“Rassismus ist ein Krebsgeschwür, für das es keine Heilung gibt. Das Höchste, worauf wir hoffen können, ist eine Remission.” (Medine, Infidel)

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass in Horrorfilmen oder Geschichten, ganz oft die PoC genau die sind, die zuerst sterben? Oder “heldenhaft” in den Tod geschickt werden? Zum Glück gibt es bereits ein langsames Umdenken in beiden Branchen. So ist “Infidel” aktuell leider noch eine Ausnahme auf dem Gebiet und sticht aus der grauen Einheitsmasse hervor. Hier spielt eine Muslima namens Aisha die Hauptrolle. Ihr Leid und Leben wird dargstellt, nicht dass ihrer weißen Mitmenschen.

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Aisha wird von Albträumen geplagt. Wie lebende Wesen scheinen sie in ihr Leben zu kriechen und lassen sie nervlich instabil werden. Eine ruhige und entspannte Nacht, hatte sie schon lange nicht mehr. Vielleicht bringt der Umzug zur Mutter von Tom etwas. Ein wenig Entlastung durch die Oma, die auch mal das Kind abnehmen kann oder eine Hilfe im Haushalt ist. Wäre diese vermeintlich nette Oma nicht eine kleine Rassistin. Immer wieder lässt sie Aisha spüren, was sie von ihr und ihrem Glauben hält.

Zum Glück ist da noch ihre Freundin Medina. Sie hilft ihr und nimmt den Balast von ihren Schultern. Doch an der offensichtlichen Feindlichkeit, die auch von anderen Menschen ausgeht, ändert das nichts. Zumal Medina ebenfalls eine PoC ist. Während man nun seinem Alltag nachgeht, spürt man, dass etwas im Argen liegt. Vor kurzem gab es in dem Wohnhaus von Toms Mutter einen Brandanschlag. Die Sanierung ist nicht ohne weiteres möglich und so kommt man den Mietern mit einer Senkung der Kosten entgegen. Ob das hilft, um sie im Haus zu behalten?

Eckdaten (Anzeige)

168 Seiten
August 2020 veröffentlicht bei Splitter Verlag*
Gesamtausgabe (1-5)
komplett in Farbe
von Pornsak Pichetshote (Writer) + Aaron Campbell (Art)

Bella* spricht von “moderem Spukhaus Horror” und Nadel Nerd* von “dem Bösen, was sich von Rassismus nährt”

Nach und nach fallen die Begriffe: ISIS, Einzeltäter, Okkultismus, Bombenanschlag und Terrorismus. Welche Menschen hier verdächtigt werden, brauche ich eigentlich nicht aussprechen, das liegt auf der Hand. Die Gesellschaft hat uns in der Hinsicht geprägt. Egal ob es wahr ist, auf Vermutungen beruht oder billige Gerüchte sind.  Für Gesprächsstoff und Blicke ist gesorgt. Wenn dann die Aufklärung kommt – O weh! O nein! wie konnten wir nur SO denken?… Aber will und kann man diesen Menschen diese “Unwissenheit” dann wirklich noch abkaufen?

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Dieser Hass, die Diskriminierung und noch viele andere Faktoren sorgen dafür, dass Aisha von grausigen Wesen heimgesucht wird. Im Comic werden diese recht plastisch und derb dargestellt. Mit ihren spitzen Krallen und Reißzähnen fallen sie brutal über die junge Frau her und reißen diese buchstäblich in den Abgrund. Doch wie kann man sie retten? Kann man sie überhaupt davon befreien? Kann man Menschen von Diskriminierung und Anfeindungen wegen ihrer Nationalität jemals davon befreien?

Optisch macht der Comic “Infidel” – was man übrigens mit ungläubig übersetzen kann – einiges her. Das blutrote Cover mitsamt der Hand aus dem Unbekannten, lässt Böses erahnen. Während Alltagssituationen recht bedeckt gehalten sind von den Farben, kommen die Monster wie alte farbige Polaroids daher. Plötzlich stehn sie vor dir und fallen über dich her. Stetig begleitet vom dunklen Rottönen und einer blaugrauen Masse, die dich ins Verderben ziehen will. Im nächsten Atemzug sind sie dann verschwunden und man erwartet sie irgendwann hinter jeder Tür. Genauso den Alltagsrassismus.

Infidel ist ein Comic, der zur Pflichtlektüre ernannt werden sollte. Die Thematiken die hier aufgeriffen werden, sollten häufiger in Comics gepackt werden. Traut euch politisch zu sein!

Das Grauen hat viele Gesichter. Es muss nicht immer der Poltergeist in der Spukvilla sein. Es kann auch einfach dein Nachbar sein, der durch winzige Gesten und Aussagen für lebenslänglichen Horror sorgt.

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