Unterkonsum: Unterschreiten der vorgeschriebenen Mindestmenge psychoaktiver Substanzen, zieht strafrechtliche Konsequenzen nach sich.” (Begriffsverzeichnis)

Willkommen in Junktown! Da muss ich glatt den ersten Satz vom Buchrücken übernehmen, denn besser könnte man einen Touristen in dieser Stadt nicht begrüßen. Da kämpfen wir heute gegen jeglichen Drogen- und Alkoholkonsum. Warnen vor Missbrauch und den schädlichen Folgen. Prangern derartige Produkte mit illegal an und dann plötzlich ist da diese fiktive Welt, wo man Drogen nehmen MUSS.

Es gehört zur Pflicht eines guten Bürgers, regelmäßig seine Drogen zu nehmen. Schließlich muss bei den regelmäßigen – staattlich verordneten Tests – ein gewisser Wert erreicht werden. Jeglicher Nicht-Konsum oder gar eine Verweigerung wird sofort bestraft. Entsprechend kann man sogar Drogentrips von seinem Arzt verschrieben bekommen. Sollte sich ein Tief ankündigen. So viel zum Grundgerüst von Junktown. Welche Rolle spielt nun Inspektor Solomon Cain in dem Geschehen?

“Die Sonne hievte sich über den Horizont und schien nieder auf ein Junktown, das den Morgen so teilnahmslos über sich ergehen ließ wie eine Cracknutte den letzten Freier nach einer viel zu geschäftigen Nacht.” (S.13)

An jenem Morgen wird eine Leiche gefunden. Nicht irgendeine. Eine Maschine wurde ermordet. Wie soll man denn eine Maschine ermorden können? In einer Epoche, wo es Brutmuttern gibt, die für Nachwuchs sorgen, kann auch eine zerstörte Maschine eine äußerst wichtige Rolle spielen. In diesem Fall wurden direkt zeitgleich 800 Föten mit umgebracht. Während Cain seine Ärmel hochkrempelt und sich an die Aufklärung macht, schalten sich zeitgleich hohe Ämter ein, die jeden Schritt von ihm genauestes beobachten.

Komischerweise fangen diese an, eine Vergangenheit ebenfalls unter die Lupe zu nehmen. Nur warum? Ist Cain auf etwas gestoßen, was keiner herausfinden soll? Schließlich wird er dezent darauf hingewiesen, dass er nicht zu tief bohren soll. Nur, wer CAIN heißt, der hält sich bestimmt nicht an Regeln. Nope. So viel kann ich verraten. Nach dem Gesetz handelt er definitiv nicht. Nur reitet er sich dabei in Dinge hinein, der er vielleicht etwas vorsichtiger hätte anpacken sollen.

“Kraft durch Konsum” (Werbeslogan)

Wow, denkt man sich nach den ersten Seiten. Was für eine Welt, was für ein Setting. Dann die Beschreibungen, die Charaktere, das macht was her! Leider bekommt diese kleine Wohlfühl-Oase gelegentlich kleine Risse. Zwar werden am Ende alle Abkürzungen und Begriffe erklärt, dennoch wünscht man sich öfters mehr Tiefe. Das Buch hat absolut das Potenzial dazu und niemand würde schimpfen, wenn es doppelt so dick wäre. Nein! Denn man lauscht gerne den Worten der Charaktere und ist fasziniert von deren absurder Welt.

Da es ein Debütroman ist, hat der Autor definitiv eine zweite Chance verdient und kann seinen Werken noch mehr Leben einhauchen, als er es jetzt schon macht. Damit würde nicht nur mich glücklich machen, sondern viele andere Leser auch. Genügend kurioses Kopfkino ist schließlich vorhanden.

Mit meiner Kritik möchte ich das Buch aber nicht klein machen. Es liest sich flott weg. Man ist von Anfang an drin und gesellt sich gern zu Cain und seinem Kollegen Brom. Ist ein Geheimnis gelüftet, taucht schon ein neues auf und selbst unsere Hauptfigur hat mit ihren Schatten zu kämpfen. Die natürlich noch ans Tageslicht gezerrt werden und eine unfreiwillige traurige Analyse bekommen.

Letztlich kann ich das Buch Crime Lesern empfehlen, die nichts gegen futuristische Welten haben und gern einen Abstecher in abstruse Städte machen.


Anzeige

Genre: Crime (SciFi) / VÖ: Mai 2017 / Verlag: Heyne / Region: Junktown / Serie: Einzelband


13 thoughts on “|Crime| “Junktown”

  1. Das Setting finde ich total spannend, diese Umkehrung unseren Strebens. Ein Krimi als Dystopie ist auch nicht alltäglich.
    Danke für diesen ungewöhnlichen Tipp.
    Viele Grüße
    Silvia #litnetzwerk

  2. Was für eine wunderbare Rezension. Das Buch hört sich wirklich sehr spannend und vor allem mal nach einer anderen Geschichte an. Ich werde mir Junk Town defintiv mal merken.
    LG
    Yvonne

  3. Kerstin hat das Buch schon und der Klappentext klingt wirklich interessant! Auch deine Buchmeinung macht mich wirklich neugierig!

    Liebe Grüße (=

  4. Die Rezension ist wirklich genial geworden!! Die Art wie du sie aufgebaut hast, ist unglaublich toll und macht wirklich Lust zum Lesen. Ich mag übrigens deine Art wie du schreibst mega gerne <3!!
    Noch eine Frage: Machst du das bei jedem Buch, dass du dieses "Bild" mit den Stichworte machst, das ist nämlich mega cool <3 Vielleicht sollte ich das auch machen ;-)…
    Alles Liebe,
    Felia <3

    1. Lieben Dank :3

      Und die Sache mit dem Sketchnote: Teste es aus! Ich hab vor 3 Jahren angefangen und mach es inzwischen zu fast jedem Buch. Ist eine super Gedankenstütze für Rezis bzw wenn man es nachträglich macht, auch eine feine Art, das Buch noch mal revue passieren zu lassen :D

  5. Deine Rezension ist nun schon die zweite positive Einschätzung dieses Buches und ich habe beschlossen, es trotz der kleinen Mängel zu lesen. Ich bin bei Debütromanen auch immer großzügig und wenn man merkt, dass Talent und Potenzial da ist, und das Buch auch unterhaltsam ist, dann gebe ich dem Autor eine Chance.
    Danke für Deine Buchvorstellung.
    Liebe Litnetzwerk-Grüße von
    Gabi

    1. Uih, das freut mich :3 Dann bin ich mal auf deine Meinung dazu gespannt!
      Bin bei Debüts auch gern etwas großzügig, vor allem, wenn ich eben jenes Potenzial erkenne :)

  6. Huhu,
    nun habe ich auch mal hier her gefunden :) Hatte dich ja immer noch unter blogspot gespeichert.

    Tolle Rezension.
    Über das Buch bin ich erst vor kurzen gestolpert und deine Rezension hat das Interesse noch bestärkt. Gerade das futuristische Setting spricht mich total an. Ist definitiv mal was anderes.

    Viele Grüße, Julia

    1. Müsstest mich auch unter blogspot noch finden, hab ja ne Weiterleitung eingerichtet :D

      Und danke! Das Buch tanzt wirklich mal aus der Reihe und ist seine Lesestunden wert :3

  7. Pingback: [Rezension] Matthias Oden – Junktown | Die Bücherkrähe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.