buchkritik, crimem saat der lüge

“Glaubst du, dass Sünden, die man im vorherigen Leben begangen hat, einen bis in das nächste Leben verfolgen?” [S. 7]

Liz und Cora sind Freundinnen seit ihrer Studentenzeit. An der Uni von Cardiff lernten sie sich kennen. Waren Zimmergenossinnen und trotz ihrer unterschiedlichen Familienstände, werden sie rasch ein Herz und eine Seele. Während Lizzy eher zurückhaltend und schüchtern ist, ist Cora das komplette Gegenteil. Regelmäßig trifft sie sich mir ihrem Freund Mike an den Wochenenden und lebt ihre Jugend voll aus. Kurze Zeit später bringt sie Stevie – Mikes Kumpel – in das Leben in ihrer Freundin und hofft, dass die beiden anbändeln. So richtig funken will es zwischen den beiden allerdings nicht und so bleibt es bei einer freundschaftlichen Beziehung. Natürlich ist Liz kein Mauerblümchen, doch im Vergleich gesehen ist sie die ruhige See und Cora das stürmische Meer.

Kaum ist die Uni vorbei verlieren sich ihre Wege. Zwar schwor man sich, regelmäßig Kontakt zu halten, aber wie das Leben nun mal so ist: So etwas verliert sich rasch in Sande. Doch einige Jahre später klappt es dann endlich. Der Vierer-Trupp trifft sich in einem Lokal aus Studienzeiten und neben alten Anekdoten wird eifrig Alkohol ausgetauscht. Plötzlich gesellt sich eine junge Frau zu ihnen. Sie heißt Jenny und scheint alle zu kennen. Nur kennt keiner von den Freunden sie. Schnell kühlt die Stimmung ab. Ist Jenny etwa eine Liebhaberin von Mike? Cora hegt schon lange einen Verdacht. Oder ist Jenny eine Stalkerin? Haben sie sie zu Unizeiten “übersehen”? Was will sie eigentlich von ihnen? Besonders die zwei Frauen – Cory und Liz – machen ihre Abneigung gegenüber Jenny deutlich. Die Jungs dagegen wollen sogar noch mit ihr weggehen.
Damit wird die Saat des Misstrauens gepflanzt und in dem Leben der vier ist ab sofort nichts mehr wie vorher.

Das Buch fängt mit der Gegenwart an. Liz und Cora sind in einem Einkaufszentrum unterwegs und der obige Satz von Seite 7 leitet alles ein. Man spürt direkt die drückende Stimmung. Den Hass von Liz auf Cora und ist zunächst verwirrt, wie es soweit kommen konnte. Im nächsten Kapitel geht man dann in die Vergangenheit zurück. Alles wird aus der Sicht von Lizzy berichtet. Diese ist inzwischen Journalistin und soll den Unfalltod einer jungen Frau in den Mittelpunkt ihrer Journalistischen Arbeit rücken. Die tote Frau ist niemand anderes als Jenny. Die mysteriöse Fremde, welche sie in der Diskothek angesprochen hatte. Bei ihren Recherchen muss sie sich automatisch mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen und kommt seltsamen Wendungen und Gerüchten auf die Spur, die ihr Weltbild von einer Freundschaft nach und nach zerstören.

Wenn man den Klapptentext liest, glaubt man nicht, dass das Buch sich so spannend und interessant entwickeln wird. Man wird direkt hineingezogen in den Sog des Misstrauens, welcher im krassen Gegensatz zu der dicken Freundschaft zwischen den Frauen steht. Man will wissen wieso es soweit gekommen ist. Warum sich diese beiden Frauen im ersten Kapitel so seltsam verhalten. Warum Lizzy sogar Mordgedanken hegt und wie verdammt nochmal alles enden wird!
Die Zeitwechsel sind gut eingeflochten und sorgen Stück für Stück für eine neue Erkenntnisse. Dank der Kapitelüberschriften, kann man sich jedes Mal denken, welcher Abschnitt aus dem Leben von Liz jetzt angesprochen wird und erwartet eine neue Wendung.

Die Figuren in dem Buch machen alle eine starke Entwicklung und zugleich Veränderung durch. Nimmt man sie anfangs als fröhliches Quartett wahr, spürt man schnell, wie der Keim des Argwohns immer rascher wächst. Besonders Lizzy ist mir aufgefallen. Sie wirkt äußerlich ruhig, doch innerlich brodelt sie. Kaum hat die Journalistin die erste Lüge entdeckt, bohrt sie tiefer und tiefer. Was sie dabei an das Tageslicht bringt, ist hart zu erfahren. Man stellt sich selbst die Frage: Wie weit würde ich für meine Freunde gehen? Wann ist eine Notlüge keine Not mehr, sondern schlichtweg eine Lüge? Das Ende hat mich dann doch überrascht. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so enden wird. Zwar gab es Andeutungen, aber wie das nun einmal bei journalistischer Arbeit so ist, wird vieles vermutet, recherchiert, über Bord geworfen und neu entdeckt.

Alles in allem hat mich dieses kleine Büchlein sehr positiv überrascht. Zu meckern habe ich eigentlich kaum was. Es ist so, wie es ist, vollkommen stimmig. Man will von der ersten Seite an wissen, wie alles enden wird und dank der geringen Seitenanzahl, hat man es auch rasch verschlungen.
Hier und da habe ich mir vielleicht ein paar Details mehr gewünscht, um noch mehr das Thrill-Feeling zu bekommen. Trotzdem ist es erstaunlich, wie faszinierend ein Thriller ohne große Blutbeschreibungen oder detailreiche Polizeiarbeit sein kann, nur aus dem Blickwinkel einer einzelnen Frau.

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Genre: Psychothriller / VÖ: Oktober 2012 / Verlag: Goldmann / Serie: Einzelband / Region: Wales

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