In einem kleinen Dorf in der Lüneburger Heide kommen der Kinderarzt Andreas Joost und der Rechtsanwalt Thomas Wilke auf grauenhafte Weise ums Leben. Rasch ist klar, es gibt eine Verbindung zwischen den beiden Männern: Joosts Tochter Anna, ein autistisches Mädchen, das noch nie ein Wort gesprochen hat. Das Geheimnis, das die Beteiligten miteinander verbindet, führt tief in menschliche Abgründe. Und die Zeit zur Aufklärung des Falles drängt – denn der Täter hat bereits sein nächstes Opfer ins Visier genommen …[bastei lübbe]

Meine Meinung: 

Gut, ein interessanter Plot, eine wunderbare Ausgangslage für interessante Ermittlungen und es drängen sich direkt die ersten Fragen auf. Was ist die Verbindung zu der kleinen autistischen Anna? Wieso wurden sie beide ermordet? Wer will hier Rache nehmen? Denn schließlich schaut es stark danach aus. Wem sind die beiden auf die Füße getreten? Warum wird überhaupt der Freund von Annas Vater dort mit hineingezogen? Die Ehefrau ist doch da eher der Kontaktpunkt?

Natürlich gibt es die klassischen Ermittler: Erfahren und Unerfahren. Jung und Alt. Dennoch harmonieren sie recht gut mit einander. Einzig für den Leser wird ihr Arbeitsstil irgendwann vorher sehbar und man ist gedanklich den Ermittlungen immer einen Schritt voraus, was man nicht immer nur den zusätzlich Hintergrundinformationen verdankt, die man als Leser bekommt und die Ermittler eben nicht.

Der Autismus wird hier eigentlich nur im Hintergrund erwähnt und spielt anfangs keine wirklich Rolle. Denn ein stummes Kind kann man auch ohne diese Erbkrankheit sein. Nach und nach kommt allerdings heraus, wie alles zusammenhängt und man begreift, warum kein “normales” Kind genommen wurde.

Das Ende ist okay, aber nicht überraschend. Da man – wie gesagt – durch die unterschiedlichen Perspektiven immer mehr weiß als die Polizei und man sich somit alles schon vorab zusammenspinnen kann.
Es bleibt lediglich die Frage offen, wie der Mörder reagiert und seine letzten Züge geplant hat. Diese sind letztlich recht geschickt gewählt und lassen den Leser zufrieden das Buch zu klappen.


Positiv:
+ Die Ausgangslage. Sie bietet gutes Gedankenkino und lässt einen interessanten Plot erahnen.
+ Der Spannungsaufbau. Zuerst gibt es die Leichen und eine seltsame Frau, dann lernt man die Frau kennen und Stück für Stück ihre Welt und Gedanken, die nicht ohne sind. (Leider flaut der Bogen ab und an etwas ab.)
+ Die regelmäßigen Zusammenfassungen von den Ermittlern sind sehr aufschlussreich und zeigen einem immer deutlich den Ermittlungsstand, wenn auch sie nicht nötig gewesen wären, man kam auch so ganz gut mitkommt.
+ Die Darstellung von Anna, dem autistischen stummen Mädchen. Das kommt wunderbar herüber. 

Negativ:
Direkt zu Beginn, als die Gelüste des Anwalts zu Licht kommen, fühlte ich mich wie in einem Klischee-Bilderbuch. Missbrauch in der Kindheit, also finde ich es geil geschlagen zu werden und entwickle den passenden Sadomaso-Fetisch….
Wenn man den “Eisengel” näher kennenlernt, fügt sich alles langsam zusammen, je mehr Personen man vorgestellt bekommt und die anfängliche Spannung verfliegt etwas.
Die Figur der jungen Polizistin war einfach nur noch nervig. Wieder mal jung und naiv. Brauche ich nicht in jedem 2ten Buch.
Den Autismus mit in die Story einzubinden, wäre kein Muss gewesen. Sie hätte auch ohne Funktioniert. Zumal Anna nicht die tragende Rolle bekommt, die man sich erhofft.
Die subtilen Hinweise auf einen Täter oder eine Wendung, störten manchmal, als ob der Leser nicht selbst drauf kommen könnte.

+/- Die Komplexivität der Story ist einerseits sehr interessant, andererseits zu zaghaft angeschnitten.


