Halloween-Special zu “Getier im Mensch

Während mein Hasipupsi Conny von PinkAnemone* sich brav den morbiden Gestalten in den Anstalten widmet, mache ich einen kleinen Abstecher noch tiefer in den Mensch hinein. Bei mir wird es Würmer, Maden, Spinnen, Käfer, Parasiten und anderes Getier geben, was sich auf und in dem menschlichen Korpus befindet. Dabei bleibt es stehts irdisch. Außerirdische Wesen werden hier nicht ihren Weg hineinfinden. Was die Auswahl erheblich einschränkt, aber ich bin fündig geworden.

Den Auftakt in dieser kleinen, aber feinen Runde, macht Richard Laymon mit seinem Buch “Parasit”. Es ist das elfte Buch, was er in seiner Schreibkarriere verfasst hat und kam im Jahr 1987 zum ersten Mal an die Leserschaft. Seinen jungen, morbiden Schreibstil bekommt man deutlich zu spüren. Zwar schleichen sich bereits seine Leidenschaften zu seltsamen Sexszenen ein, allerdings sind diese hier nicht sonderlich extrem ausgeprägt. Nein, hier geht es um einen fiesen Parasiten, der wortwörtlich unter die Haut wandert.

Achtung, wer eine Abneigung gegen das beschriebene Gewimmel hat, sollte nicht weiterlesen!

Es ist ein ganz normaler Tag in einer kleinen amerikanischen Stadt. Celia ist an diesem sonnigen Tag mit dem Rad unterwegs und Eddie fährt besonnen gen Stadt mit seinem Lieferwagen. Beide sind bester Laune, hängen ihren Gedanken nach und nehmen einander plötzlich wahr. Während die junge Frau hofft, dass der Wagen zügig vorbeifährt, hegt Eddie ganz andere Pläne. Zartes, frisches Weibsvolk in kurzen Shorts, da muss man doch mal einen genauen Blick drauf werfen. Es kommt wie es kommen muss, Celia wird angefahren, der Fahrer im Transporter verliert die Kontrolle, rast gegen eine Brücke und stirbt.

“Hackfleisch, hatte Chuck es formuliert, als er die Überreste des Fahrers aus der Windschutzscheibe hängen sah.” (S.9)

Polizist Jake untersucht die Unfallstelle und stellt rasch fest: Der Fahrer war nicht allein. Es muss einen Überlebenden gegeben haben. Aber wie sollte er das unbeschadet überstanden haben? Das Auto ist Schrott. Trotzdem führt deutlich sichtbar eine blutige Spur von der Straße weg. Neugierig geht er der Spur nach und landet in einem alten Restaurant, was gerade saniert wird. Aber auch dort findet er nichts, warnt nur die neuen Besitzer und geht seiner Wege. Bis zum nächsten Tag. Ein Todesfall wird gemeldet, aus dem Restaurant, wo er kurz vorher war.

Und da ist sie wieder, diese schleimige blutige Spur. Was ist das und wo kommt es her? Eine Schlange? Ein morbides Mordwerkzeug? Jake ist voll in seinem Element und spannt einen Kollegen mit ein, der die Leichen untersucht. Alle haben eine Art kleinen Hohlraum am Rücken. An der Wirbelsäule. Alle haben dieses “Etwas” bei lebendigem Leib zu spüren bekommen und es scheint noch lange nicht fertig zu sein.

“Die verflucht größte Ratte, die ich je gesehen habe. Aber ehrlich gesagt – ich habe vorher auch noch nie eine Ratte gesehn.” (S.43)

Hat der gute Mann, hier wirklich eine Ratte gesehen? Oder glaubte er lediglich eine Ratte gesehen zu haben, weil sein Gehirn nicht wahr haben wollte, was ihm wirklich im Keller begegnet ist? Was auch immer es war, um das herauszufinden, sollte man das Buch lesen. Laymon schaffte es sogar mich dazu zu bringen inne zu halten und zu hoffen, dass nicht DAS jetzt passiert, was man ahnt. Man will die Figuren retten, sie aus dem Buch zerren. Später, wenn die Geschichte fortgeschritten ist, fühlt man extrem mit Jake und seiner Denkweise bezüglich dieses Dings mit. Man spürt es förmlich selbst auf der Haut.

Dieses Feeling macht das Buch aus. Die leitende Person ist dabei stets der Polizist Jake, der Menschen helfen möchte und dafür äußerst oft über seinen eigenen Schatten springen muss, was den Ekel betrifft. Ganz ehrlich, ich hätte bei dem Vieh auch meine Probleme gehabt! Da es Richard Laymon ist, wird man um sexuelle Gedankenwelten nicht drumherum kommen. Wer es kennt, sieht darüber hinweg. Zumal es hier wirklich noch “normal” zugeht. Erst gegen Ende baut er einen Part ein, wo ich einfach nur dachte: “Och, Mensch Richard! Why?!”

>> Du suchst etwas mit Parasiten im Körper? You’re Welcome, take that book! Perfekte Leselektüre für die dunkle Stund auf der Couch.


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Genre: Horror, Crime / VÖ: Juni ’10 / Verlag: Festa Verlag / Region: Amerika / Serie: Einzelband

erhältlich bei: Hugendubel

Bilder: Die Bildrechte der obigen Fotos liegen bei Alexandra Friewald. Sie sind nicht ohne Genehmigung weiterverwendbar.


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