der profiler. axel petermann

Ein Spezialist für ungeklärte Morde berichtet

“Wie viele Mörder sind noch unter uns?”

Direkt in seinem ersten Fall gräbt Axel Petermann tief in der Vergangenheit. Ganze 20 Jahre ist es bereits her, dass die junge Heike Rimbach aus dem Harz brutal ermordet wurde. In den eigenen vier Wänden. Keiner hörte ihre Schreie. Keiner konnte ihr helfen. Sie war allein mit ihrem Mörder. Der sie strangulierte und auf sie einstach. Einem Mörder der heute noch frei herumläuft. Dieser Fall ist keine Fiktion. Er ist bittere Realität.

Der Fallanalytiker wurde von der Mutter gebeten es zu versuchen, auf seine Art und Weise den Killer finden, damit sie endlich zur Ruhe kommen kann. Also fängt er an zu forschen. Sucht sich alte Bilder heraus. Analysiert die Fallakte. Besucht den Tatort und spricht mit Einheimischen. Er versucht dem Täter ein Gesicht zu geben. Will wissen, wie er denkt, was er fühlte, warum er so gehandelt hat und nicht anders. War es eine versteckte Leidenschaft? Unerwähnte Liebe? Sein Beruf, den er an einem Menschen umgesetzt hat? Ein Durchreisender?

“Doch es ist nicht der klassische Fingerabdruck an der Tatwaffe, der blutige Profilabdruck des Schuhs auf dem Linoleum oder das verlorene Haar an der Kleidung des Opfers, es ist viemehr “die Spur hinter der Spur”, mit der ich mich auseinandersetze. Der Täter hinterlässt einen “psychologischen Fingerabdruck”, der ihn von anderen Tätern unterscheidet.” (S.50)

Im zweiten Fall begeben wir uns ins Gefängnis. Ein Sträfling sagt aus, dass er gefoltert wurde. Auf brutale Art und Weise wurden ihm die Zehennägel ausgerissen. Sofort isoliert man ihn und macht sich auf die Suche nach den Tatverdächtigen. Aber Karabey – das Opfer – rebelliert. Er hat Angst, verpfeift angeblich keinen Mithäftling und baut eine Mauer auf. Hier kommt der Profiler ins Spiel. Auch ohne Mord, kann seine Methode weiterhelfen.

Er fängt an sich umzusehen. Dabei stehen die Verletzungen an vorderster Stelle. Wie hat man es geschafft, unbemerkt Zehennägel zu entreißen? Brüllt und tobt man dabei nicht herum? Schnell wird klar, hier lügt jemand. Die Geschichte hat Lücken und genau die gilt es zu füllen. Daher wird auch das familiäre Umfeld unter die Lupe genommen. Wie ist der Sträfling aufgewachsen? Wie hat er sich bisher verhalten? Könnte er sich so etwas selbst zufügen?

“Diesmal sind nicht die Spuren am Tatort und an der Leiche zu analysieren, diesmal müssen wir die Wundmorphologie an den Füßen des Verletzten zum Sprechen bringen. […] In einem zweiten Schritt werden wir die Frage stellen, auf welches Risiko sich die Täter bei der ihnen unterstellten “Folter” einlassen mussten. Und schließlich müssen wir uns intensiv mit Karabeys Persönlichkeit beschäftigen” (S.139)

Es gibt noch einen dritten und vierten Fall, der in dem Buch näher beleuchtet wird. In dem einen geht es um einen Torso, der von einem Jäger entdeckt wird. Das Opfer ist schnell ermittelt, aber was ist mit dem Täter? Und in dem  anderen Fall erinnert Petermann sich. Ein Mordfall, der bereits in den 70er Jahren geschehen ist. Der Mord an einer jungen Frau, wo er einst zu dem Ermittlerteam vor Ort gehörte.

Auch hier erklärt er bildhaft, wie er sich herantastet und offene Fragen versucht zu beantworten, die auf den ersten Blick nicht ersichtlich sind. Aber durch eine andere Herangehensweise sichtbar werden können. “Die Spuren lügen nicht.” (S.252) Egal welcher Art.

wahre verbrechen blood

Axel Petermann hat eine sehr angenehme und informative Art, über die Fälle zu berichten. Es ist kein reiner Fachtext, sondern ähnlich einem Bericht verfasst, der sich wie eine Erzählung liest. Dabei spickt er die Sätze mit zahlreichen Informationen zu seiner Leidenschaft. Übersättigt sind sie dabei nie. Ganz im Gegenteil, man saugt die Anmerkungen förmlich in sich auf und möchte ständig mehr davon.

Allerdings schmückt er auch nicht aus. Er beschönigt und verharmlost nichts. Das Buch enthält zwar keine Bilder, dennoch sind seine Schilderungen bildhaft genug. Wer in dieser Hinsicht zart besaitet ist, sollte die Finger von dem Werk lassen. Denn zu einem Mörder gehört immer eine Leiche. Die sieht nie besonders hübsch aus, wenn man sie findet. Ganz im Gegenteil, sie erzählt Petermann ganze Romane. Er fühlt hinein und lässt den Leser mitfühlen.

>> Ein LESETIPP für alle Profilerspürnasen!

  • Steckbrief zu Axel Petermann

    *1952
    – Fallanalytiker/Profiler
    – 1974 bis 2014 Mitarbeiter der Kriminalpolizei Bremen (Mordkommissionsleiter & stellv. Leitung Kommissariat für Gewaltverbrechen)
    – ab 1999 Auseinandersetzung mit FBI-Methoden, Aufbau der Dienststelle Operative Fallanalyse
    – seit 2014 (Pensonierung) Aufklärung von ungeklärten Mordfälllen im Auftrag von Privatpersonen & Anwälten

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  • VÖ: 2015
    Verlag: Heyne
    ISBN: 9783453603592
    Kaufen: nur noch gebraucht erhältlich

    Genre: wahre Verbrechen in Deutschland
    Beruf: Fallanalytiker (Profiler)

     

  • Auf der Spur des Bösen: Ein Profiler berichtet (2010)
    Im Angesicht des Bösen: Ungewöhnliche Fallberichte eines Profilers (2013)
    Der Profiler: Ein Spezialist für ungeklärte Morde berichtet (2015)

    Macht – Zwang – Gewalt (?): (Sexuelle) Gewalt- und Tötungskriminalität im forensischen Kontext (2015)
    Ungelöst: Mysteriöse Kriminalfälle, literarisch neu aufgerollt (KBV Krimi) (2016)
    Axel Petermann / Claus Cornelius Fischer: Die Elemente des Todes (2018)

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Der nächste Beitrag folgt bei Conny. Macht euch auf die Verbrechen der Vergangenheit gefasst!


 

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