|Crime| „Frag nach Andrea“

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von Noelle W. Ihli

„Trotz seines erdrückenden Gewichts schrie mein Hirn mich an, ich solle weglaufen.“ (Meghan, Buchbeginn)

Meghan ist tot. Umgebracht von ihm. Einem Mann, der Frauen ermordet. Der unbehelligt sein Leben lebt. Als ob nichts gewesen wäre. Ein paar Flirts hier und da. Schneller small talk. Der Kaffee im Cafe. Das Lächeln, was verführt. Ein paar gemeinsame Drinks später. Dann das Unwohlsein. Er glänzt durch seine Hilfsbereitschaft, Natürlich fährt er sie heim. Er ist schließlich ein Gentleman und lässt eine beschwipste Frau nicht allein zurück. Kurze Zeit später ist sie tot. Ermordet. Von dem hübschen Gesicht.

Doch Meghan kann ihn sehen. Sie ist nicht „weg“. Wie ein Geist hat sie ihren Körper verlassen und betrachtet die Szenerie von außen. Fassungslos fängt sie an zu begreifen. Und fühlt sich machtlos. Sie kann ihn nicht greifen. Niemand kann sie sehen oder gar hören. Wie soll sie HIER gefunden werden? Im Unterholz, abgelegen an einem Feldweg. Sie will, dass er gefasst wird. Aber wie?

„Dass ich tot war, realisierte ich so, wie du realisierst, dass du nur geträumt hast. Nur eben umgekehrt, würde ich sagen. Denn der böse Traum war real.“ (Brecia, S.12)

Meghan ist nicht die einzige Frau, die in dem Buch so Wort kommt. Ihr Mord ist jetzt ein Jahr her. Brecia ist die zweite Person. Sie ist bereits zwei Jahre tot. Statt neben ihrem verwesendem Körper zu schweben, hat sie eine andere Heimat gefunden. Seine Familie. Richtig gehört, der nette Mörder von nebenan, lebt gemeinsam mit seiner Frau und beiden Töchtern ein gut situiertes Leben. Keine Anklage, kein Verdacht gegen ihn. Warum, das weiß Brecia inzwischen nur allzu gut. Schließlich beobachtet sie ihn schon eine Weile.

Die dritte Frau ist am Leben. Noch. Denn auch sie wird sterben. Weder Meghan noch Becia können ihren Tod verhindern. Doch können sie das vielleicht gemeinsam schaffen? Es muss doch einen Grund haben, warum sie alle drei weiterhin auf der Erde verweilen.
Genau DAS wollen sie in Angriff nehmen. Denn der Mann mordet weiter. Ohne Reue und die Frauen sind so ahnungslos.

„Er kam diesen Sommer häufig in den Coffeeshop Daily Grind, wenn ich Schicht hatte. Das störte mich nicht. ich freute mich sogar eigentlich jedes Mal darauf. Er gab Trinkgeld. Er war süß.“ (Skye, S.23)

Abwechselnd kommen die Frauen zu Wort und geben jeweils eine komplett unterschiedliche Perspektive auf die Morde, sowie die Reaktionen aus dem Umfeld. Die (typischen) Antworten der Polizei. Die Sorge der Freunde und Familie. Ihre Trauer und Hilflosigkeit. Es kommt dir so bekannt vor. Schließlich geschehen weltweit Femizide, die selten harte Konsequenzen für die Mörder haben. Daher ist es umso ermutigender zu sehen, dass es hier eine Lösung gibt. Irgendwie.

Diese kommt am Ende so schlicht daher, dass du dir denkst, würden mehr Menschen so handeln und aufmerksam durch die Welt gehen, könnte sicher der ein oder andere Femizid verhindert werden können. Natürlich haben wir keine Geister von Verstorbenen, die ihre Finger im Spiel haben. (Oder doch?) Und ob die Mörder alle gefasst werden, bleibt fraglich. Aber zumindest können einige fette Steine in deren Weg gelegt werden. Der Rest folgt auf Schritt und Tritt. In Form von Meghan, Brecia und Skye. Hehe!

Schlussgedanken.
Das Buch „Frag nach Andrea“ spricht ein wichtiges Thema an: Femizide. Zwar mag anfangs der Stil mit den Sprüngen ungewohnt sein. Vor allem die Zeitangaben haben mich manchmal verwirrt. Letztlich sind sie kaum relevant für die Handlung. Machen eher begreiflich, wie lange die Morde bereits geschehen.
Der Mörder bekommt ein wenig den Klischeestempel der Massenmörder aufgedrückt: Gutaussehend, aus gutem Haus, intelligent, Frau und Kinder daheim. Das stört letztlich nicht, da wir eh alle wollen, dass er gefasst wird und der Fokus darauf liegt.
Alles in allem ist die Geschichte gut und schnell gelesen. Das Lesetempo legt vor allem in der zweiten Hälfte gut zu und rennt dem Ende entgegen.

Von meiner Seite gibt es eine klare Leseempfehlung.


dt.Cover

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: 05/25 bei Festa Verlag
Seiten: 352

■ USA
■ Thriller
■ Einzelband

dynamite books

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