Fazit: 

Ich ging mit hohen Erwartungen an das Buch, vor allem durch das zahlreiche Lob und leider wurden diese nicht wirklich gestillt. Das Buch ist sehr rasch durchgelesen, was vor allem an den nur knapp 400 Seiten liegt. Eigentlich zu wenig, um die ganzen spannenden Themen richtig ausreifen lassen zu können. Letztlich hat mich das Buch “Das stumme Kind” nicht vom Hocker gehauen. Es waren dann doch 1-2 Klischees zu viel und mit fehlte einfach die Tiefe. Ich konnte mich auch kaum mit einer Figur anfreunden. Einzig den “Eisengel” fand ich zeitweise recht sympathisch, vor allem weil ich ihre Argumente nachvollziehen konnte, so komisch es klingen mag. Somit reiht sich der Thriller im Mittelfeld ein. Man kann ihn lesen, muss es aber nicht.


Genre: Thriller / VÖ: August 2014 / Verlag: Bastei Lübbe /Serie: Einzelband

15 thoughts on “|Thriller| “Das stumme Kind”

  1. Ohhhh das Buch hab ich ja gewonnen gehabt & wegen dem Lob war ich zuvor auch ganz heiß druf. O.O HMPF! Da ich die Kritikpunkte meiner lieben Nachbarin ^^ immer nachvollziehen kann und es mir sicherlich auch so ergehen würde…hmm…mein Bedürfnis, es bald zu lesen, ist auf alle Fälle schon mal etwas gesunken. Ich bilde mir am Ende ja sowieso eine eigene Meinung, aber wenn dann bessere Bücher auf einen warten? *Es nach hinten verschoben hat*

    Der Jack dankt. :D UND wünscht dir noch viel Fun auf der Messe. x3 Hoffe auf einen Bericht. :D

    ~ Jack

    1. Och es liest sich ganz gut, aber dank der zahlreichen Bücher davor, die diverse KLischees erfüllten, war ich was enttäuscht, dass es hier wieder so war… und außerdem hatte ich durch das zahlreiche Lob doch gewisse Erwartungen, besonders was das autistische Kind angeht und die wurden (für mich) nicht erfüllt :/

      @Messe
      Merci :3
      Freu mich schon!
      Und ja, ein Bericht folgt brav :D

  2. Ah, da ist sie! :) War ja nach deiner Ankündigung nun schon gespannt auf deine Kritik! :)

    Eine Sache ist mir gleich ins Auge gefallen und soll jetzt keine Kritik an Dich sein, sondern einfach nur so eine generelle Feststellung, die mich schon seit langer Zeit beschäftigt! Das hohe Erwartungen oft einen tiefen Fall für ein Buch bedeuten. Hatte das im Ansatz bei meiner Rezension zum Krähenmädchen schon angedeutet und irgendwie begegnet es mir einfach immer wieder, und dann tut es mir immer um das Buch leid. Wenn ein Titel vorher irgendwo gelobt wird, schrauben die meisten ihre Erwartungen automatisch hoch und sind dann meist enttäsucht. Dann überlege ich immer, ob die Kritik milder ausgefallen wäre, wenn man vorher kein Lob über das Buch gehört hätte? Das beschäftigt mich irgendwie…

    1. Nein, wäre sie nicht, dann wären die anderen Kritikpunkte mehr in die Waagschale gefallen. Am meisten haben mich nämlich wirklich die Klischees gestört. Das gab dem ganzen von anfang an einen bitteren Beigeschmack und dann waren die Erwartungen einfach das i-Tüpfelchen ;)
      Es war absolut okay, aber kein burner und daher ist es in den Durchschnitt reingerutscht :P

    2. Ah, ok, das verstehe ich! Ich mach mir in letzter Zeit schon immer Sorgen bei meinen Rezensionen und möchte am liebsten meine Begeisterung relativieren, weil man immer wieder liest, dass Leser bei viel Lob oder Werbung für einen Titel mit hohen Erwartungen an das Buch ran gehen und dann enttäuscht zurückbleiben. Klar, man hat ja immer irgendwelche Erwartungen an ein Buch, also ist es auch normal, hohe Erwartungen zu haben. Hach, das Thema ist verzwickt, mir fallen gerade noch hundert Gedanken dazu ein! :D Ich geh mal meine Pillen nehmen, sonst raufe ich mir wieder die Haare und lande bei der Erkenntnis, dass doch eigentlich alles keinen Sinn macht! :D

