von Kazuo Ishiguro
„Nike, the name we finally gave my younger daughter, is not an abbreviation; it was a compromise I reached with her father.“ (Buchbeginn)
Etsuko lebt allein in England. Wir schreiben die 80er. Ihre Tochter Niki kommt sie daheim besuchen. Es geht um einen geplanten Zeitungsartikel. Doch Etsuko sträubt sich. Die Gespräche laufen stockend. Als ob eine Barriere zwischen den beiden besteht. Kaum greifbar, aber bei jedem Wort spürbar. Ist es wirklich der Suizid ihrer ältesten Tochter, der sie ausbremst? Oder liegt da noch mehr unter der Oberfläche verborgen. Sicher ist, dass ihr Treffen die Vergangenheit aufleben lässt. Damals in Nagasaki. Der Nachkriegszeit.
Wir schreiben die 50er. Etsuko ist schwanger. Ihr Mann die ganze Zeit am arbeiten. Der Schwiegervater regelmäßig daheim. Was machen, in so einer Zeit? Der Krieg ist vorbei. Die Menschen versuchen wieder ein geordnetes Leben zu führen. Viele Bekanntschaften und Freunde kamen ums Leben.
Warum also nicht neue Freundschaften schließen?
„It is possible that my memory of these events will habe grown hazy with time, that things did not happen in quite the way they come back to me today.“ (S.41)
Etsuko kommen die Erinnerungen in Träumen hoch. Aus der Ich-Perspektive teilt sie ihre Gedanken mit uns. Über Sachiko, eine Frau in ihrem Alter, mit einer jungen Tochter namens Mariko. Sachiko verkörpert das, was Etsuki nicht hat: Sie ist unabhängig, will Japan verlassen. Raus aus dem Land. Sie wirkt unbeschwert. Hat größere Ziele und selbst wenn sich ein Ziel ändert, ein anderes wartet bereits auf sie.
Stück für Stück graben wir auf diesem Weg die damalige Zeit aus. Lernen Etsuko und Niki, aber auch Sachiko und vor allem Machiko näher kennen. Dabei kocht stetig die Frage hoch: Sollte die Vergangenheit begraben bleiben oder ist es wichtig traumatische Erlebnisse zu verarbeiten? Für Niki liegt die Antwort auf der Hand. Bei ihrer Mutter ist das nicht so einfach.
Vielleicht hilft der Besuch mitsamt den Gesprächen, dass die beiden sich wieder näher kommen. Dass das Mutter-Tochter-Verhältnis sich entspannt und Familienbesuche ohne Sticheleien ablaufen.
Schlussgedanken.
Das Buch „A pale view of hills“ ist ein kurzes Werk mit einer Menge Tiefgang. Im Wechsel hören wir die Geschichte der Vergangenheit aus Etsukos Sicht und springen dann in die Gegenwart, wo die langsam Aufarbeitung stattfindet. Gemeinsam mit Niki.
„Damals in Nagasaki“ ist die deutsche Übersetzung. Zudem gibt es eine Verfilmung unter der Regie von Kei Ishikawa. Dafür kann ich eine absolute Filmempfehlung aussprechen.
Ich habe das Buch im Nachgang gelesen und stetig Szenen dort heraus vor Augen gehabt. Die Atmosphäre wurde genau richtig eingefangen.
Randnotiz: Das Ende wird wohl auf verschiedene Art und Weise ausgelegt. Für mich gab es nur eine Richtung. Es ist allerdings interessant die anderen Versionen zu lesen.
Von meiner Seite: Ein Lesetipp!
Hier gehts zum nippon connection Beitrag*, mit einer kurzen Vorstellung der Verfilmung.

