Der Halloween-Monat Oktober geht dieses Jahr etwas andere Wege. Statt neuer Bücher oder einer speziellen Nische, wandern diesmal Bücher von meinem SUB in die kommenden Beiträge. Eigentlich ist bei mir das ganze Jahr über Grusellesezeit angesagt, aber irgendwie zelebriert man den 31.10.2020 dann doch.

Max Brooks. Wer den graus- ehm… wundervollen Zombiefilm “World War Z” geschaut hat, dem sollte dieser Name auf jeden Fall etwas sagen. Er hat die Grundlage geschrieben. Wer jetzt eine ahnungslose Miene aufsetzt, keine Sorge, das Buch stelle ich auch noch vor. Heute ist jedoch ein neueres Werk von ihm dran: Devolution. Evolution kennt man. Devolution ist schlicht übersetzt eine Rückwärtsentwicklung in der Biologie. Statt Fortschritte zu machen, geht man in der Evolution zurück in seiner Urformen.

Katherine und Dan gehen einen Schritt zurück. Sie flüchten aus der Stadt, hinein in ein Mini-Dorf von Aussteigern, wo alles auf ein Minimum reduziert ist. Natürlich begibt man sich nicht in die Steinzeit, eher im Gegenteil: Sammelbestellungen, Solarzellen, ein Auto, eigene Gärten, biologische Kläranlagen unter dem eigenen Haus für die Umwandlung in Wärme. Ein Fortschritt. Vor allem in der aktuellen Lage, in der wir uns befinden. Dennoch ist man getrennt von der Außenwelt und kann sich komplett auf sich selbst fokussieren. Genau das Richtige für Katherine, die diesbezüglich Probleme hat.

 

“Hier geht es nicht um eine Firma”, flüsterte Mostar, “hier geht es um Leben oder Tod. In solchen Situationen kommt das wahre Ich zum Vorschein.” (S.167)

 

Auf Empfehlung ihrer Ärztin schreibt sie Tagebuch. Dieses bildet die Grundlage des Romans, der deutliche Züge von Horror und Thrill-Elementen beheimatet. Denn Greenloop, so heißt die Wohngemeinschaft aus sechs Häusern, existiert nicht mehr. Greenloop wurde von “Bigfoot zerstört”, wie die heimische Zeitung so nett behauptet. Aber ist dem wirklich so? Und wo ist Katherine jetzt? Ihre Leiche wurde nicht gefunden. Nur das Tagebuch. Lebt sie noch?

Man weiß direkt zu Beginn, was am Ende geschehen wird. Wobei das nicht ganz stimmt. Städter sagen was passiert ist, Überprüfungen deuten auf eine Zerstörung hin, Überbleibsel sprechen von mächtigen Gewaltakten und dennoch gibt es eine Menge Unklarheiten, die mit den persönlichen Worten von Katherine geklärt werden könnten. Fest steht: Es gab kräftige Eruptionen und letztlich bricht ein Vulkan nach jahrelangem Schlaf aus. Ganze Abschnitte werden zerstört, nur Greenloop nicht. Diese Gemeinschaft wird abgeschnitten von der Außenwelt. Und nun haust etwas bei Ihnen, was ebenfalls nicht flüchten kann.

 

Warum soll ich jetzt das Buch lesen, wenn ich weiß, wie es theoretisch endet?

 

Genau DAS ist der Charme an dem Buch. Man glaubt es zu wissen! Es gab sogar im letzten Kapitel eine Szene, wo ich am liebsten “NEIN!” geschrien hätte und zurückspulen wollte. Die Charaktere schleichen sich nämlich recht schnell ins Leserherz hinein. Was ziemlich fies ist, da irgendwas etwas schlimmes passieren wird. Die Frage ist nur wann und wie? Alles wird aus der Sicht von Katherine berichtet. Ab und an gibt es kurze Unterbrechungen in Form von Interviewantworten, die die Psychologien, welche Katherine zum Tagebuch geraten hat, führte.

Ich mochte die langsam aufkeimende Spannung und den sanften Grusel, der zeitweise in fiesen Horrorszenen endete. Liest man ein paar Kritiken zu dem Buch, fällt einem auf, das einige den fehlenden Horror oder die späte Spannung kritisieren. Das empfand ich nicht so. Gerade dieses vorsichtige Eintreten von den Veränderungen, machte das Buch so unterhaltsam. Man fühlt und fiebert quasi live mit Katherine und ihren MitbewohnerInnen mit. Spürt ihre Hoffnung, Angst und Freude. Ihre Panik, das Entsetzen und den Kampf um ihr Leben.

Mein einziger Manko betrifft die Stereotypen der Familien. Hier bediente sich Max Brooks wirklich an ein, zwei Schubladen, die die Handlungsweisen der Menschen entsprechend vorhersehbar machen. Ansonsten gibt es nichts zu meckern. Auf einer Gruselskala von 1 bis 10 ist das Buch auf keinen Fall an der Spitze. Aber in einem humanem Mittelfeld. Schließlich muss Grusel nicht immer brachial und eimerweise über einem ausgekippt werden. Manchmal darf er sanft daherkommen und am Ende ordentlich reinhauen.

“Devolution” hat eine andere Herangehensweise in Form eines Tagebuchs, was hier perfekt passt.
Das Buch greift brisante Themen aus der Gegenwart aus und mischt sie geschickt mit fiktiven Elementen.
Es unterhält wunderbar für ein paar Stunden und sollte für Max Brooks Fans Pflichtlektüre sein. (Für alle anderen auch!)

halloween

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Genre: Crime / VÖ: August ’20 / Verlag: Goldmann* / Serie: Einzelband

erhältlich bei: hugendubel.de *

#Halloween

2 thoughts on “|Crime| “Devolution”

  1. Hallo again,
    Also von dem Film “World War Z” war ich ja nicht so begeistert. Der kam mir vor wie eine elendig lange Werbesendung für den so supitollen Brad Pitt. Da konnten auch die Zombies nix daran ändern.
    Das Buch klingt aber schon wieder interessant und das Positive daran – kein Pitty Brad XD

    1. Ich fand die Zombies, die Charaktere, ALLE grausig in dem Film. Das ist ne Parodie, mehr nicht …aber es soll Menschen geben, die ihn gerne gucken. Nun.

      Aber das Buch hier mochte ich :D

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