die drei

Wir schreiben das Jahr 2012. Innerhalb kürzester Zeit stürzen auf vier verschiedenen Kontinenten, vier Flugzeuge verschiedener Airlines ab. Tausende Menschen sterben auf einen Schlag. Direkt werden terroristische Hintergründe vermutet. Wie sonst soll so etwas möglich sein. Das wird ja wohl kaum Zufall sein, dass es zur gleichen Zeit passiert! Oder es ist ein Zeichen? Eine Warnung? Was auch immer es ist, drei Überlebende sind der Schüssel zu dieser Wahrheit.

12.01.2012

Es ist ein Tag wie jeder andere auch. Die Weihnachtsfeiertage sind überstanden. Das Familienpflichtprogramm wurde absolviert und jeder geht wieder seinen alltäglichen Besorgungen nach. Doch für viele Familien ändert sich dies schlagartig, als die ersten Meldungen in den Medien erscheinen. Trauer macht sich breit, Verzweiflung ist zu spüren und ebenso die Hoffnung auf Überlebende. Auch Wut keimt auf. Die Frage nach dem “Warum” nimmt immer mehr Form an und ruft einige Fanatiker auf den Plan.

Als schließlich ein Kind gefunden wird, was ohne große Schrammen überlebt hat, sind die Meldungen voll davon. Es gesellt sich ein weiteres dazu und letztlich sind es drei Kinder, die das Unheil unversehrt überstanden haben. Zwei Jungen und ein Mädchen. Man erhofft sich Informationen. Schöpft Hoffnung, dass nun alles aufgeklärt werden kann. Aber was soll ein kleines Kind schon berichten? Es ist verängstigt. Hat seine Familie verloren. Etwas, was man in dem Alter nicht wirklich erfassen kann. Doch dann häufen sich seltsame Erscheinungen. Es geschehen Dinge, die nicht zu erklären sind und es kristallisiert sich die Frage heraus: Was ist eigentlich am 12.Januar passiert?

Wer sich nun einen Thriller mit tausenden Spannungselementen und Cliffhangern erwartet, den muss man seine Euphorie an dieser Stelle etwas dämpfen. “Die Drei” ist kein Thriller im herkömmlichen Sinne. Dieses Buch von Sarah Lotz ist ein Buch in einem Buch, welches den Titel “Schwarzer Donnerstag – vom Absturz zur Verschwörung – Die wahre Geschichte der >Drei<” trägt. Verfasst wurde dieser Bericht von Elspeth Martins, einer Journalistin die Zeitungsausschnitte, Interviews, Medienmeldungen, Gespräche und Chat-Unterhaltungen gesammelt hat und diese hier zusammengefasst hat. Wer jetzt denkt, dass das alles trocken und bruchstückhaft klingt, der täuscht.

Diese gesammelten Werke beinhalten so viele Emotionen und Details aus verschiedenen Ansichten, dass man das Gefühl hat, es ist alles real und im Hier und Jetzt passiert.
Außerdem besitzt alles einen deutlichen Zusammenhang. So geht die Aussage eines Nachbarn, in dem Geschehen des Bekannten weiter und seine Aussage hat wiederum eine Verbindung zu einen Skype-Gespräch.
Der rote Faden ist also stets sichtbar und zieht einen magnetisch von Bericht zu Bericht.

“Der Schreibstil ist wunderbar flüssig” wäre an dieser Stelle gelogen. Es lässt sich jedoch gut lesen und man erkennt – dank der Kapitelüberschriften – die Zusammenhänge recht deutlich. Aber gerade zu Beginn, muss man erst einmal die ganzen Figuren in sich aufnehmen und ihre Namen behalten. Zum Glück geht das dann schneller als man zunächst vermutet und so ist man rasch im Geschehen drin und möchte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Es ist wie ein Unfall – man will nicht hinsehen, aber der Kopf neigt sich trotzdem dorthin.

Die Ereignisse sind dabei szenenartig so detailliert beschrieben, dass die Emotionen extrem hochkochen und man auch auf dieser Ebene mitgerissen wird. Am schlimmsten ist  jedoch die Erkenntnis, dass das Buch gar nicht so fiktiv ist. Die menschlichen Reaktionen sind durchaus nachvollziehbar und in der ein oder anderen Form schon aufgetreten. Es wie ein Spiegel den man vor das Gesicht gehalten bekommt.
“Schau, SO reagiert die Menschheit, wenn sie sich etwas nicht zu 100% erklären kann!”

Wer genau aufgepasst hat, wird merken, dass ich recht wenig vom Inhalt selbst verraten habe und das ist auch gut so. Schließlich sind dort so viele Details versteckt und Verbindungen eingebaut, die jeder selbst erkennen soll und nicht durch meine Hinweise vorab. Wenn man nämlich glaubt langsam durchzublicken, sagt einem das Ende recht deutlich: Nein, das tust du nicht! Was ein geniales i-Tüpfelchen auf dem gesamten Werk ist.

Wobei es nicht einmal nur das Ende selbst ist, was einen belehrt. Es geschehen immer wieder Wendungen die indirekt angedeutet werden und als dann endlich die erlösenden Worte ausgesprochen werden, einen schockieren und überraschen zugleich. Es gibt nur einen Punkt, der mich gestört hat und das waren die religiösen Fanatiker. Hier waren mir die Abschnitte manchmal zu gedehnt und uninteressant. Daher gibt es statt den vollen Punkten “nur” 9 von 10. Diese sind allerdings redlich verdient und ich freue mich schon wahnsinnig auf den zweiten Teil!

Alles in allem kann ich “Die Drei” somit nur empfehlen. Es ist ein Bucherlebnis, wie ich es so noch nicht hatte und wo ich nicht gedacht habe, dass es mich so stark flasht.
Allerdings kann ich mir auch gut vorstellen, dass dieser Thriller nicht für jeden etwas ist. Daher sollte man sich bewusst sein, dass dies kein Buch im herkömmlichen Sinne ist, sonst könnte man derbe enttäuscht werden. Wer jedoch Mut zeigt und was anderes lesen möchte, darf beherzt zugreifen!


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Genre: Thriller / VÖ: August 2014 / Verlag: Goldmann / Serie: Serienauftakt


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