      Was macht deine Messe-Outfit?? *neugierig sei*

    3. Wenn einem das Buch gefällt, why not?
      Ich setz dann meist noch den Satz drunter, dass ich die Vermutung habe, dass der ein oder andere meine Euphorie nicht teilen wird und schon ist mein Gewissen ausm Schneider :P

      @outfit:
      dem gehts gut :D
      Is ja quasi fertig. Muss nur noch Ohrringe "zusammenstecken" und das wars.
      Werds morgen nochmal Probe anziehen evtl lad ich dann auch n Bildchen hoch ;)

    4. Au ja, auf Fotos wäre ich wieder tierisch gespannt! :)

      Ich sehe die Rezensionen bei mir sowieso als subjektive Einschätzung und setze voraus, dass eben klar ist, dass das meine ganz persönliche Meinung ist und somit nicht jeder von dem Buch begeistert sein muss. Aber das hilft ja nicht, wenn andere dann trotzdem die Erwartungen hoch schrauben, denke ich…

    5. Hallo ihr zwei!

      Muss mich da mal kurz dazu äußern, weil ich auch schon oft über Erwartungshaltungen nachgedacht habe. Allerdings bin ich zum Schluss gekommen, dass eine hohe Erwartungshaltung durchaus gewünscht und gerechtfertigt ist (egal woher diese Haltung kommen mag). Denn wenn man es umgekehrt sieht, stellt sich schnell die Frage: Warum soll ich ein Buch lesen, von dem ich eh nichts erwarte? Oder nichts Gutes erwarte?
      Von daher gehen wir natürlich immer – oder meistens – mit hohen (oder gar keinen) Erwartungen an ein Buch.
      Aber es ist klar, dass viele positive Stimmen eine hohe Erwartungshaltung hervorrufen. Allerdings glaube ich nicht wirklich, dass es die Kritik beeinflusst, wenn man ehrlich rezensiert. Denn dadurch ändert sich der persönliche Geschmack ja nicht – entweder man findet es gut oder eben nicht. Oder nicht ganz so gut wie die anderen. Oder sogar noch besser als die anderen. Aber es ist und bleibt ja eine subjektive Einschätzung, die man auch ohne die anderen Stimmen gehabt hätte. Und wie gesagt: Normalerweise geht man ja immer voller Hoffnung, voller positiver Erwartungshaltung an ein Buch.

      Zum Buch selbst: Ich hab reingelesen, aber es hat mich nicht reingezogen. Die Idee klingt an sich wirklich gut, aber mich hat der Anfang einfach nicht gepackt, so dass ich gar nicht weiterlesen wollte. ;-).
      Wie ich sehe: Ich hab nicht unbedingt was versäumt.

      Liebe Grüße, Iris

      PS: Ich hab übrigens in das Buch reingelesen, weil ich einen Verriss zum Thriller gesehen habe. Von daher bin ich ohne Erwartungen an das Buch rangegangen ;-), es hat mich aber eben schon mit dem Anfang nicht packen können.

    6. Das habe ich vielleicht nicht deutlich genug erklärt, ich meinte jetzt eher überzogene, übersteigerte Erwartungen. Wie ich ja auch schon meinte, Erwartungen hat man natürlich bei jedem Buch und natürlich auch mal hohe, ich habe nur über eine übersteigerte Erwartungshaltung nachgedacht.

