the son, buchkritik, crime, nesbo

Stell dir vor du sitz im Gefängnis. Das Leben plätschert dahin. Die Leute vertrauen dir und deinem friedselig wirkendem Wesen. Sie erzählen dir Dinge, die sie sonst keinem erzählen würden. Dabei erfährst du, dass du fast dein ganzes Leben mit einer Lüge verbracht hast.Dass dein geliebter Vater nicht Selbstmord begangen hat. Dass er kaltblütig ermordet wurde. Dass jemand eiskalt Verrat begangen hat. Wärst du auf Rache aus?

Sonny passiert genau das. Und er ist auf Rache aus – auf blutige Rache. Er möchte Revenge haben und setzt dies auf seine ganz eigene Art und Weise um. Nachdem er es innerhalb kürzester Zeit geschafft hat, geschickt dem Gefängnis zu entkommen. Er hinterlässt eine Spur der Verwüstung, was nicht nur die örtliche Polizei auf seine Fährte bringt.

Zu den führenden Ermittlern gehört auch Simon Kefas. Von einer traurigen Vergangenheit geprägt, wartet bereits der nächste Schicksalsschlag auf ihn: Seine Frau Else wird bald erblinden und nur eine teure Augenoperation kann ihr helfen. Doch woher das Geld nehmen? Droht er durch seine Kontakte zu einem Gangsterboss auf die falsche Bahn zu gelangen? Beeinflusst dies seine Ermittlungen zu den aktuellen Mordfällen und der Flucht Sonny’s?

An seiner Seite arbeitet die junge Kari. Noch frisch in der Abteilung, soll Simon sie quasi einführen in die Welt der realen Verbrechen. Wirken sie anfangs auf den Leser, wie ein harmonisches Team, keimt in Kari schnell der Verdacht heran, dass Simon lieber allein ermittelt und des Öfteren gegen Vorschriften verstößt. Soll sie es melden?

Das Buch ist gespickt mit fiesem Verrat, bitterer Verzweiflung, blutigen Rachegelüsten, persönlichen Ängsten, großen Hoffnungen, zarter Liebe und einem Sinn nach Gerechtigkeit. Das klingt alles nach guten Zutaten für einen spannenden Thriller? Sind sie auch, nur leider kommt die Spannung viel zu spät auf.

Stück für Stück werden einem die wichtigsten Figuren des Buches vorgestellt. So tauchen neben den genannten Ermittlern und Sonny, noch der Gefängniswärter, Drogenbosse, Martha und der Nachbarsjunge auf. Der Verbindungen sind ziemlich verzwickt und auf den ersten Blick nicht erkennbar. Genauso wirkt der Rachefeldzug von Sonny anfangs ehr wie ein wahlloses Abschlachten ohne Sinn und Verstand, dass dem natürlich nicht so ist, wird einem später bewusst. Puzzlestücken beginnen sich zusammenzufügen und ergeben plötzlich ein recht stimmiges Bild.

Natürlich wird einem auch irgendwann deutlich vor Augen gehalten, wer der Maulwurf ist.

Wer denn nun Schuld ist, an dem Mord von Sonny’s Vater. Doch leider hatte man diese Person schon sehr früh deuten können. Anzeichen gab es genügend und somit ist der kleine surprise-Effekt am Ende nicht mehr so überwältigend. Ebenso ist die Anzahl an Personen im gesamten Buch sehr verstörend. Nicht nur, dass man dazu neigt den Überblick zu verlieren, meistens ist ein neuer Charakter schon zum Tode verurteilt bevor er zu Wort kommt und die Kapitel werden etwas vorhersehbar. Lediglich die Art und Weise, wie sie ermordet werden, ist stets unerwartet neu und zeigt deutlich die Raffinesse von Sonny.

Alles in allem ist das Buch gut zu lesen gewesen. Man kam schnell mit dem Englisch zurecht und es gab nur wenige Worte, die ich noch nie gehört hatte und nachgeschlagen werden mussten, um den roten Faden nicht zu verlieren. Die norwegischen Namen der Figuren sind teilweise schwierig zu merken gewesen, allein schon das gedankliche Aussprechen viel etwas schwer. Wer jedoch öfters in Skandinavien unterwegs ist mit Büchern, für den sollte dies kein Problem sein.

Leider begann der Spannungsbogen viel zu spät sich mit einer dicken Kurve nach oben zu neigen.

Erst nach über der Hälfte des Buches, reihte sich plötzlich ein Ereignis an das Nächste, Zusammenhänge ergaben sich und liefen zu einem finalen Ende hinaus. Hinzukommt die Vorhersehbarkeit und ein nicht immer glaubwürdiger Sonny. Zwar ist er eine gespaltene Persönlichkeit, aber diese Harmonie gegen Ende wollte nicht so recht zu ihm passen. Hätte es nicht diese Komplexität des Falls gegeben, der sich schlüssig aufklärt, wäre die Bewertung sicher schlechter ausgefallen. Daher gibt es:


Anzeige

Genre: Thriller / VÖ: May 2014 (uk) / Verlag: Penguin Books / Serie: Einzelband


Loading Likes...