notizen einer verlorenen, buchkritik

Stell dir vor, du findest die Leiche deiner Freundin. Zermahlen unter einem kiloschweren Gewicht. Zuerst willst du nicht an das Offensichtliche glauben. Doch die Unmengen an Blut machen dir spätestens bewusst, dass du sie nicht mehr retten kannst. Es ist zu spät. Ihr Leben ist ausgelöscht. Während du sie verstört anstarrst, fällt dir etwas ins Auge. Ein Buch liegt unter ihrem Körper begraben. Du zögerst. Doch letztlich ziehst du es unter ihr hervor und fängst neugierig an darin zu blättern. Das Blut. Der zerquetschte Körper . Alles wird in diesem Moment ausgeblendet. Denn vielleicht gibt es ja hier eine Erklärung für all die offenen Fragen und die gibt es. Voller Erstaunen stellst du fest, dass du eine Art Tagebuch in der Hand hälst. Die Notizen einer Verlorenen.

So ähnlich beginnt auch das Buch von Heike Vullriede. Ein Unbekannter findet die Leiche von Sarah und unter ihr eben jenes Büchlein. Wer der Finder ist, bleibt zunächst unklar. Sicher ist nur, dass er die junge Frau kannte. Nach und nach erfährt man nun, wie es zu dieser Ausgangssituation gekommen ist und diese Wahrheit ist nicht von Blümchenwiesen und strahlenden Gesichtern geprägt. Viel eher von Trauer und der Freude auf den Tod.

Sarah ist nach dem Tod ihres Ex-Freundes Jens traumatisierter als gedacht. Was wohl daran liegt, dass er sie unfreiwillig dazu gezwungen hat, seinen Freitod mit anzuschauen. In Folge dessen und aufgrund seines letzten Wunsches, findet sie sich kurze Zeit später vor einem alten Haus wieder. Das “Haus der Verlorenen”. Einem Verein für suizidgefährdete Menschen. Skeptisch tritt sie ein und macht die Bekanntschaft mit seltsamen Menschen. Sie merkt schnell, dass mit diesem Verein irgendetwas im Argen ist. Hier ist nicht so, wie es scheint. Da lernt sie Alexander kennen. Er ist ebenfalls Mitglied und mach so gar nicht den Eindruck, als ob er sich umbringen möchte. Entsprechend bandelt sich eine kleine Beziehung zwischen den beiden an. Doch ist er wirklich der junge Mann, der er vorgibt zu sein?
Plötzlich kommen in Sarah Zweifel auf und sie bereut schon fast, den letzten Wunsch von ihrem Ex Jens erfüllt zu haben.

Die Notizen von Sarah lesen sich anfangs sehr zügig. Man ist neugierig, wie sich alles entwickeln wird. Je näher man allerdings ins Geschehen vordringt und je mehr Charakter man kennenlernt, umso vorhersehbarer wird das Buch. Im Grunde kennt man das Ende ja schon. Doch hinter so einem Ende verbirgt sich meist noch ein anderes Ende und genau dieses ist schnell erahnbar. Man kann fix eins und eins zusammenzählen und reimt sich die Geschichte zusammen. Letztendlich passiert es dann auch genau so.
Das bringt leider auch mit sich, dass die Story langweilig wird. Es ist immer der gleiche Strudel aus Verzweiflung, Wut und Frust. Diese dunkle Grundstimmung passt perfekt, dennoch verpasst die Autorin es hier, dem Leser frische leuchtende Bröckchen hinzuwerfen, um dem Kreis der Ereignisse ab und an zu entkommen. Man ermüdet und ärgert sich, dass man mit Sarah nicht mitfühlen kann beziehungsweise generell nicht mitfiebert. Da hier die Brücke zu ihr fehlt.

Der Aufbau ist klar und deutlich. Man rückt von Seite zu Seite der Wahrheit um den Tod von Sarah näher. Da allerdings keine Überraschung auf einen warten, fühlt man sich wie in einer zähen Suppe aus Marionetten, die brav ihre einstudierten Sätze aufsagen.
Packt man in so ein Notizbüchlein nicht mehr Emotionen? Selbst wenn es in diesem Fall eher die negativen Gefühle gewesen wären, sie fehlen. Sarah wirkt naiv und bis auf die kurzen Liebeleien berichtet sie kaum über ihre Emotionen. Dann hätte ich das Buch lieber komplett als eine Art Tagebuch gelesen. So verliert es an Elan. Denn die Hoffnung, die der Titel weckt, wird definitiv nicht erfüllt.

Alles in allem, war ich enttäuscht von dem Buch. Der Klappentext und das Cover haben Hoffnungen geweckt, die rasch im Keim erstickt werden mussten.
Außerdem fragt man sich immer wieder, warum diese Gruppe noch keiner aufgedeckt hat. So stark sind die Druckmittel nicht und das deutsche Rechtssystem mitsamt seiner forensischen Abteilung ist auf einem sehr modernen Stand und durchaus in der Lage, solch kniffelige Fälle zu lösen. Auf “fiktiv” kann man meiner Meinung nach hier leider nicht beharren, denn es muss glaubhaft bleiben, damit der Leser es auch abkauft.
Ich habe dem Buch vieles nicht abgekauft und war am Ende sehr unzufrieden über den  Ausgang, den ich schon nach den ersten Seiten gewusst habe.

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Genre: Thriller, Schicksal / VÖ: Nov 2013 / Verlag: Luzifer Verlag / Serie: Einzelband / Region: Deutschland

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