Wir befinden uns in Amerika. Das Land, dass der Ursprung jeder klima-, natur- oder gen-biologischbedingten Katastrophe zu sein scheint. Wie oft hat man schon Filme gesehen, wo es ein paar mutige heldenhafte Amerikaner in letzter Sekunde geschafft haben, die Erde zu retten? Sei es vor herabstürzenden Meteoriten, bösen Alieninvasionen oder gar seltsamen Insektenplagen. Ziemlich oft eigentlich. Je nach Zusammensetzung der Charaktere, kann das auch richtig unterhaltsam sein. Trotzdem bedient man sich oft dem klassischen Akte-X Schemata: Ein bis Zwei schwarze-Anzug-Agents in geheimer Mission. Ab und an tauchen gut aussehende Typen auf, die die Frauenherzen dahin schmelzen lassen, die hübsche Silikon-Blondine darf dabei ebenso nicht fehlen, wie der verstreute Professor oder der unsichtbare Informant. Kennen wir also die Serie Akte-X, kennen wir sie alle. Naja, fast. Silikonbusen war damals noch nicht so verbreitet.

Aber auch sonst fällt die Endzeit Geschichte von Justin Cronin ein wenig durch das klassische feinmaschige Raster. Alles fängt mit einer Entdeckung im Urwald an, in dessen Folge seltsame Experimente an menschlichen Probanten durchgeführt werden. Doch nicht alles läuft immer glatt und so braucht man stetig wieder Nachschub. Eines Tages erhält nun der FBI-Agent Wolgast mit seinem Kollegen den Auftrag, das 6jährige Mädchen Amy zu holen. Zunächst sind die skeptisch, schließlich war kein Objekt, war bisher so jung. Allerdings: Auftrag ist Auftrag, also machen sich die beiden auf die Suche nach Amy.
Wie ihre Auftraggeber richtig vermutet haben, ist dieses Kind etwas ganz besonderes. Irgendwann kommt es schließlich so, wie es kommen musste. Es kommt zum Zusammenbruch und zeitgleich dem Ausbruch, der Katastrophe, die alles zum erliegen bringt. Wirklich alles.

“Es ging schnell. Zweiunddreißig Minuten, in denen eine Welt zu Ende ging und eine neue geboren wurde.” [S.271]

In der Zeit vor und nach diesem Unglück lernt man als Leser zahlreiche Figuren kennen. Man kann sie in unterschiedliche gedanklich Gruppen einteilen oder sich schlichtweg seine Lieblingsfiguren merken. Alle wird man nicht behalten können. Vor dem Ausbruch ist alles noch fein säuberlich voneinander getrennt. Danach jedoch, hat man zeitweise so eine Namensflut vor sich stehen, dass man eine Weile braucht, um sich die wichtigsten Namen mitsamt ihren Verbindungen und Eigenschaften merken zu können.
Schön finde ich, dass der Ausbruch nicht nach Schönheit und Stärke sortiert hat. Zwar wurde mit menschlicher Hand nachgeholfen, trotzdem sind die Typen komplett unterschiedlich. Viele müssen sich auch erst noch entwickeln, werden in die neue Zeitrechnung hineingeboren.

Diese Entwicklung der einzelnen Figuren verfolgt man sehr gerne. Man bang mit ihnen mit. Klammert sich an klein Strohhalme. Freut sich über schöne Erlebnisse und trauert, wenn es Verluste zu beklagen gibt. Das ist also ein dicker fetter Pluspunkt an das Buch: Es entwickelt sich nachvollziehbar. Keiner verharrt in seiner Position. Ein weiterer positiver Punkt ist die Aufteilung. Dank der Kapitelüberschriften hat man immer einen groben Überblick, wo und wann man gerade in der Handlung unterwegs ist und verliert somit nie den roten Faden.
Die Spannung kommt ebenfalls nicht kurz. Ist es anfangs das Warten auf den Knall und mittig, die Sorge um die Lebenden, kommt am Ende die Hoffnung auf ein Überleben hinzu.
Wenn man dann glaubt, alles sei im Reinen, kommt eine Wende, die einen wieder neu mifiebern lässt. Für Unterhaltung ist also von der ersten, bis zur letzten Seite gesorgt und das trotz der über 1000 Seiten! Die Zeit verfliegt wie im Flug!

