Eine junge gebildete Frau entflieht ihrer eigenen alten Welt und wagt einen Neustart in der kleinen Stadt San Irenei de Arnois. Anlass war eine Stellenanzeige, auf die sie sich beworben hat und weswegen sie nun auf ein wenig Abwechslung hofft. Dieser Wunsch scheint sich auch prompt zu erfüllen. Zwar wusste sie nicht, dass sie sich als Bibliothekarin auch mit 15 Kindern herumschlagen muss, aber nachdem sie diese kleinen Wesen besser kennenlernt, stört sie das nicht mehr. Viel mehr hat sie Sorge, dass sie mit ihren Chef, dem “Mann im Armsessel” auf Dauer nicht zurecht kommt. Doch die Dorfgemeinschaft belehrt sie rasch des Besseren und so bleibt sie und freut sich endlich eine neue Herausforderung gefunden zu haben.

Schnell kristallisiert sich heraus, dass die junge Senorita Prim etwas verheimlicht. Irgendetwas hat sie tief in sich vergraben und lässt es nicht heraus. Ihr Arbeitgeber merkt dies und versucht entsprechend Informationen aus hier herauszukitzeln. Sonderlich erfolgreich ist er dabei nicht. Eher im Gegenteil. Fast jeden Gespräch endet in einer Diskussion, bei der Frau Prim mit rotem Kopf das Zimmer verlässt und in das Dorf flüchtet. Die älteren Damen dort haben sie nämlich auch rasch durchschaut und versuchen sie ebenfalls zu ermutigen, endlich etwas zu ändern. Doch der Weg ist steinig und holprig.  Lieber versteckt sich die Bibliothekarin hinter ihrer freundlichen Maske, als endlich aus sich herauszukommen.

Anfangs fragt man sich als Leser auch, was denn die junge Frau die aussprechen will.

Je mehr man aber den Gesprächen und ihrer Reaktion lauscht, umso schneller wird einem klar, warum der Buchtitel den Begriff “Erwachen” in sich trägt. Die Frauen von San Ireneo schließt man verdammt schnell in sein Herz. Zu putzig sind ihre ewigen Diskussionen über Männer, Veranstaltungen und das Leben. Alles gemischt mit zahlreichen Zitaten aus alten Klassikern, die die Sprache zeitweise recht gehoben wirken lässt. Doch man kann eigentlich alles nachvollziehen und besonders ihre Vergleiche mit Mr Darcy aus “Schuld und Vorurteil” und der derzeitigen Männerwelt sind witzig umgesetzt.

Zunächst hatte ich Sorge, dass die Sprache der Autorin mir zu steif wird. Ein Buch, in dem haufenweise griechische, römische, deutsche Klassiker zum Vergleich herangezogen werden, klingt nicht aufregend. Doch zum Glück habe ich mich nicht davon beirren lassen und ein kleines Büchlein auf hohem Niveau gelesen, was am Ende die wichtigen Fragen des Lebens behandelt. Senorita Prim muss hierbei als Vorzeigeobjekt voran gehen. Sie beschreitet den langen Weg der Selbstfindung und bekommt dank des sympathischen Dorfes viele Anregungen, die sie eigentlich nur noch umsetzen muss.

Besonders loben muss ich an dieser Stelle die bildhafte Sprache.

Trotz staubiger Geschichten, möchte man am liebsten in das ruhige Städtchen einziehen. Grüne Gärten, blühende Landschaften, erholsame Rückzugsorte, immer hat jemand ein offenes Ohr, niemand verurteilt dich, Stress ist quasi unbekannt. Zwar gibt es hier kleine Ecken und Kanten, aber die nehmen nicht das Leben der Bewohner ein.
Am Ende wird mir dann alles etwas zu blumig und rosa, was man zwar ahnte, aber nicht gehofft hat. Aber so muss ich es letztlich doch als einen Frauenroman abstempeln. Es nahm ein wenig den Zauber der vorherigen Ereignisse weg.

Alles in allem tanzt dieses Buch ein wenig aus der Reihe, was meinen sonstigen Lesegeschmack angeht. Dennoch habe ich mich gut unterhalten gefühlt, konnte einige Minuten in diese kleine fiktive Welt abtauchen und bereue es nicht, die Geschichte um Senorita Prim gelesen zu haben.

das erwachen der senorita prim


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Genre: Roman/Drama / VÖ: Dezember 2014 / Verlag: Piper / Serie: Einzelband / Region: Spanien


 

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