund um den Polizisten Frank gut vorstellen kann.  Der Wuschelkopf entspricht keinem Ermittlerklichee und tanzt somit aus der Reihe, weswegen man ihn auch auf Anhieb ins Herz schließt. Er wirkt realistisch und man kann sich gut vorstellen, auf weitere Abenteuer mit ihm zu gehen.


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Genre: Krimi / VÖ: April 2014 / Verlag: LYX Egmont / Serie: Serienauftakt


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