Ein normaler Oktobertag mitten in Skien, als ein Notruf eingeht. Ein Frau ist beim Gassi gehen mit ihrem Hund schwer gestürzt und braucht dringend medizinische Hilfe. Als die Rettungssanitäter eintreffen ist die Frau tot, erdrosselt mit der eignen Hundeleine. Denkt man anfangs noch an einen leicht zu lösenden Mordfall, muss man schnell feststellen, dass alles etwas verzwickter ist, als es zunächst scheint.

Auch die Journalistin des ansässigen Radiosenders – Mette Minde – bemerkt das Potenzial der Story, welches dahinter steckt und beginnt auf eigene Faust mit den Ermittlungen. Rasch tragen ihre Nachforschungen erste Früchte und sie stellt Verbindungen zu einem Unternehmen in Skien her, wo das Opfer gearbeitet hat und scheinbar in ein paar Wirtschaftskriminalitäten verwickelt war und dann gibt es noch diesen Lottogewinn, zu dem sich keiner äußern möchte.

Was einem direkt auffällt, wenn man anfängt “Ein Hauch von Mord” zu lesen, ist die Zeitform, in der es geschrieben ist: In der Gegenwart.

Somit wirkt es so, als ob es alles gerade erst vor den eigenen Augen geschieht. Leider geschieht dies nicht aus der Ich-Perspektive, was dem Lesevergnügen natürlich noch einmal einen besonderen Touch gegeben hätte. Dennoch liest man sich nach ein paar Stolperzeilen schnell ein und ist mitten drin im Geschehen.

Man lernt die verschiedenen Charaktere kennen. Allem voran die Journalistin Mette und deren Ehemann Peder mit den beiden Söhnen. Es folgen Kollegen, das Mädchen Charlotte, ein paar Nachbarn, Frauen aus dem Diätclub und so weiter. Das ist auf die Dauer recht viel. Gerade dann wenn die einzelnen Figuren recht kurze Passagen für ihren Auftritt bekommen und somit die Wechsel immer häufiger kommen.

Natürlich gibt es auch ruhigere Momente, ist Mette immer noch die Hauptfigur und diesen Rang läuft ihr auch niemand ab. Deshalb ist sie es auch, die die entscheidenden Hinweise aufdeckt und Hintergründe ausgräbt, die so mancher gerne im Verborgenen gelassen hätte, was sie ebenfalls zu einem potenziellen Opfer macht.

Je mehr man in die Geschichte eintaucht und versucht sich die vielen Verstrickungen mit den passenden Personen zu merken, umso mehr freut man sich auf das Finale und den wichtigen Showdown. Ab und an runzelt man verwirrt den Stirn und denkt sich:

Das kann zu keinen gescheiten Ende führen, das ist viel zu verworren, wie will die Autorin das auflösen?

Leider wird dieser Gedankengang immer mehr zur Gewissheit, je näher man dem Ende kommt. Der Aufbau selbst ist gut gewählt. So ist der Krimi in einzelne Kapitel unterteilt, die jeweils das Datum des aktuellen Tages als Überschrift haben. Auf diese Weise kann man gut ausrechnen, dass das gesamte Geschehen sich in gerade einmal 14 Tagen abspielt. Es einem aber definitiv viel länger vor.

Letztendlich ist der Titel Programm. Es ist ein Hauch von einem Mord, es ist ein Hauch von Spannung in der Luft, es ist ein Hauch von Logik vorhanden… Fing alles so gut an, hat sich hier Merete Junker eindeutig verstrickt. Es sind zu viele Ideen in das Buch reingequetscht worden, dass die eigentliche Story – der Mord an Frid – total untergeht. Die Auflösung am Ende macht nicht glücklich und wirkt mit einem “Aufklärungskapitel” auch nicht gut gewählt.

Wer es ruhiger mag, sich nicht an vielen Perspektivwechseln zwischen den Figuren nicht stört und dem ein schlüssiges Ende nach einer komplexen Story nicht so wichtig ist, der ist hier an der richtigen Stelle. Allen anderen rate ist von dem Buch ab! Ruhiger Krimi, teilweise sehr detailreich, verliert sich in Beschreibungen und verbaut sich so sein Finale – schade.


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Genre: Krimi / VÖ: Nov 2013 / Verlag: LYX Egmont  / Serie: Einzelband


2 thoughts on “|Crime| “Ein Hauch von Mord”

  1. Coole Rezension! :D Arhg, solche "Aufklärungskapitel" am Ende mag ich eigentlich auch immer nicht. Da sitzen die Hauptfiguren meist immer irgendwo zusammen, alles ist schon passiert und dann wird nochmal alles erklärt. Manche Plots brauchen das, weil man sich sonst an manchen Stellen wundert, wie die denn nun darauf kamen und wo was heram, aber ob das einen Krimi/Thriller nun gerade auszeichnet, wenn am Ende der Erklärbär kommen muss, ich weiß es nicht. Eigentlich spricht es nicht gerade für die Erzählweise, wenn hinterher noch alles erklärt werden muss. Habe es bisher nur ganz selten mal erlebt, dass ich um so ein Kapitel dankbar war und wo es auch zur Story gepasst hat.

    1. Jaja diese Erklärkapitel *zu Barclay schiel* Manche Autoren haben einfach einen Narren darin gefressen… dabei gibt es so viele, die beweisen, dass es auch ohne diesen blöden Erklärbär-Moment geht!

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