Es ist Winter. Der erste heftige Schneesturm naht und die Bewohner der kleinen Stadt kanadischen Stadt Regina in Sasketchewan bereiten sich darauf vor. Schließlich besteht die Gefahr wochenlang von der Außenwelt abgeschnitten zu sein und da sollte man genügend zu Essen und Holz zum Heizen im Haus vorrätig haben. Die wohlhabende Familie Miller bereitet sich ebenfall recht emsig darauf vor.

Bald naht auch wieder die Zeit, wo keine Schulbusse mehr fahren. Aber zum Glück gibt es eine nette ältere Dame aus der Nachbarschaft, die sich um den kleinen Sammy Miller kümmern kann. Während Donald Miller emsig Artikel für die lokale Zeitung tippt. Kurz bevor die Meteorologen den Schneesturm ankündigen, verschwindet plötzlich der Familienhund der Millers. Zunächst macht man sich keine großen Sorgen, vielleicht ist er irgendwo untergekommen. Doch als Donald seinen Sohn morgens zum Bus bringt macht er eine grausige Entdeckung.

Es ist wie ein Cut in einem grausamen Hollywood-Film. Familie Miller lebt ein harmonisches Leben und ist total glücklich, so wie alles ist. Doch mit einem Schlag bricht dieses Rundum-Sorglos-Paket zusammen. Der Hund wird bestialisch abgeschlachtet. Keiner weiß wer so etwas macht und vor allem warum. Und dann holt die Vergangenheit den Familienvater brutal ein.

Dem Leser wird dies vor allem durch den Aufbau der Geschichte gut herübergebracht. So ist der Einstieg recht ruhig gehalten. Man lernt die Millionärstochter Samatha kennen, die sich in den aus einfachen Verhältnissen stammenden Schotten Donald verliebt. Sie bekommen einen Sohn, ziehen in ein großes Haus. Holen sich einen Hund. Haben keine Geldsorgen und ihre Liebe ist allgegenwärtig. Leider zieht sich dieser Part für meine Augen etwas. Fast die Hälfte des Buches beschäftigt sich mit dieser Harmonie, um dann in der Mitte in den harten Teil überzugehen.
Dieser abrupte Schnitt ist sicher Absicht um den Leser in Sicherheit zu wiegen, aber hätte nicht so lang sein müssen.

Alles was danach geschieht, ist definitiv nichts für zartbesaitete Bücherwürmer. John Niven erzählt einem schonungslos eine Story, die an Gewalt kaum zu überbieten ist. Das “schlimme” dabei ist, dass man es nachvollziehen kann. Es sind keine utopischen Kampfsszenen, sondern sie können durchaus real passieren. Die kalte Atmosphäre die sich zudem – dank des nun wütenden Schneesturms – einstellt, tut ihr übriges um die Stimmung kühl und unbarmherzig zu halten. In einem Film würde man jetzt sagen: Wer kein Blut sehen kann, sollte die Finger davon lassen!

Erzählt wird einem die Handlung aus verschiedenen Perspektiven. So kommt überwiegend Donald aus der Ich-Perspektive zu Wort. Er schreibt etwas nieder, was ihm zur Bewältigung der Ereignisse empfohlen wurde. Entsprechend ist alles schon geschehen und der Schotte bringt es nun mit allen Details zu Papier.
Parallel dazu kommen kurze Abschnitte dazu, die von jungen Teenagern handeln. Es dauert ein paar Seiten, bevor man diese Szenen einordnen kann und es wird einem schnell klar, dass diese eindeutig mit dem sadistischen Geschehen der Gegenwart zusammenhängen. Somit bekommt der Titel seinen Bezug zum Buch: Ein Racheakt der fiesesten Art wird einem auf dem Silbertablett präsentiert.

Alle Verbindungen und Verstrickungen werden nach und nach aufgeklärt. So hangelt man sich an einem roten Faden durch das Buch, der bald zu einem dicken Seil wird. Es kommen Aha- und Oh-Gott-Momente vor, die einen verwirren und erschüttern zugleich. Trotz der verschiedenen Erzählperspektiven wird man nicht müde das Buch zu lesen. Ganz im Gegenteil, die machen alles noch spannender und laufen auf ein großes Finale hinaus, was man so definitiv nicht erwartet hat.

Letztendlich kann ich diese Buch Thriller-Fans nur wärmstens empfehlen!
Der Einstieg dauerte mir etwas zu lang und am Ende war das 300-seitige Buch auch rasch gelesen, dennoch holt Part zwei einiges wieder raus und pushte die Gesamtbewertung etwas nach oben.
Wem Blut und Brutalität nichts ausmacht, sollte also zugreifen. Wer jedoch damit seine Probleme hat, sollte lieber die Finger davon lassen. “Das Gebot der Rache” erschien nicht umsonst im Heyne Hardcore Verlag.


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Genre: Thriller / VÖ: Juni 2014 / Verlag: Heyne Hardcore* / Serie: Einzelband


 

8 thoughts on “|Crime| “Das Gebot der Rache”

    1. Ich denke auch, dass ich Niven nun im Auge behalten werde und evtl noch den Vorgängerband lese. Sein Debütwerk lockt mich nicht sonderlich vom Inhalt :/

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