Leider hatte ich trotzdem einen tiefen Hänger mittendrin, wo ich einfach nur noch die Seiten überfliegen wollte. Es reihen sich hier zu viele Informationen aneinander. Man wird mit Familiennamen und Konstellation zugetextet und fühlt sich einfach überladen. Es hat auch einige Seiten gedauert, bis ich da wieder raus war und letztendlich hat sich gezeigt: Es wäre nicht nötig gewesen, den Leser so extrem ins Familienstammbaum Geschehen reinzudrängen. Man versteht die kommenden Ereignisse auch ohne diese vielen Details.
Danach nimmt die Story zum Glück wieder mächtig Fahrt auf und man vergisst den trockenen Mittelteil  wieder fast komplett. Gut für das Buch, schade um meine duchgequälten abendlich Lesestunden.

Alles in allem hat mich das Buch dennoch überzeugt. Wer es schafft, so einen dicken Schmöcker zu schreiben und dabei auch noch so viele Leserherzen gewinnt, der muss etwas besonderes in seinen Werken versteckt haben. Das hat Justin Cronin auch, denn ich will mich dieses Jahr ein weiteres Mal in den 1000 Seiten Genuss schmeißen, wenn der zweite Band “Die Zwölf” verschlungen werden will.

der-uebergang-sketch


Genre: Thriller, Endzeit, Roman / VÖ: August 2010 / Verlag: Goldmann  / Serie: Serienstart / Region: Amerika

8 thoughts on “|Thriller| “Der Übergang”

  1. Huhu!

    Eine wirklich gelungene Rezi zu einem meiner Lieblingsbücher !!! Und dein Satz "Es entwickelt sich nachvollziehbar. Keiner verharrt in seiner Position." finde ich für dieses Buch absolut treffend.

    Auch bezüglich des Punktes mit der Länge und dem Stammbaum konnte ich zwar nicht ganz nachvollziehen, da zu viel Info und hätte man streichen / weglassen können. Aber insgesamt ist das Buch "sau geil" :D

    Ich bin auf deine Meinung zu "Die Zwölf" gespannt und ich freue mich, wenn hoffentlich bald mal der letzte Teil auf deutsch erscheinen soll.

    Liebe Grüße,
    Uwe

    1. Als "saugeil" bezeichne ich andere Bücher, aber gelohnt hat es sich dennoch :P

      So schnell werde ich "Die Zwölf" nicht lesen. Das Jahr ist noch lang. Vor allem wenn man bedenkt, dass der letzte Teil erst im Herbst veröffentlicht wird und er vermutlich im Frühjahr 2016 dann erst auf deutsch rauskommt :)

  2. Hallo :)
    bei dem Buch hänge ich auch grade noch. In der Mitte, dieser Teil mit den ganzen Verwandschaftaverhältnisen ist echt richtig zäh! :/ Und jetzt fehlt mir momentan die Zeit weiter zu lesen ._. Aber ich hab mir vorgenommen im März noch fertig zu werden!

    Liebe Grüße

    1. Oh, da hast grad den fiesen Part erwischt. Sehr gemein >.<
      und dann noch fehlende Zeit – noch gemeiner >.<

      Aber bis Ende März schaffst du das! Danach liest es sich wieder flott weg :D

  3. Meine Beste ist total begeistert von diesem Buch und ich wollte es mir auch eigentlich mal von ihr ausleihen. Hörst du das Aber? ;)
    Aber es ist so unfassbar dick und ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei so dicken Wälzern eben auch ziemlich lange Stellen mit drin sind, was ich echt nicht leiden kann. Jetzt, nachdem ich deine Rezi gelesen, sehe ich, dass ich Recht habe mit der zähen Stelle und bin wieder total unsicher, ob ich es trotzdem wagen soll, oder besser doch nicht. Neugierig bin ich echt, aber… Ach menno, ich weiß auch nicht.
    Vielleicht leihe ich es mir doch mal aus. Dein Fazit überzeugt ja schon. ;)

    1. Lesen!
      Dieser eine Abschnitt ist auch fix überstanden und wenn man ihn im Vergleich zum Rest sieht, ist er relativ kurz. Ich habe auch schon einige dicke Dinger gelesen und deine Erfahrung auch gemacht, das Buch hier, tanzt da allerdings schon aus der Reihe :P

    2. Okay, überredet. Ich werde mich dann gleich mal bei meiner Besten melden, dass sie mir das Buch mal rauslegen soll, damit ich es gleich mitnehmen kann, wenn wir uns das nächste Mal sehen. :)

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