|Japanuary| “Tokyo Sonata”

トウキョウソナタ(2008)

Eckdaten:

gewann 2008 bei Asian Film Awards als “Bester Film”
Genre: Drama
Länge: 120 min
Sprache: Japanisch (mit UT), Deutsch,…
Director: Kiyoshi Kurosawa

Um was geht es?

Familienvater Ryûhei verliert seinen guten Managerjob. Von heute auf morgen. Er ist ein Opfer der Wirtschaftskrise geworden. Doch wie soll man das seiner Familie erklären? Immerhin bringt er das Geld nach Hause. Sorgt für den Wohlstand. Er muss sein Gesicht daheim und in der Gesellschaft wahren. Also geht er weiterhin zur Arbeit. Anzug an. Tasche in die Hand. Zielsicheren Schrittes ab zum fiktiven Büro. In Wirklichkeit streift der durch die Stadt und hält sich bei Ausgabestellen für Geringverdiener auf. Wie lange kann er diese Fassade wohl aufrechterhalten?

Parallel zu ihm, lernt man noch den Rest der Familie kennen. Seine Frau Megumi ist Hausfrau und Mutter mit Leib und Seele. Sie ahnt rasch etwas, kann es aber nicht greifen. Zudem lenken die Sorgen um die beiden Söhne zu sehr ab. Der Jüngste – Kenji – ist ruhig und in sich gekehrt. Seine heimliche Leidenschaft gilt dem Klavierspielen, aber er darf keine Stunden nehmen (zu teuer). Sein älterer Bruder Takeshi ist das Gegenteil von ihm. Tanzt aus der Reihe und verkündet plötzlich, dass er zur Armee will. Das Familienchaos ist somit perfekt.

Hat mir der Film gefallen?

Dramen haben bei mir generell einen schweren Status. Das Thema muss mich berühren und unterhalten, sonst fange ich an, mich zu langweilen. Zu abstrus sollte es allerdings auch nicht sein, sonst sitze ich nur mit hochgezogener Augenbraue vor dem Fernseher und weiß nicht, wo ich das alles einsortieren soll. Hier sind meine Gefühle etwas Karussell gefahren. Da ist die Mutter, mit der man einfach nur Mitleid hat, der Vater, den man einerseits versteht und andererseits nicht. Durch sein egoistisches Handeln wird sein Umfeld mit in den Abwärtstrudel gerissen.

Die beiden Söhne würzen die Handlung an den passenden Stellen. Vor allem Kenji möchte man einfach nur an die Hand nehmen. Jeder von ihnen verdaut das Geschehen unterschiedlich. Es ist schließlich nur eine Frage der Zeit, bis die Wahrheit ans Licht kommt und das Kartenhaus zusammenbricht. Dieser Verfall war schmerzvoll mit anzusehen. Zeitgleich zeigt der Film jedoch Situation, wo ich mich wirklich gefragt hab, ob das filmische Kunst ist, oder weg kann. Ein paar Brüche kamen mit zu schlagartig aus dem heiteren Himmel daher und ließen mich etwas perplex zurück. Wollte man damit das Extreme zeigen? Ich weiß es nicht und kann hier leider auch keine Details nennen.

Und was heißt das jetzt?

Als Gesamtwerk hat mich der Film überzeugt. In den japanischen Haushalten herrscht nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Es sind keine perfekten Maschinen. Es sind auch nur Menschen. Familien, die leben wollen und den Mist der Regierung ausbaden müssen. Diese Krise hat der Regisseur wunderbar herübergebracht. Somit kann ich diesen Film, trotz seiner kleinen Ecken auf jeden Fall empfehlen.

Übrigens: Ich kenne bei asiatischen Filmen oft den mitreißenden Effekt des Soundtracks. Dieser ist mir hier, bis auf ganz wenige Szenen und das Ende, viel zu kurz gekommen. Da hätte man deutlich mehr rausholen können.

Ein Film mit Ecken und Kanten und dennoch sehenswert!


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