schwimmen tote immer oben, buchcover

Die häufigsten Irrtümer über die Rechtsmedizin

Und, schwimmen Tote immer oben? Filme und Serien zeigen schließlich oft genug, wie leblose Körper im Pool oder dem See herumschwimmen. Also muss da doch ein Funken Wahrheit dran sein! Gehen wir es von der logischen Seite an: Was hält einen Körper oben? Luft. Wenn jemand tot ist, atmet er dann noch Luft? Nein. Wieso sollte er dann also oben schwimmen? Er geht förmlich wie ein nasser Sack unter. Erst wenn nach langer Zeit die Fäulnis einsetzt, sorgen deren Gase für einen Auftrieb. Wieso werden sonst Kinder in Schwimmbädern so oft zu spät gesehen, wenn sie ertrunken sind? Am Beckenboden sieht sie kaum jemand.

“Gerade bei vollständig bekleideten Personen kommt der Umstand dazu, dass die Kleidung sich innerhalb kürzester Zeit mit Wasser vollsaugt und den Betreffenden zusätzlich hinabzieht.” S.40

Wechseln wir zu einer anderen Thematik. Jeder hat es sicherlich schon einmal gesehen. Jemand ist verstorben und damit man sichergehen kann, ob es wirklich der geliebte Mensch ist, läuft man ins Institut und darf ihn sich vor Ort anschauen. Pustekuchen. In der Regel erfolgt die Identifizierung durch DNA-Tests. Ein ähnlicher Mythos regt sich darum, ob eine Obduktion nur nach Einverständnis der Angehörigen stattfinden darf. Bei Gewaltverbrechen wird der Leichnam von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und der Richter entscheidet, ob die Rechtsmedizin obduzieren soll.

“Eine Obduktion wird durchgeführt, unabhängig davon, ob die Angehörigen dies – auch aus religiösen Gründen – ablehnen.” S.139

Es gibt noch achtundzwanzig weitere Irrtümer, die der Rechtsmediziner Michael Tsokos kurz und bündig aufklärt. Häufig zieht er dabei (falsche) Beispiele aus Serien heran, die dafür sorgen, dass man dem Irrglauben aufsitzen könnte. Zwar schaue ich äußerst selten in den Tatort rein, wo Tsokos die meisten Fehler zu finden scheint, trotzdem kennt man viele Fehler aus Film und Fernsehen und hat so immer genau vor Augen, was er einem erklären möchte.

Der Sachgeber umfasst gerade einmal knapp 170 Seiten. Somit hat man es recht schnell verschlungen und gleichzeitig eine Menge Informationen bekommen, ohne dass einem der Schädel dafür brummt. Für mich selbst hat es nicht für viel Aufklärung gesorgt. Die meisten Irrtümer sind mir bereits bekannt gewesen. Wer sich auf dem Gebiet bereits schlau gemacht hat, Autoren, wie Mark Benecke, Lydia Benecke oder Stephan Harbort kennt, wird hier vielleicht etwas ernüchtert die Seiten zusammenklappen. Wer damit nichts am Hut hat und schon immer mal wissen wollte was die Medien eigentlich immer falsch darstellen, ist hier genau richtig aufgehoben.

Somit kann ich trotz meiner wenigen neuen Erkenntnisse auf jeden Fall einen Lesetipp aussprechen! Michael Tsokos erklärt auf eine verständliche Art und Weise warum diese Irrtümer falsch sind und was die Wahrheit ist. Wer davon noch nicht genug hat, sollte sich einen weiteren Band von ihm in dem Stil näher anschauen “Sind Tote immer leichenblass“.

Positiv möchte ich an dieser Stelle noch die Zeichnungen erwähnen. Sehr passend in Szene gesetzt, untermalen sie die beschriebenen Eckdaten wunderbar.


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Genre: Sachbuch / VÖ: September ’19 / Verlag: Droemer Knaur / Region: Deutschland / Serie: Einzelband

erhältlich bei: Hugendubel

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weitere Kritiken: in Bearbeitung


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