vs. Repo Men, die Buchverfilmung.

Mit diesem Beitrag starte ich eine neue Reihe auf dem Blog, die ich bereits seit längerem geplant, aber bisher nicht umgesetzt habe. Es geht um die Vorstellung eines Romans, sowie dessen filmische Umsetzung. Dabei möchte ich nicht alles explizit auseinandernehmen, sondern eher die Vorzüge und Nachteile beider Versionen eingehen. Da auf meinem SUB noch mehr Bücher aus der Rubrik liegen, warten diese eigentlich nur auf mich. Hüstel.


Den Startschuss gibt heute ein Film namens “Repo Men“, dessen Vorlage aus der Feder von Eric Garcia stammt und “The Repossession Mambo” heißt. Übrigens wird das Buch auch im Film genannt und gezeigt.
Repossession heißt Rücknahme und spielt auf den Job der Repo Männer an (Es sind es immer Männer, wird im Buch kurz erklärt. Im Film sind dagegen auch Frauen in dem Job zu sehen.). Deren Aufgabe ist es, Organe zurückzubringen, die von ihren Besitzern nicht mehr bezahlt werden können. Während der Entnahme “tanzen” manche etwas herum, daher die Anspielung auf den Mambo. Todeskampf mit schöner Bezeichnung.

Kurz zurückgespult. Organentnahme? Nicht bezahlt? What? Japp. Wir befinden uns in einer fiktiven Zukunft, in der theoretisch keiner sterben braucht. Menschliche Organe können durch mechanische Gegenspieler ausgetauscht werden. Allerdings sind diese recht teuer. Richtig teuer. Extrem teuer! Hab ich schon teuer gesagt? Und viele können die regelmäßigen Zahlungen irgendwann nicht mehr tätigen. Weswegen sie nach einer kurzen Frist mitsamt Mahnungen, auf der Liste der Repo Men landen. Diese entnehmen die Organe wieder und bringen sie zurück zur Firma.

Da nicht jeder nur mal eben eine Niere sich hat einsetzen lassen, sondern Leber, Herz, Wirbelsäule, Gelenke, Nervenbahnen, Augen und vieles mehr, enden einige Einsätze der Entnahme tödlich. Okay, es gibt Männer, die gehen so radikal in ihrem Job um, dass auch ein “harmloses” Organ zum Tod führen kann, aber das ist ein andres Kapitel. Dreh und Angelpunkt ist “the best Bio-Repo Man”, der im Film den Namen Remy bekommt. Ich musste gerade tatsächlich überlegen, ob er im Buch einen Namen hat. Da es aus der Ich-Perspektive ist, nicht zwingend ein must-have und ich kann mich an keine Nennung erinnern (oder ich habs vergessen).

A job, is a job.

Remy ist mit Jake, seinem besten Freund, einer DER Top-Agenten. Alles läuft reibungslos, besser als seine fünf Ehen (ja, fünf Ehen) und dann kommt es zu einem Unfall. Er benötigt selbst ein neues Organ. Die Transplantation wird ohne seine Zustimmung umgesetzt und als er aufwacht, hat er ein neues Herz, unterschreibt die Papiere (drin ist drin) und ist nun eine Geldbörse der Credit Union. Passt ja, guter Job, gutes Einkommen, was sollte da schief gehen? Das Leben. Der Unfall hat ihn verändert. Er kann nicht mehr arbeiten und taucht unter, wird ein Outsider. Auf der Flucht vor den eigenen Kollegen.

Das Buch ist etwas anders aufgebaut, als der Film.
– Charaktere wurden verändert,
– so gibt es statt fünf Ehefrauen nur eine, mitsamt Sohn Peter (gerafft im Film),
– eine spätere Bekannte auf der Flucht, ist im Film ein Mix aus mehrern Frauen, die er trifft,
– diverse Szenen auf/während der Flucht existieren im Buch nicht (bringt mehr Action rein),
– im Buch wird die Vergangenheit von Jake intensiver beleuchtet (wäre im Film zu viel geworden),
– er spricht quasi so, wie er seine Memoiren für Peter schreibt (Buch, recht persönlich + nah),
– ein stetiger Wechsel zwischen Erinnerungen an seine Ehefrauen, Peter, Kriegsvergangenheit, diversen Jobs und der Gegenwart (Buch, bringt Dynamik rein).

Positiv ist mir bei einem Rewatch aufgefallen, dass im Film wirklich Dialoge und Szenen 1:1 übernommen wurden. Das finde ich immer recht sympathisch und spricht für den respektvollen Umgang mit der Vorlage. Dazu der oben erwähnte kleine Cameoauftritt des Buches, Däumchen hoch!
Was dagegen komplett verändert wurde, ist das Ende. Ich habe etwas mit mir gerungen, ob ich eines besser finde, als das andere. Bin aber zu dem Schluss gekommen, dass beide ihren Charme haben. Einen kleinen Vorsprung hat das Buch, den hier gibt es Andeutungen auf die Charakterentwicklung von Remy und Jake, die einfach schlüssiger passen.

Buch vs. Film, das Fazit

Finde ich nun eines besser? In dem Fall kann ich klar sagen: Nein. Beide haben ihre Reize. Ich finde, dass die Repo Men recht gut umgesetzt wurden. Hier wurden Feinheiten verändert, die dem Film mehr Fluss gegeben haben. Das Ende klammere ich dabei aus.
Bisher ist das Buch “The Repossession Mambo” nicht auf dem deutschen Markt erhältlich und wird es wohl auch nicht so schnell geben. Wer des Englischen mächtig ist, sollte sich dieses Werk auf jeden Fall nicht entgehen lassen. Softer SciFi einer fiktiven Zukunft, die eigentlich gar nicht so unrealistisch ist und gleichzeitig viele Fragen der Zwei-Klassengesellschaft aufwirft.

“The Repossession Mambo”
2009 bei Harper Fiction* erschienen
336 Seiten
von Eric Garcia

“Repo Men”
2010 erschienen
Regie führte Miguel Sapochnik
mit Jude Law + Forest Whitaker

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eine weitere Buchverfilmung:
“Kirschblüten und rote Bohnen”

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