Es beginnt so harmlos. Zwei ehemalige Schüler wollen ihren alten Lehrer besuchen. Erinnerungen auffrischen, einen kleinen Plausch halten, vielleicht ein Bier zusammentrinken. Was man eben in solchen Situationen macht. Allerdings haben diese beiden Jungs ganz andere Dinge im Kopf. Es kommt zu einer heftigen Auseinandersetzung. Kugeln zischen durch die Luft, Blut spritzt an die Wände, Körper fallen schwerfällig auf den Boden, letzte Atemzüge gleiten dahin.

Es ist der Vater von Tyler, Bode und Kinsey, der hier brutal ermordet wird. Kurzerhand zieht die geschrumpfte Familie zu ihrem Onkel Duncan ins Keyhouse. Es war der Wunsch eines Sterbenden, denn dort ist es sicher. Glaubt er. Denn kaum dort angekommen, geht der kleine Bode auf Erkundungstour und macht Bekanntschaft mit einer seltsamen Stimme. Tief aus einem dunklen Brunnenschacht dringt sie zu ihm empor.

locke & key

Man redet über die Familie, über Türen, Schlösser und natürlich über Schlüssel. Bode soll einen bestimmten Schlüssel finden, der etwas ganz besonderes ist. Der Junge denkt sich nichts weiter dabei und geht auf die Suche. Dass er dabei schon in eine Falle getappt ist, ahnt er nicht im Geringsten. Auch, dass er somit seine Familie in die Gefahr bringt, kann das kindliche Gemüt jetzt noch nicht absehen.

In diesem Auftakt um “Locke & Key” von Joe Hill geht es bereits äußerst derb und turbulent daher. Da das komplette TBP in Farbe abgelichtet ist, wirken die Gewaltszenen mit dem umfangreichen Blut viel intensiver. Dazu die generelle Farbgebung, die je nach Szenen optisch stimmungsvoll angepasst wird. Die Figuren selbst fallen durch dicke Konturen und markante Gesichtszüge auf.  Was sie nicht minder lebendig wirken lässt.

locke & key

Neben der Optik sticht vor allem die umfangreiche Themenauswahl hervor. So geht es nicht nur um Trauerbewältigung, die mitfühlend und humorvoll (ja, das geht) dargestellt wird, sondern auch um eine neue Eingliederung in der Gesellschaft, den Balast einer Gerüchteküche, das Erwachsen werden, den familiären Zusammenhalt und natürlich um Lug und Betrug, der so manche gute menschliche Verbindung zu knicken versucht. Dabei kommt die mystische Welt um die geheimnisvollen Schlüssel und deren Türen, nicht zu kurz.

Dieser Serienstart ist wirklich gelungen. Ich war sofort drin in der Welt der kleinen Familie und dem seltsamen Keyhouse. Man sieht das Böse kommen, will es abwenden, doch häufig ist es zu spät, denn die Familie ist schließlich nicht hellsehend. Aber sie haben die Macht der Schlüssel, vor allem Bode und die kann ihnen helfen, das Böse auszutricksen. Ein gelungener Mix, der zeichnerisch deutlich besser gelungen ist, als die filmische Umsetzung ind Form einer Netflix-Serie.

Wer es blutrünstig, mystisch und unterhaltsam zugleich mag, kommt um diese Serie nicht herum. Ich werde mir auf jeden Fall noch die restlichen Bände besorgen. Band 2 ist bereits verschlungen und wird in den kommenden Tagen hier vorgestellt.

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* erschienen 2009 bei Panini Comics

* es gibt 6 Trade Paperbacks (TPB), mit je 6 Comics (abgeschlossen)

* zusätzlich gibt es einzelne Sonderbände (Ergänzungen), z.B. “Himmel und Erde

* “Locke & Key” wurde als Serie umgesetzt und 2020 auf netflix als Serie veröffentlicht


2 thoughts on “|Comic| “Locke & Key – Willkommen in Lovecraft”

  1. Hallöchen mein Sonnenschein,
    dachte ich muss mal wieder bei Dir vorbeihuschen, wobei “huschen” bei Dir ja eh nicht möglich ist, denn schon klebte ich an dieser Rezension.
    Die Serie gucke ich nicht, da ich ja zu dieser Spezies gehöre, welche vorher IMMER Bücher vor Serie/Film liest (sofern ich weiß, dass es dazu Bücher gibt). Das gilt natürlich auch für Comics und Joe Hill wollte ich ja auch schon immer mal lesen, ergo MUSS ICH HABEN!

    So, und ich stöbere jetzt mal weiter. Mal gucken was ich noch so alles auf meine WL packe *g*

    Liebe Grüße aus der Isolationshaft
    Conny

    1. Höhöhöhöhö, nur mal vorbeihuschen, höhö XD

      Ich hab die ersten beiden Bände auch vor der Serie gelesen. Sagen wir so, ich hab die Serie recht schnell abgebrochen. Neeee, dann lieber den Comic, die Serie geht zu weit, macht zu große Schritte und vergisst das Wichtigste: die Entwicklung der Charaktere.

      Also >> Comics lesen :D

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