tomatenrot, tomato red, woodrell

Kurz & Knackig kommentiert

Inhalt:

Sammy Barlach ist ein Verlierer, der sich mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Eigentlich will er nur irgendwo dazugehören – und stolpert so zielsicher ins Verderben. Bei einem Einbruch in eine Villa trifft er auf zwei andere, ebenso planlose Wohlstandsplünderer:

die neunzehnjährige Jamalee mit ihren kurzen, tomatenroten Haaren und ihren bildschönen jüngeren Bruder Jason. Endlich hat Sammy, was er immer gesucht hat: Familienanschluss – und ein bisschen mehr. Mit der Mutter der beiden, Bev, die sich ihren Unterhalt als Escortdame und gelegentlich als Polizeispitzel verdient, beginnt er eine Affäre, aber auch von Jamalee kann er die Augen nicht lassen. Doch die hat andere Pläne und will hoch hinaus, zumindest raus aus dem Sumpf von Venus Holler. […] (Verlagsseite)

Mein Leseeindruck:

Sammy ist ein junger Mann, der auf der Suche nach etwas Glück und gutem Lebensgefühl ist. In den Geschwistern Jamalee und Jason mitsamt deren Mutter, glaubt er diese zu finden. Er darf bei ihnen wohnen und lernt Zusammenhalt kennen. Was bei einer Familie, die am untersten Ende der Gesellschaft lebt, einen ganz eigenen Touch hat. So versucht zum Beispiel Jason als Frisör Fuß zu fassen. Alle sind begeistert von seinem Können. Aber da ist der Ruf der Familie, der wie ein Stempel auf allen lastet. Da hilft kein präsentieren, keine Perfektion, der schlechte Ruf haftet wie Dreck an ihren Fersen.

Es ist faszinierend und traurig zugleich der Familie zuzuschauen. Dabei ahnt man die ganze Zeit, dass das größe Unglück noch kommen wird und sie bereits in dem starken Sog des dunklen Strudels gefangen sind. Der Schreibstil von Daniel Woodrell untermalt alles perfekt. Alles wird aus der Perspektive von Sammy berichtet. Der streckenweise recht nüchtern berichtet und mit seinen Vergleichen Dinge auf den Punkt bringt.

“Du blickst in das Innere einer exklusiven Welt wie dieser, und das wift dich aus dem Gleichgewicht. Die Unzufriidenheit fangt an, unermüdlich an dir zu nagen und frisst sich in deine Eingeweide und in deine Seele.

An einem Ort dieser Klasse willst du im Grunde nicht mehr du selbst sein, weil du plötzlich als der Riesenversager dastehst. Du bist ein winziges Staubkorn, ein Nichts, das Unordnung in die Welt dieser ehrenwerten Herrschaften bringt, eine Welt, in der sie so stilvoll lebten und hofften, sie könnten sie von dir und deinesgleichen rein halten.” (S.14)

Die Abschlussworte:

Die Kombination aus der Sprache und dem Leben der kleinen Familie macht das Buch aus. Es ist nur ein kleiner Einblick, in einen winzigen Lebensabschnitt der Vier und dennoch hat man das Gefühl die zu kennen. Das ist etwas, was nicht jeder Autor in einem Werk unter 200 Seiten schafft. Daher kann ich auf jeden Fall einen Lesetipp ausprechen!


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Genre: Roman / VÖ: Feb. ’01 – Neuauflage Jan. ’16 / Verlag: Liebeskind  / Region: – / Serie: Einzelband

erhältlich bei: hugendubel.de


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