der psychologe, Gabriel Rolon, Buchcover, buchkritik

“[…] dann frage ich dich jetzt: Glaubst du, dass Javier seinen Vater umgebracht hat?” […]
“Ich weiß es nicht, Jose.” (S.34)


Der Psychologe Pablo Rouviot bekommt ein Angebot, was er eigentlich ausschlagen sollte. Doch die Neugier ist so groß, dass er der Versuchung nicht widerstehen kann. So nimmt er den Auftrag an und macht sich daran, ein psychologisches Gutachten zu erstellen. Nun gut, passt zu seinem Job, was soll daran schlimm sein? Der junge Mann, der analysiert werden soll ist jedoch ein Mörder laut Polizei und Pablo soll nun seine Schuldunfähigkeit auf Wunsch der Schwester beweisen.

Sein Umfeld reagiert überrascht und teilweise sogar schockiert darüber und appelliert an seinen gesunden Menschenverstand. Er würde sich nur von der Schönheit der Auftraggeberin lenken lassen und zudem leiden seine eigentlichen Patienten unter seiner Abwesenheit. Javier kommt nämlich aus einer wohlhabenden Familie und auch, wenn sein Geisteszustand kaum ein klares Gespräch zulässt, sind die Puppenspieler im Hintergrund recht mächtig und haben Pablo genau im Visier.

“Kommen Sie bitte mit, ich stelle Ihnen Javier persönlich vor, oder das, was von seiner Persönlichkeit übrig geblieben ist.” (S.47)

Natürlich nimmt Pablo den Job an und selbstverständlich halten seine Freunde zu ihm und stehen ihm mit Rat und Tat zur Seite. Sonst würde die Story schließlich keinen Schwung bekommen. Aber plötzlich ist es Pablo selbst, der ins Grübeln gerät und nicht weiß, was hier gespielt wird. Aber die Wahrheit ist noch weit entfernt von ihm. Nur der Leser, der ahnt schon längst, was hier gespielt wird und wartet darauf, dass die große Enthüllung beginnt.

Gabriel Rolón schafft es den Leser mit seinem Schreibstil und seiner ruhigen Art komplett in den Bann zu ziehen. Man klebt förmlich an den Lippen seiner Hauptfigur Pablo und auch wenn einen nicht jeder Punkt in dem Buch überzeugt, so ist es diese Sympathie, die einen davon abhält, das Büchlein beiseite zu legen. Denn eine großartig wendige und verworrene Story braucht man nicht erwarten.

“Die Leiche muss weg, so schnell wie möglich.” (S.112)

Es gibt da noch eine Stimme aus dem Off – der Vergangenheit – die dem Täter gehört und gelegentlich zu Wort kommt. Namen werden nicht genannt. Sie soll den Leser wohl ins Grübeln bringen. Ich hatte leider sofort einen Verdacht, der nur ein einziges Mal ins Wanken kam und sich dann immer mehr verhärtete, bis der entscheidende Hinweis kam. Somit war ich vom Ende keineswegs überrascht, sondern ich fühlte mich eher bestätigt. Spannend kann ich den Krimi daher nicht wirklich bezeichnen, eher mitreißend.

Trotz meiner Kritik sollte man nicht zwingend deinen Bogen um das Buch machen. Der eingefleischte Crime-Leser wird wohl ähnlich empfinden wie ich und den falschen Fährten nicht auf den Leim gehen. Dennoch wirkt die Geschichte und das Handeln der Figuren authentisch. Dank dem psychologischen Aspekt ist es hier vor allem interessant, wie man gewisse Dinge deuten kann und der Psychologe behutsam mit den Menschen umgeht.

Alles in allem hat mich “Der Psychologe” nicht zu 100% überzeugt. Ich halte es trotzdem für lesenswerte Lektüre. Denn allein der Aufbau – ein studierter Mann aus der Medizin hat das Zepter in der Hand, nicht ein Detektiv oder Kommissar – lockt den ein oder anderen sicher hinter dem Ofen hervor.

 

der psychologe, Gabriel Rolon


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Genre: Crime / VÖ: Dezember 2016 / Verlag: btb / Serie: Einzelband / Region: Buenos Aires

eine weitere Kritik von Crumb


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