“Das Leben ist angenehm.
Der Tod ist friedlich.
Es ist der Übergang, der schwierig ist.”
[Isaac Asimov]

Detective Inspektor David Murphy wird an einen Leichenschauplatz in den städtischen Park gerufen. Eine junge Frau wurde von einem Spaziergänger entdeckt. Das Schaurige an der ganzen Sache ist nicht nur, dass sie ordentlich drapiert hingelegt wurde. Es ist der Brief, der bei ihr gefunden wird und in dem von Experimenten die Rede ist. Das Opfer, welches vor ihnen liegt, ist “Experiment Drei”. Wo sind die ersten beiden Opfer? Wie viele finden sich bereits in der Gewalt des Killers? Und wen werden sie als nächstes Tod auffinden? Als wäre dieser Einstieg in die eine neue Ermittlung nicht schon schlimm genug, muss Murphy sich vor seinem kompletten Kollegium nun beweisen. Denn seine traurige Vergangenheit ist tief in ihm vergraben und hat ihn bereits einmal fast den Job gekostet.

Klingt altbacken und ausgelutscht? Ermittelnde Beamten, die eine schlimme Vergangenheit mit sich herumtragen sind schließlich nichts neues und scheinen dennoch immer wieder eine beliebte Wahl aus der Trickkiste zu sein. Dann kommt noch der etwas unerfahrene Partner hinzu. In diesem Fall die hübsche Italienerin Rossi, welche sich in einer Männerdomäne behaupten muss und ebenfalls ihre kleinen Problemchen hat. Zusammen sind die beiden das Ermittlerduo, welches die Frauenmorde aufklären darf. Immer noch nicht aufregend neu. Aber da kommt dann der Mörder ins Spiel. Er ist das Salz in der Suppe, er gibt dem ganzen den besonderen Touch und dank ihm, wirkt die Konstellation doch nicht so langweilig, wie vermutet.

Dieser Mensch, der andere zu seinen Zwecken missbraucht, hat eine ganz spezielle Ader für Experimente aus der Vergangenheit. Sei es aus der NS-Zeit oder geheimen Tests der US-Regierung. Er hat sie ausfindig gemacht und startete eine Art Remake. Er möchte die Testreihen ebenfalls durchführen und dabei erfahren, was es mit dem Tod auf sich hat. Er möchte ins Detail gehen, wissen wie seine Probanden unter unterschiedlichen Extremsituation damit umgehen. Ob sie schnell willenlos werden oder einen starken Charakter haben. Entsprechend sind natürlich ihre Überlebenschancen. Wer in den Augen des Killers aus der Reihe tanzt oder seinen Zweck erfüllt hat, wird gnadenlos aussortiert. Diese Leichen landen dann bei DI Murphy auf dem Seziertisch und diesem rennt die Zeit davon. Die Presse und natürlich die Polizeileitung will Ergebnisse sehen. Doch was machen, wenn es kaum Spuren gibt, die man analysieren kann?

Parallel zu den Erzählsträngen der beiden Ermittler und den Gedanken des Mörders, darf ein Mann namens Rob Barker zu Wort kommen. Seine Frau ist vor einem Jahr plötzlich spurlos verschwunden und es wurde vermutet, dass er dafür verantwortlich ist. Da es allerdings keine Beweise gab, wurde er freigelassen und nun gerät er erneut in das Visier der Ermittler. Hat er mit den Frauenmorden etwas zu tun oder ist er lediglich ein weiteres Opfer in der Welt des perfiden Experimenten-Killers? Sicher ist auf jeden Fall schnell, dass er damit in der Verbindung steht. Nur in welcher Position? Das gilt es herauszufinden. Als Leser bildet man sich zügig eine Meinung. Vor allem, da ein Opfer ebenfalls eine Sprechrolle bekommt und man leicht Verbindungen knüpfen kann.

Diese Durchschaubarkeit ist ein meinen Augen auch ein großes Manko an dem Buch. Es ist laut Verlag ein Psychothriller – ja, ich weiß, daran sollte man sich nicht verbeißen – aber bei einem Thriller generell erwarte ich mehr Undurchschaubarkeit. Ich will rätseln und mitfiebern und am Ende überrascht werden. Zwar fehlt das hier gewaltig, weil man auch den Täter selbst genauso flott identifizieren kann, doch die Ermittler sind bei weitem noch nicht so weit. So war es für mich hier interessant zu lesen, wie sie auf seine Spur kommen. Oder wie man nur “Oh, Gott! Nein, nicht zu diesem Menschen gehen!” denkt, weil sie ihm nichts ahnend näher kommen, als sie vermuten. Gelangweilt hat mich das Buch somit nicht wirklich. Es unterhielt mich von der ersten bis zur letzten Seite.

