Wann hat eigentlich alles angefangen?
Das mit diesem Hype? Mit dem Fangirl-Gekreische? Mit den vergöttern einer Person?  Laut Wiki nennt man das eine “Ultra-Bewegung”, wenn es um Fussball geht. Doch wie nennt man es, wenn es um Schreiberlinge geht? Um Autoren? Wo allein der Name ausreicht, um dafür zu sorgen, dass der nächste Gang in den Laden führt, sobald frische Ware erscheint?Ich weiß es nicht. Sicher ist jedoch, dass es in unserer Neuzeit allgegenwärtig ist und der Autor Sebastian Fitzek, gehört genau wie Arno Strobel zu diesen “vergötterten” Menschen. Sobald eine Apfelkiste mit deren Namen auf den Klebezettel erscheint, muss es gekauft werden. Das spült Geld in die Kassen und macht viele Menschen glücklich. Äpfel sind schließlich gesund, sagt die Wissenschaft. Also werden neue Werke erschaffen, damit immer Nachschub bereit steht, egal wie faulig der Inhalt ist, denn die Schale glänzt doch so schön.

Eigentlich fing in diesem Fall hier alles mit dem Apfel “Noah” an. Etwas Neues sollte es sein. Frische, neue Gedanken. Eine Veränderung. Raus aus dem Trott und Stil der vergangenen Stücke. Das ist Sebastian Fitzek bei “Noah” durchaus gelungen. Die Schale hatte eine andere Farbe und der Inhalt schmeckte anders, wie die vorherigen. Allerdings gingen hier schon die ersten Meinungen auseinander. War es richtig den “Stil” abzuwandeln? Natürlich! Der Konsument braucht Abwechslung für den Gaumen! Da gibt es überhaupt keine Diskussion. Nur getroffen hat es damals nicht zu 100% meinen persönlichen Geschmack. Was hier aber nicht am Gestalter lag, sondern an mir. Verschwörungen sind generell nicht so meins. Ein Grund warum ich Autoren wie Dan Brown nicht lese. Dennoch war “Noah” ein rund um stimmiges Buch, mit saftigen Nuancen, die mir durchaus wohlgesonnen waren.

Nun kam im Herbst diesen Jahres “Passgier 23” in die Verkaufsstände.

Exotische neue Ware. Ofenfrisch über das Meer auf einem Schiff zu uns geschippert. Die magische Zahl “23”schwebte fortan überall in der Luft herum. In der Überfahrtstatistik hat diese Nummer keine positive Bedeutung. Sie steht eher für Vermisstenfälle, Selbstmord, seltsame Begebenheiten, für den Tod. Denn jeder 23. Passagier verschwindet auf einem Schiff und taucht nie wieder auf. Das ist die Vorlage für den neusten Thriller? Super! Klasse! Warum nörgele ich hier überhaupt herum und erzähl euch etwas über Äpfel? Diese Thematik schreit doch geradezu nach einem Thriller! Ja, das macht sie. Jedoch kommt nun das große ABER. Die Umsetzung muss stimmen. Was nützt es mir, wenn ich ein Drama an das Nächste reihe? Eine Wendung nach der nächsten bringe und somit zig Handlungsstränge eröffne? Das verwirrt. Das hindert einen an dem innigen Vertiefen mit dem Buch. Man versucht immer sich mit einer Person einzulassen – meist die Hauptfigur, die hier der Polizeipsychologe Martin Schwartz ist – was jedoch nicht gelingt, wenn zu oft gesprungen wird.

Der Inhalt ist schnell erzählt. Vor fünf Jahren verlor Martin Schwartz seine Frau und seinen 10jährigen Sohn auf einer Kreuzschifffahrt, die der Erholung dienen sollte. Dieser Koloss namens “Sultan of the Seas” ist immer noch auf den Meeren der Welt unterwegs und so kam es auch in jüngster Vergangenheit erneut zu Vermisstenfällen. Doch das kurioseste an der ganzen Sache ist. Eines der vermissten Kinder ist wieder aufgetaucht. Wochenlang war sie verschwunden, für tot erklärt worden und nun befindet sie sich auf der Krankenstation des Schiffes. Also wird Martin zur Hilfe gerufen und er stößt rasch an seine Grenzen. Vor allem, weil ihm seine eigene Vergangenheit einholt.
Wie man merkt, ist die Schale des Apfels wunderschön. Sie frohlockt einen richtig, endlich hineinzubeißen. Damit der Saft an den Mundwinkeln herunter läuft, wir die Süße im Gaumen spüren und uns ein wohliges Seufzen entfleucht.

