die brücke der gezeiten, buchkritik, crime, fantasy

“Urthe ist nach Urtih benannt, einem Erdgott der Yothic. Es gibt zwei bekannte Kontinente: Yuros und Antiopia […] sie sind durch über 300 Meilen unbefahrbarer See voneinander getrennt.” [S.21]

Es ist kurz vor zwölf in Urthe. In einem Jahr nähert sich jener schicksalhafte Tag erneut, den die Menschen der beiden Länder Yuros und Antiopia nur alle zwölf Jahre erleben dürfen: Eine Brücke wird sich aus dem Meer erheben und die beiden Kontinente miteinander verbinden. Was im ersten Moment sehr positiv und verlockend klingt, ist für viele Menschen dort der reinste Albtraum. Denn dieser Moment bedeutet Krieg. Die Mächtigsten der Mächtigen werden versuchen Land an sich zu reißen. Werden versuchen ihren Glauben und Willen durchzusetzen. Wer folgen will soll folgen, ansonsten wird er ausgemerzt. Es ist also kein Wunder, dass sich schon 12 Monate vorher Strategien zurechtgelegt werden und dass man versucht sich Wege frei zu machen, damit die “Übernahme” reibungsloser vonstatten geht.
In mitten diesem Getümmel durchleben drei Menschen ihre ganz eigenen Geschichten und keiner von ihnen ahnt, dass er bald eine wichtige Bedeutung erlangen wird.

Dazu gehört der Magus Alaron, der mitten in der Ausbildung ist und nach seinem Abschluss endlich seine magischen Kräfte auch offiziell einsetzen möchte. Ohne rechtmäßigem Abschluss ist dies nämlich verboten. Auch wenn seine Blutbahnen nicht das beste Magus Blut beinhalten legt sich er sich zusammen mit seinem Kumpel mächtig ins Zeug. Aber ob das hilft die Lehrer zu überzeugen? Schließlich steht er ziemlich weit unten in der Nahrungskette der Magier.
Neben Alaron kommt die junge Frau Ramita zu Wort. Sie ist bereits einem ihr absolut sympathischen Mann versprochen und bereitet sich gedanklich schon auf die Festtage vor. Jedoch macht ihr Vater ihr einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Geblendet von Geld und Macht, wird die Verlobung aufgehoben und sie muss sich einer Zwangsheirat fügen, die Wohlstand mit sich bringt.

Aber wer will schon einen über 300 Jahre alten Mann heiraten, nur weil der Erben braucht und einen zur Gebährmaschine braucht? Ramita definitiv nicht. Doch ihr Schicksal scheint besiegelt.
Als letzte in der Runde gesellt sich die Magi Elena hinzu. Sie ist eine Spionin und zugleich Leibwächterin einer mächtigen Familie, welche davon nichts ahnt. Allerdings lassen diverse Ereignisse sie an ihrer eigentlichen Arbeit zweifeln und sie fängt an sich gegen ihren Auftraggeber zu stemmen. Sie will die Familie nicht mehr verraten, sie will sie beschützen. Ob das eine so gute Idee ist?

Doch bevor man überhaupt auf die drei Geschöpfe zu sprechen kommt, wird einem ein seltsamer Prolog vorgelegt, der mehr verwirrt, als Klarheit bringt. Auch löst sich während des gesamten Buches nicht auf, wie diese Geschichte um eine alte Magierin in die Handlung passt. Einer Lesermeinung zu Folge, liegt das an der Aufsplittung der Originalversion. Aus Eins mach Zwei. Das kennt man ja schon von Game of Thrones. Entsprechend lege ich diesen Punkt nicht bei meiner Gesamtmeinung in die Waagschale, bevor ich Band 2 gelesen habe. Nach der ersten gedanklichen Verwirrung geht es dann ab ins Kaiserhaus.

Man wird mit fiesen Machtspielchen begrüßt und ist erstaunt, wie naiv das gemeine Volk auf den Leser wirkt. Wie geschickt die Magier jener Welt die Menschen beeinflussen können. Ein Fakt, den sie sich natürlich zu nutze machen. Entsprechend werden erste Intrigen und Komplotte geplant. Zahlreiche Namen und Magiergrade werden hier genannt, sodass man fast ein Notizbuch holen möchte, damit man auch wirklich alles versteht. Mindmaps ploppen einem vor dem inneren Auge auf, man versucht Verknüpfungen herzustellen, obwohl man dies noch gar nicht machen kann. Ehrlich gesagt war ich hier auch kurz davor das Buch abzubrechen. Es ist einfach zu viel des Guten. Zum Glück kam dann irgendwann eine Wende. Man lernt nämlich die drei Schicksalswesen kennen und die Sicht wird wieder klarer.

Abwechselnd kommen nun Alaron, Elena und Ramita zu Wort. Nun gut, nicht nur sie. Der Autor lässt es sich nicht nehmen einige Nebencharakter sprechen zu lassen. Was hier zum Glück nicht mehr so dramatisch ist, da man weiß wo sie dazugehören. Je weiter die Geschichte voranschreitet umso mehr kann man auch erste Verbindungen untereinander herstellen. Die Nebel der ersten Hälfte des Buches lichten sich also wirklich deutlich. Trotzdem wird man auch hier mit vielen Nebensächlichkeiten bombardiert.

Zwar ist es schön die Gedanken der Hauptfiguren zu kennen, aber man kann auch viele Dinge überfliegen und muss einem zum Beispiel eine tagelange Reise durch die Wüste nicht genauso staubtrocken und karg präsentieren, wie es die Figuren erleben. Diese Nebensächlichkeiten summieren sich am Ende und die Erwartungen waren letztlich deutlich höher, als dass der Serienstart hier mithalten konnte. Da helfen auch schön gezeichnete Kapitelseiten oder eine Figuren- und Fremdworterklärung am Ende des Buches nicht mehr viel (die übrigens recht nützlich sein kann). Man will einfach vorankommen und nicht mit belanglosen Dialogen oder Beschreibungen aufgehalten werden.

Mich konnte am Ende nur die Geschichte um Elena überzeugen. Diese Frau und ihr neues Umfeld habe ich schnell in mein Leserherz geschlossen. Zwar kommt hier später noch eine Figur hinzu, die automatisch mit ihr verbunden ist. Dennoch ist das etwas unglücklich gewesen, nur einen Liebling zu haben, da ich stark in Versuchung gekommen bin, die anderen Seiten zu überfliegen.

Alles in allem war ich nicht so geflasht von dem Auftakt wie erhofft. Zwar ist die Geschichte um die Mondflutbrücke sehr interessant, doch der Weg bis zu dem Ereignis recht holprig. Ich werde mir auf jeden Fall Band 2 auch noch zu Gemüt führen und erst danach entscheiden, ob ich diese Saga beenden werde oder nicht. Bisher sieht es nämlich nach einem klaren “Nein” aus.

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Genre: Fantasy / VÖ: Dezember 2013 / Verlag: Penhaligon / Serie: Band 1 von 8 / Region: Fantasywelt Yuros & Antiopia in Urthe

weitere Meinungen: Lesen ist (3,5 Sterne) & Stille Feder (4 Sterne)


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