Schade war allerdings auch, dass der psychologische Aspekt, um Leben, Tot und Übergang recht oberflächlich behandelt wird. Bekommt man durch die Briefe einen guten Einblick in das Wesen des Killers, will man auch mehr über die wissenschaftlichen, neurologischen, biologischen, gedanklichen Vorgänge seiner Opfer wissen. Ein paar Erklärmomente hätten hier nicht geschadet und dem Leser definitiv neues Wissen übermittelt. Das ist wie, wenn man einen Stück Kuchen vor die Nase gehalten bekommt und nicht abbeißen darf… Denn die Ausschnitte aus einer Facharbeit zu dem Thema “Leben, Tod und Trauer” geben schon einen guten Einblick in diese Richtung. Doch es wird nicht genutzt und somit verpufft die aufgebaute Neugierde in den Sorgen und Problemen der Ermittler Murphy und Rossi.

Da die Charaktere, der Aufbau und der Verlauf der Ermittlungen jedoch nie komplett an Biss verlieren, habe ich das Buch auch komplett gelesen und es nicht bereut. Es ist der Debütroman von Luca Veste und so kann man nur hoffen, dass der Autor in seinen kommenden Bändern mehr fachliches Wissen mit einbaut, wenn er schon diverse Andeutungen macht und es vor allem studiert hat.
Am Ende hat das Buch nicht den Pepp gehabt, den ich mir bei dem Klappentext und Buchtitel erhofft habe, dennoch ist es eine lesenswerte Lektüre, die gut unterhalten kann.

die-lection-des-todes-sketch


Genre: Psychothriller / VÖ: Januar 2015 / Verlag: blanvalet / Reihe: Serienstart / Region: Großbritannien/Liverpool

6 thoughts on “|Thriller| “Die Lektion des Todes”

  1. Ein Psychothriller ohne Thrill – hoffentlich wird das nicht langsam zur Mode ;)
    Letztendlich konnte dich das Buch ja trotz seiner Schwächen unterhalten.

    Bin total geplättet von deiner fabelhaften Zeichnung <3
    Hut ab vor deinem Talent!!

    Liebste Grüße,
    Kasia

    1. In Sachen Thrill hast du absolut recht. Ist inwzischen so wie bei Lebensmitteln. Niemals auf die tollen Werbesprüche und Versprechungen achten, sondern einfach testen ;)

      @sketchnote
      Danke :3
      Mit neuen Stiften klappt das inzwischen sogar noch besser :D

  2. Hi Chrstin,

    eine gelungene Rezi und ich war auf deine Meinung zu diesem Buch gespannt, denn das Cover und der Klappentext hatte mir gefallen. Aber ein großer Minuspunkt ist für dieser Satz: "… aber bei einem Thriller generell erwarte ich mehr Undurchschaubarkeit. Ich will rätseln und mitfiebern und am Ende überrascht werden." Auch ein paar andere von dir angesprochene Punkte lassen mich zweifeln, ob das Buch etwas für mich ist. Kaufen werde ich es mir erst mal nicht, höchstens wenn es bei Skoobe auftauchen sollte, werde ich es mir auf die Merkliste setzen.
    Liebe Grüße,
    Uwe

    1. Es gibt ja noch den Weg des "Ich weiß es, aber der Ermittler nicht." und der wurde halt hier beschritten und es ist einer andere Art der Spannung. Eventuell durchschaust du es auch nicht so schnell?! Der Autor gibt viele Möglichkeiten vor und ab und an, war sogar ich versucht mich von meiner Figur abzuwenden ;)

  3. Naja unsere Kritikpunkte sind ja wirklich so ziemlich die selben, nur die Gewichtung für die Bewertung ist anders. Für mich war es dann auch einfach zu lang, um noch unterhaltsam zu sein. Mit 150-200 Seiten weniger vielleicht.
    Wirst du die Reihe denn weiterverfolgen? Ich werde es hier erstmal dabei belassen.

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