      Also quasi zu hoch geschraubte Maßstäbe, weil ein Buch hoch gelobt wurde. NIcht die normale Erwartungshaltung, die man ja selbstverständlich bei jedem Buch hat. Ich habe bei jedem Buch Erwartungen, man macht sich ja vorher Gedanken, wenn man das Buch kauft und sei es durch Cover, Klappentext oder Name des Autors, es entsteht immer eine Erwartungshaltung. Und die kann dann enttäuscht werden. Das ist völlig klar und normal und liegt in der Natur der Dinge. Aber ich wollte eben auf die Erwartungs hinaus, die "nur" entsteht, weil andere ein Buch sehr gelobt haben. Davon lassen sich doch viele beeinflussen und denken, das Buch muss ja gut sein. Dass das aber nur meine ganz subjektive Meinung ist und es deshalb noch lange nicht dem anderen auch gefallen muss, rückt irgendwie in den Hintergrund, habe ich den Eindruck.
      Damit meine ich jetzt nicht dich, Kaisu ;), sondern das allgemeine Bild, dass mir beim Lesen im Netz so unterkommt. Ich will damit auch nicht sagen, dass man dann nicht ehrlich rezensiert, sondern ich habe mir einfach die Frage gestellt, wie sehr positive Stimmen die Erwartungshaltung beeinflussen in Hinblick auf zu hohe Erwartungen. Ich persönlich bin bei mir selbst der Meinung, dass mir das völlig wurscht ist. Also auch wenn alle von dem Buch total begeistert sind, gehe ich nicht mit einer höheren Erwartungshaltung an ein Buch, sondern lese es so wie es ist. Klar sage ich Sachen wie "jetzt bin ich umso neugieriger auf das Buch" oder wie bei deiner tollen und ansteckenden Rezension zu "Missing. New York" letztens, Iris, habe ich mich auch direkt ein bisschen mehr auf das Buch gefreut! ;) Aber ich habe deswegen jetzt keine höheren Erwartungen an das Buch, nur weil ich dein Lob gelesen habe. Ich habe Erwartungen, klar, an den Autor, aber eben keine höheren, weil Du es vorher gelobt hast. Darauf wollte ich , glaube ich, hinaus. Und so gehen, denke ich, auch die meistens ran, aber oft liest man eben das genaue Gegenteil und dann komme ich immer ins Grübeln, ob das gut ist… :D

      Ich mache mir da wahrscheinlich viel zu viele Gedanken darum, aber je länger ich darüber nachdenke, umso komplexer wird es, wie gesagt, nachher renne ich wieder im Kreis und stelle alles in Frage und suche nach dem Sinn und dem großen Ganzen und der Antwort auf alles und so. :D

      Also nehmt mein Gefasel nicht zu ernst, war eine lange Woche! :D

  3. Die Enttäuschung, was die Erwartungen an das autistische Mädchen angehen kann ich nachvollziehen. Ich hatte auch gedacht, dass das Thema Autismus tragender sein wird. Aber für mich hat es dann das eigentliche Thema des Buches wieder heraus geholt. Mal was anderes und kein Motiv/Thema was einem in jedem zweiten Thriller begegnet.

    1. "Nur dein Leben" und "Du sollst nicht schlafen" befassen sich auch mit dem Thema, wenn auch "Nur dein Leben" schon eher dran ist. Kannte es also schon ;)
      An sich war es auch nicht schlecht, aber mir war es trotzdem nicht tief genug irgendwie, dieses Thema ist sehr brisant und ich hatte was mehr erhofft bei dem riesen Einstieg!

    2. Jetzt überlege ich gerade, ob ich den Plot falsch verstanden habe! :D Aber ich hatte der Tatsache, dass Anna autistisch ist, eine ganz entscheide Rolle beigemessen, in Zusammenhang mit dem "Eiskalten Engel". Würde das jetzt gerne ausführen, aber dann verrate ich, glaube ich, zu viel, aber der Clou war ja eben der Autismus von Anna, den es nicht gegeben hätte, hätte eine bestimmte Person nicht bestimmte Ziele verfolgt. Insofern war das für mich am Ende der Punkt, der mich überhaupt so begeistert hat. Das war doch eine der Kernaussagen, dachte ich und ohne den Autismus von Anna hätte das Buch ja gar nicht diese tiefe Aussage gehabt, die mich das Ende hat so gut aufnehmen hat lassen. Habe ich da etwa zu viel hineininterpretiert?! *au weia* :D

    3. Also ich habs eher so verstanden, dass dieser Autismus ein "Nebenprodukt" war. Das Ziel war ja was anderes (ich sag nur 2 als Stichwort). Vielleicht hab ichs auch falsch verstanden :D
      Vielleicht wollt der Autor auch, dass man mehrere Ansätze sieht? :P

    4. Das kann auch sein! :) Ansonsten ja, der Autismus als Nebenprodukt, quasi als Nebenwirkung und genau das hat ihr dann am Ende das Genick gebrochen. Wer zu viel böses will und tut, bekommt eben nachher die Quittung, sozusagen.

    5. Ja das mit dem Autismus als Nebenprodukt habe ich auch so verstanden. Ich meinte ich hatte eigentlich mehr Ausführungen zum Thema Autismus erwartet bzw. mehr Szenen mit dem autistischen Mädchen.Das sie irgendwie mehr in Erscheinung tritt in dem Buch. Wisst ihr was ich meine? Aber wie gesagt ich fand die Richtung in die es sich dann entwickelt hat persönlich trotzdem sehr gut.

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