Schon reingebissen?

Dann wird man wissen, was jetzt kommt. Saftig – oh, ja! Dieses Buch hat es in sich. Es ist prall gefüllt mit Material. Süßer Geschmack? Eher fad und leicht mehlig. Denn die saftige Fülle ist hier viel zu viel. Es sprengt den Rahmen des Buches komplett. An ein negatives Ereignis reiht sich das Nächste. Man liest von einem traurigen Familienschicksal und im kommenden Kapitel kommt ein weiteres i-Tüpfelchen, dem wiederum auch ein Krönchen aufgesetzt wird. Diese traurigen, erschütternden Ereignisse ziehen sich durch das komplette Buch. Fröhlichkeit und Glück sind vollkommen fehl am Platz. Warum sollte sich ein “normaler” Gast an Board des Schiffes befinden? Das wäre skandalös!

Was die Spannung angeht, da bleibt Herr Fitzek sich treu. Die ist konstant da. Schließlich dauert es lange, bis eindeutige Hinweise geliefert werden, die der Wahrheit sehr nahe kommen. Über das Ende kann man sich streiten. Bei mir hinterließ es einen sehr faden und bitteren Geschmack, der so überhaupt nicht zum Rest des Buches passen wollte.

Gut recherchiert hat Sebastian Fitzek. Das möchte ich an dieser Stelle nicht unterschlagen!
Da wurden Bücher gewälzt, das Internet zum Rauchen gebracht, lange Stunden vor dem weißen Blatt Papier verbracht, hunderte Tassen Kaffee geschlürrft, viele Nächte um die Ohren geschlagen, Ideen kombiniert und zum keimen gebracht – zumindest stellt sich das so jeder Leser vor – und dennoch hat ein wichtiger Punkt am Ende gefehlt. Das Filtern. Das Ausfiltern der überfülligen Informationen und produktiven Ergüsse.

Merke zum Schluss: Egal wie schön glänzend und prall der Apfel ausschaut. Egal wie viel Gutes über den Erschaffer gesagt wird. Egal wie dieser über die Grenzen Deutschlands hinaus mit seinen Produkten Erfolg hat. Egal, wie sympathisch er auf einen wirkt. Der Inhalt zählt. Nicht die Hülle.


 Genre: Psychothriller / VÖ: Oktober 2014 / Verlag: Droemer Knaur / Serie: Einzelband

23 thoughts on “|Thriller| “Passagier 23”

  1. Huhu :)
    eine ganz tolle Rezi! Das Buch scheint bei irgendwie nur zwei extreme Bewertungen zu kennen, entweder bekommt es die volle Punktzahl oder wird zerissen. Ein Mittelding hab ich bis jetzt noch nicht gelesen!
    Zur Zeit interessiert mich das Buch aber auch nicht so sehr das ich es selbst mal lesen wollen würde!

    Liebe Grüße

    1. Gerne!
      Das Buch ist noch auf der Wunschliste. Kaufe vor Weihnachten zu viele Buchgeschenke, da bleibt für mich erstmal nichts über. Nächstes Jahr dann aber ganz schnell ;-) aber meine Erwartungen sind doch geschrumpft. Nur die Neugierde gestiegen .

    2. Bei mir war auch die Neugierde extrem gestiegen, weswegen ich das Buch letztlich auch lesen wollte – nun kann bzw habe ich mir eine eigene Meinung bilden können :D

  2. Hallo Kaisu,

    deine Rezension schreckt mich sowas von von diesem Buch ab, das glaubst du gar nicht – nicht vom Ator sondern von diesem Buch. Verfolgt habe ich es nicht, nur das Randgemurmal aufgesammelt – positive Stimmen blieben mir verborgen. Ein Grund mehr um vielleicht nur zu den alten Werken dieses Mannes zu greifen. "Augensammler" befindet sich schon seit über einem Jahr auf der Wunschliste.. vielleicht wird das ja gut oder nur ein weites Buch in meinem Regal.

