Mein erster Beitrag zum #Japanuary ist ein schwerer Brocken und nicht minder lesenswert. Ein historisches Ereignis aus der Sicht der Bombe selbst. DIE Bombe, die einst tausende Menschen tötete und auch noch heute, schildert ihre Sicht der Dinge.

Worum geht es?

Am 06. August 1945 warfen die Amerikaner die erste Atombombe auf bemanntes Gebiet. Hiroshima. Eine Stadt die nichts von dem sadistischem Angriff ahnte, ganz im Gegenteil. Mit einem Schlag wurde eine Stadt dem Boden gleich gemacht. Menschenleben verpufften zu schwarzen Flecken und Ruß. Die Hitze der Zerstörung fraß das Leben innerhlab von Sekunden auf. Selbst Jahre später sind die Folgen der nuklearen Waffe sind bis heute spürbar.

In dem Comic wird die Entstehung der Bombe “Little Boy” erzählt. Von ihrem Ursprung, den ersten Gedanken und Ideen, hin zur ersten Umsetzung und den ersten Skeptikern, denen bewusst wurde, was diese nukleare Kraft für Mächte hat. Doch zu spät. Herren mit Rang und Namen witterten bereits fette Beute. Somit kommt es zu ersten Machtkämpfen. Es herrscht Krieg, jeder will der erste sein. Koste es was es wolle.

Die Erzählweise

Es ist anfangs etwas ungewohnt die Geschichte aus der Sicht einer Bombe zu lesen. Sie hat durchaus bitterböse Gedankengänge und bleibt eigentlich die ganze Zeit bei der Wahrheit: Ich bin der Tod, ich bin die Zerstörung, ich bin eine Gefahr in den falschen Händen, ich zerstöre Menschenleben.

Die Handlung beginnt in den 30ern. Hitler besteigt den Thron der Macht und scharrt seine Folgschaft unter sich. Wissenschaftler und schlaue Köpfe verlassen emsig das Land. Dennoch, einige bleiben. Die Mächtigen werden auf sie und ihr Wissen aufmerksam. Es beginnt ein Buhlen um ihre Aufmerksamkeit. Wer einmal in den Klauen der Macht gefangen ist, kann ihnen nur schwer entkommen. Ausnutzung, Korruption und List.

Der dicke Schinken ist extrem textlastig und verdammt schwer. Das ist keine Lektüre für nebenbei. Selbst wenn man in Geschichte gut aufgepasst und sein Wissen eigenständig zu der Atombombe vervollständigt hat, dieses Werk frischt alles auf und ergänzt sicher die ein oder andere Wissenslücke. Dabei wird es nie langweilig oder fad.

Der Zeichenstil unterstützt die Vorstellungskraft und lockert das harte Stück Geschichte gelungen auf. Selbst wenn man sich nicht alles merken kann – muss man auch nicht – es gibt stetig widerkehrende Charaktere, allem vorran natürlich die Bombe selbst, die den roten Faden siegesgewiss in den Händen hält. Bis zu ihrem Einsatz.

Was halte ich von dem Comic?

Ich interessiere mich für Comics/Manga jeglicher Art, die die (Kriegs-)Geschichte in Japan schildern. Sei es die Atombomben oder Flutwellen, die Atomkraftwerke zerstörten oder schlichtweg der Krieg selbst, meist werden die Ereignisse aus den Augen der Opfer geschildert. Was gute und einfühlsame Einblicke gewährt. Hier sind es nicht die Opfer. Hier ist es die materielle Zerstörung selbst, die zu Wort kommt. (wie zum Beispiel in “Auf in den Heldentod” von Shigeru Mizuki)

Eine Herangehensweise, die mir gut gefallen hat und die Geschichte besser verdaubar machte, was die historischen Fakten angeht. Von daher lege ich jedem den Comic ans Herz, der sich auch nur ein Fünkchen an der Zerstörung von Hiroshima oder der Macht von nuklearen Waffen interessiert. Keine Angst vor dem Ziegelstein an Papier, es lohnt sich!

450 Seiten
Juni 2020 veröffentlicht bei Carlsen Verlag*
Einzelband, Hardcover
schwarz/weiß
von Alcante, Laurent-Frédéric Bollée und Denis Rodier

empfohlen ab 16 Jahren

auch besprochen bei Nerd mit Nadel*

[Anzeige]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.