“Anne Capestan stand vor ihrem Küchenfenster und wartete darauf, dass der Tag anbrach. Mit einem Schluck leerte sie ihre Tasse und stellte sie auf das grüne Wachstuch mit Vichy-Muster. Wahrscheinlich hatte sie gerade ihren letzten Kaffee als Polizistin getrunken.” (Buchbeginn)

Man kennt diese Situation: Irgendwann hat man mal Bockmist gebaut. Es wird einem gesagt, dass das schon okay ist. Schließlich wurde alles lückenlos aufgeklärt. Alles hatte seine Ordnung. Trotzdem bleibt der bittere Beigeschmack, dass es eben doch nicht so ist. Plötzlich kommt es zu Veränderungen. Man räumt auf und entledigt sich jeglichem Gesindels, welches dieses saubere, neue Image verschandeln könnten. Unter dieses Gesindel fällt auch Anne Capestan.

Da man sie aber nicht einfach komplett feuern kann. Wir erinnern uns: “Alles hatte seine Ordnung.”, wird eine Art Sondereinheit – Brigade – gegründet, dessen Leitung die junge Polizistin übernehmen darf. Das ist doch eine wunderbare Aufgabe, um seinen Vorgesetzten zu zeigen, dass diesen fiesen Stempel des Argwohns, nicht verdient hat! Dummerweise sind ihre Untergebenen alles notorische Faulenzer, Versager und verkümmerte Beamte, die nur ihr Dasein bis zur Rente tristen.

“Jeans, Ballerinas, dünner Pulli und Trenchcoat. Anne Capestan hatte ihre Uniform angelegt und umklammerte den Schlüsselbund für ihr neues Kommissariat. Zwanzig von vierzig Polizisten, das war ihr Ziel. Wenn auch nur jeder Zweite irgendeinen Sinn in dieser Brigade sag, lohnte es sich, dafür zu sorgen, dass sie funktionierte.” (S.20)

Statt den Kopf in den Sand zu stecken, nimmt sich Capestan der Aufgabe an. Ihre Hoffnungen muss sie zwar schnell etwas herunterschrauben, da sie mit Mühe und Not gerade einmal haarscharf an den zehn Mitgliedern kratzt. Dennoch ist sie frohen Mutes. Man teilt sich ein. Sucht sich ein Plätzchen und geht die alten Fallakten durch, die man ihnen mitgegeben hat. Karton für Karton. Fall für Fall. Und da ist er plötzlich, ein Lichtblick: Ein alter Fall, wo es sich lohnt nachzuforschen!

Man nimmt die Füße in die Hand und es kommt tatsächlich Bewegung in den ausrangierten Beamtenhaufen. Nur dummerweise ist genau das, von der Chefetage nicht gewollt. Man soll gefälligst unter dem Radar bleiben. Am liebsten in einer Ecke stehen und einstauben. Nix ermitteln! Wo kommen wir denn dahin. Das ist der Startschuss für eine turbulente Achterbahnfahrt durch das Pariser Hauptkommissariat, über Befragungen von Zeugen und echte harte Detektivarbeit. Stets dabei der Wortwitz und die galante Art der Polizisten, mit ihren Marotten umzugehen.

Fazit: Der Titel ist hier eindeutig Programm. Ein Polizeikommando auf dem Abstellgleis. Aber so leicht lassen sich die Herrschaften nicht unterbuttern. Der ungewollte Witz, der in diversen Momenten hochkocht, lockert das Geschehen perfekt auf. Zwar wird sich auch einiger Klischees bedient, worüber ich meist hinwegsehen sehen kann, da mich der Rest der Story so fein unterhalten hat. Ich hätte gerne mehr davon!

Ein Lesetipp für alle, die in der Krimiwelt auf der Suche nach etwas Abwechslung sind.


Genre: Crime / VÖ: März 2017 / Verlag: carl’s books / Seiten: 347 / Serie: Band 1

weitere Kritiken: Die dunklen FelleWortgestalt Buchblog, KeJas Blogbuch, …

erhältlich bei: hugendubel

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