    Großes Lob an Dich und deinen Mut um so eine geniale und kosntuktive Kritik zu schreiben!! :)

    Liebe Grüße
    Henni

    1. Danke :D
      Das kam spontan, glaub viel grübeln darf man da nicht, sonst wirds zu gewollt.

      @alte Werke
      Ja, schau da auf jeden Fall rein. Finde die viel besser. Hier hat er den Titel des Thrill-Masters in Deutschland schon etwas eher verdient!

  3. Eine super Rezension, die ich so unterschreiben kann. Ich muss sagen, dass mir das alles auch ein bisschen too much war. Ständig musste noch was draufgesetzt werden. Besonders am Ende hatte ich mehrmals das Gefühl, dass man das ja jetzt eigentlich so stehen lassen und beenden könnte, aber nein, erneut wurde was aus dem Ärmel gezaubert und das zog sich in einer Endlosschleife so dahin.
    Ich muss sagen, dass ich von dem Buch echt enttäuscht war. Bin einfach besseres gewohnt, was Sebastian Fitzek angeht. Hoffe, das nächste Buch wird wieder besser. :)
    GlG
    Kitty ♥

    1. Danke dir :3
      Also Fitzek hat sich bei mir mit diesem Buch schon etwas ins aus katapultiert.
      Dass er schreiben kann wissen wir, nur darf er es nicht übertreiben, sonst verliert er einen Teil seiner treuren Fangemeinde :/

  4. Hey Kaisu!

    Uiuiui, ich denke, da hast du mir gerade viel Geld gespart, denn ich wollte eigentlich "Passagier 23" unbedingt lesen, weil ich ja noch nie nen Fitzek hatte^^ und dachte "damit fängste halt mal an". Wahrscheinlich war es Intuition, dass ich noch nicht in die Apfelkiste gegriffen habe und mir nun der mehlige Geschmack erspart bleibt. Schade, denn ich hatte wirklich auf einen tollen ersten Fitzek gehofft. Tipps, mit denen ich besser ins Fitzekversum komme? :-)

    LG
    Tilly

    1. Also ich würde mit seinen alten Werken anfangen. Zum Beispiel "Seelenbrecher" – denke mit dem Buch kann man nicht viel falsch machen ;)

      Viele loben auch "Splitter", aber das hockt noch in meinem SUB-Regal und ich kanns daher nicht beurteilen :P

      edit:
      Ich schone gerne Geldbeutel, wenn ihr bei anderen Büchern ihn wieder seufzen lasst vor Leere :D

    2. *senf dazugeb*

      "Spiltter" fand ich zu gradlinig, das war mir zu sehr "Schema F". ;) Aber ich konnte mich für "Amokspiel" erwärmen, hat mir bisher von den 5 Fitzeks, die ich kenne, am besten gefallen. Aber ich habe auch einen ganz sonderbaren Geschmack. ^^

    3. "Amokspiel" kenn ich zum Beispiel noch nicht :P

      Der besondere Geschmack steckt in jeden von uns, wär ja langweilig wenn nicht!
      Monotonie weit und breit *arm ausbreit*
      Mh, ne – lieber bunt und lustig :D

  5. Jetzt würd ich gern einen Apfel essen! ;) Da hast Du ja lecker Apfelmus aus dem Buch gekocht! :D

    War schon ganz gespannt, wie dein Fazit zum Passagier ausfallen würde, habe ja nun schon mehrere Rezensionen gelesen und wollte deine gern noch meinem gedanklichen Bild hinzufügen. Auch wenn ich es mit dem Buch sowieso nicht sonderlich eilig habe und eher neugierig war, ob mich dieses Buch vielleicht mehr für Fitzek erwärmen könnte als seine restlichen Bücher. Aber ich bleibe wohl dabei, erstmal "Noah" auszutesten, Verschwöwrungstheorien mag ich ja eigentlich. ;)

    *in die küche geh und sich einen apfel schäl*

    1. Oh Danke, finde auch, das mein Apfelmus nicht von schlechten Eltern ist :D

      Japp, les du mal Noah, bin hier nämlich gespannt wie du es findest, weil ja eh was kritischer mit dem Autor bist :P

    1. Danke dir!
      Wenn man einen Lauf hat, dann klappt es auch – zum Glück “musste” ich in letzter Zeit keine solcher negativen Kritiken schreiben. Auch wenn sie Spaß machen XD

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