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#ItalienNovember #IlGiallo

Inhalt:

Avvocato Guido Guerrieri, frisch geschieden und erschüttert von einer tiefen Lebenskrise, übernimmt einen fast aussichtslosen Fall: Er verteidigt einen des Mordes angeklagten Immigranten aus dem Senegal, der ohne seine Hilfe verloren wäre. Es beginnt ein Nerven zerreißender Kampf gegen rassistische Vorurteile, eine voreingenommene Justiz und eine erdrückende Last von Anklagepunkten …(Verlagsseite)

Mein Leseeindruck:

Gerichtsverfahren und ich, stehen ein wenig auf Kriegsfuß. Ich kann mich einfach nicht mit den langweiligen Dialogen im Gerichtssaal anfreunden. Dann lieber nur kurze Ausschnitte und Eindrücke davon. Entsprechend gespannt war ich, wie dieses Buch damit umgeht. Denn ein Rechtsanwalt landet unweigerlich irgendwann im Gericht. Doch bevor es überhaupt soweit kommt, darf man erst einmal Guido kennen lernen.

Steckbrief: Guido Guerrieri

*38 Jahre alt
*Rechtsanwalt mit gutem Ruf
*geschieden, denkt noch viel an seine Ehe
*beurteilt Menschen nach Büchern in dessen Wohnung
*selbstironisch
*entspannt am Strand
*liebt gutes Essen
*Phobie vor Fahrstühlen

Er wird mit dem Fall eines Mann betraut, der einen Jungen ermordet haben soll. Doch die Verurteilung stinkt gewaltig nach rassistischem Hintergrund. Da hat wollte wohl jemand Abdou Thiam etwas anhängen, weil er anders ist. Dieser Eindruck ensteht direkt nach den ersten Seiten. Je mehr Guido sich mit den Fakten befasst umso unruhiger wird er allerdings, denn Abduo verschweigt ihm etwas. Also stellt er ihn vor klare Tatsachen: Entweder Schnellverfahren (geringeres Strafmaß, aber schuldig) oder Schwurgericht (intensives Verfahren, mit ungewissem Ende). Zumal alles auf seine Schuld deutet. Er hat kaum hilfreiche Fakten für seine Unschuld. Eine Zwickmühle.

So kommt der Fall ins Rollen. Sture Meinungen gehen mit mafiosohaften Alltagsszenen Hand in Hand. Da spürt man, wie mächtig manche Menschen sind, sobald sie genügend Geld in der Tasche haben. Allerdings bleibt Guido davon relativ unbeeindruckt. Er improvisiert selbst in der stressigsten Situation und zerrt somit einige interessante Fakten ans Tageslicht, die zu einem runden Ende führen und nebenbei versucht er sein eigenes Leben in den Griff zu bekommen.

Bücher in Regalen, Stapel von Büchern auf dem Boden, Bücher auf dem Schreibtisch, einzeln herumliegende Bücher. Es gab auch einen alten Kassettenrecorder, einen Aschenbecher mit zwei Zigarettenkippen, ein paar leere Bierflaschen und eine fast leere J&B-Whisky-Flasche. Die Bücher hätten mich beruhigen sollen. […] Die Bücher in Melissas kleiner Wohnung hätten in mir positive Empfindungen auslösen müssen. Taten sie aber nicht. (S.68)

Meine Abschlussworte:

Der Guido. Das ist schon ein äußerst interessanter Charakter. Er weiß irgendwie selbst nicht so recht wo er steht und wirkt recht unruhig. Gleichzeitig hat er einen so feinen bitteren Humor und eine gesunde Selbstironie, dass man ihn einfach ins Herz schließen muss. Was einem dann – dank der Ich-Perspektive – nicht sonderlich schwer fällt. Somit möchte ich auf jeden Fall an dieser Reihe dran bleiben.

Man könnte dem Buch ankreiden, dass er nicht bei allen thematischen Ansätzen in die Tiefe geht. Aber das hat es auch nicht nötig. Gewisse Wörter hier, eine Geste dort und man kennt den Standpunkt der Charaktere. Gerade Rassismus ist ein äußerst aktuelles Thema und war es auch bereits 2002, als dieses Buch in Italien das Tageslicht erblickte. Zudem wäre es zeitweise recht trocken geworden und hätte den Schwung aus dem Lesefluss genommen. Es passt alles so, wie es ist.

Der Autor – Gianrico Carofiglio:

*1962 in Bari geboren
*arbeitete lange als Antimafia-Staatsanwalt
*2007 als Berater für organisierte Kriminalität tätig
*2008 bis 2013 Berater im italienischen Senat
Bei solch einem Hintergrund, muss man doch einen Blick in seine Bücher werfen – oder nicht?!

Stichworte:

Immigranten / Rassismus / Mafia / Bestechung / Korruption / Bari / Rechtsanwalt / Essen / Liebe / Leben

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Genre: Crime / VÖ: März 2007 / Verlag: Goldmann / Serie: Serienauftakt

erhältlich bei: hugendubel.de

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