Rose kletterte die letzten Meter der Anhöhe hinauf. Der Hügel wurde abrupt steiler, der von Moos bedeckte Erdboden endete an der Felskante der Klippe. Die Sonne ging bereits unter, die Luft war kalt und feucht.” (Buchbeginn)

Charlie Priest kommt in “Die Puppe” erneut zu Wort. Gemeinsam mit seiner jungen Kollegin Georgie, stellt ein neuer Fall sie vor neue Herausforderungen. Dabei könnte alles so einfach sein. Der Fall hat einen Kronzeugen, das Gesetz steht auf ihrer Seite und trotz fieser Seitenhiebe scheint der Fall vor Gericht eindeutig auszugehen. Entsprechend geht Priest die Sache recht anspannt an, wenn da nicht plötzlich dieses kleine Problem wäre. Der Kronzeuge taucht nicht auf.

Die Verhandlung wird vertagt und Priest bekommt mit seinem Team die Chance auf einen Neustart. Allerding bringt das nichts, wenn ihr Zeuge kalte Füße bekommen hat. Er reagiert auf keine Anrufe und auch Bekannte haben ihn nicht gesehen. Priest wird unruhig und bittet seine Schwester Sarah um die Schlüssel zur Wohnung. Sie stellt unter anderem Räumlichkeiten für wichtige Zeugen zur Verfügung. Doch in diesem Fall scheint es nicht geholfen zu haben. Kurze Zeit später wird er tot aufgefunden. Im Kofferraum einer Journalistin.

“Der arme Simeon. Ich kann es einfach nicht fassen. Was machen wir denn jetzt?” (S.80)

Das ist eine äußerst wichtige Frage, denn ohne Zeuge keine Verhandlung. Ohne Verhandlung keine Gerechtigkeit. Sie würden den Fall haushoch verlieren. Doch Fortuna scheint ihnen in die Karten zu spielen. Auf der Gegnerseite gibt es ebenfalls einen Verlust. Kann das alles Zufall sein oder treibt hier jemand ein äußerst morbides Spiel mit allen? Gut, diese Frage kann man sich jetzt eigentlich schon selbst beantworten, dazu muss man kein großartiger Detektiv sein.

Der “Puppenspieler” kommt zudem in dem Buch gelegentlich zu Wort. Er liest aus einem Buch vor, schildert Tagesabläufe und Ereignisse, die scheinbar Jahre her sind oder doch nicht? Zudem hat er tierischen Spaß daran seine Mitmenschen zu demütigen und umzubringen. Es bleibt dabei trotzdem die Frage offen: Warum macht er oder sie das? Was treibt den Puppenspieler an? Und wieso scheint er so gezielt Personen dieser einer Gerichtsverhandlung im Visier zu haben?

“Selbst wenn es um ihr Leben gegangen wäre, Georgie hätte sich keinen Zentimeter bewegen können. Dieser Gestand … ich kenne diesen Gestank …” (S.161)

Der zweite Band “Die Puppe” hat sich ähnlich flott lesen lassen, wie der Vorgänger. Ich kam genauso schnell rein und war genauso angetan von dem Fall. Allerdings hat meine Lesefreude nicht so lang angehalten. Ich hatte zeitweise das Gefühl man dreht sich im Kreis und bringt Dinge ein, die unnötig sind. Ja, diese Punkte könnten zur Verwirrung beitragen oder man kann sie als Lückenfüller sehen. Für die Handlung selbst waren sie jedoch in meinen Augen unrelevant und haben unnötigt den Lesefluss gebremst.

Irgendwie kam mir Priest diesmal nicht so stark vor. Was natürlich den den Lückenfüllern liegen könnte. Der Fall selbst ist ab einem gewissen Punkt auch durchschaut, allerdings halte ich es dem Autor zu Gute, dass er den eindeutigen Beweis wirklich erst äußerst spät ans Tageslicht zerrt. Ein kleiner Bonuspunkt hierfür. Damit ich am Ball bleibe, muss der nächste Band wieder stärker sein. Zumal ich Georgie wirklich lieb gewonnen habe und ich Priests seltsame Art mag.

Eine kleine Bemerkung noch zum Schluss: Warum behält man beim ersten Band den Originaltitel “The Mayfly” und beim zweiten Band nicht mehr? Wieso hält man ein System nicht mal konsequent bei? Was reitet die Verlage und ihre Entscheidungen da immer? Ich verstehs nicht … Der Originaltitel lautet übrigens “The Ash Doll”.

die puppe

Genre: Crime / VÖ: Januar ’20 / Verlag: Blanvalet* / Serie: Band 2

meine Kritik zu Band 1 “The Mayfly

erhältlich bei: hugendubel.de*

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