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So unheimlich kann Schnee sein. So bedrohlich die Stille. So hypnotisierend das Grauen.
Beim Skifahren in den französischen Pyrenäen wird ein junges Paar von einer Lawine verschüttet. Zwar gelingt es Jake und Zoe sich zu befreien, aber als sie zu ihrem Hotel zurückkehren, finden sie alles verlassen vor. Mobilfunkverbindungen sind zusammengebrochen, jeder Kontakt zur Außenwelt ist abgeschnitten. Bald beunruhigen seltsame Träume und unerklärliche Phänomene die beiden. Tagelang warten sie vergebens auf Rettung, dann versuchen sie, ins Tal zu gelangen. Doch jeder Versuch führt sie nur wieder in den menschenleeren Ort zurück. Aber ist da wirklich niemand? Jake und Zoe sind sich sicher: Irgendetwas wartet da draußen auf sie …[Goldmann]   

Meine Meinung:

Gefangen in der Einsamkeit. Allein. Okay, fast alleine. Der Ehepartner leistet einem Gesellschaft. Trotzdem ist man unter sich. Ohne Kontakt zur Außenwelt. Man weißt nicht warum. Das verwirrt einen und man Angst.
Angst, die auch Jake und Joe mit der Zeit empfinden. Jeder Versuch dieser Abschottung zu entkommen, scheitert kläglich und sie wissen nicht warum. Auch als Leser steht man vor einem Rätsel, vor allem, wenn man sich komplett auf die Gefühle der beiden ein lässt. Tausend Möglichkeiten und Verschwörungen gehen einem durch den Kopf. Vor allem als sich die seltsamen Begegnungen häufen.

Glaubt man irgendwann die Lösung zu wissen, wird man durch neue Gespräche und Sichtungen wieder aus diesem Ansatz rausgeschmissen. Mir wurde erst spät klar, worauf alles hinaus läuft und ich war trotzdem schockiert. Egal wie unterschwellig ich es geahnt habe, man wollte es nicht ans Tageslicht zerren und das Feeling des Buches zerstören.


Positiv:
+ Es ist ein kurzes Buch und entsprechend wird nicht lange gefackelt. Direkt auf den ersten Seiten passiert das Lawinenunglück und man ist sofort mittendrin 
+ Das Buch ist simpel und übersichtlich aufgebaut, so lebt man von einem Tag in den nächsten und ist trotzdem voller Interesse dabei.
+ Man bekommt immer wieder Bröckchen vorgeworfen, die einen an zig Verschwörungen glauben lassen. Nettes Verwirrspiel. Glaubt man anfangs nämlich es ist doch ganz einfach, belehrt einen das Buch eines Besseren.
+ Das Pärchen wirkt absolut glaubhaft. Man hofft und bangt mit ihnen mit, auch wenn sie zeitweise naiv wirken.
+ Die unterschwellige Spannung ist faszinierend. Passiert, doch im Grunde nicht viel.
+ Da nur Jake und Joe anwesend sind, konzentriert man sich voll auf die beiden und läuft teilweise mit Scheuklappen durch die Gegend. Geschickt gemacht. 

Negativ:
Die Sprache ist sehr schlicht und teilweise wirken die Dialoge etwas gekünstelt.
Noch ein wenig mehr grusel-feeling hätte dem Buch nicht geschadet.
Eigentlich ist es das “und täglich grüßt das Murmeltier” Prinzip. Man erlebt jeden Tag neu. Nur wenige Änderungen ergeben sich, doch ein kleiner Ausreißer hätte definitiv nicht geschadet.
Ab einer gewissen Szene platzt spätestens die Seifenblase und man ahnt worauf alles hinausläuft (trotzdem will man es nicht wahr haben…)

+/- Hätte man das Buch weiter ausgebaut und die Figuren entsprechend ihrem Alter agieren lassen, wäre sicher das Ende noch gefühlvoller ausgefallen, als hier dargestellt.


Fazit: 

Das Buch ist klein, aber fein. Es ist eine nette Abendunterhaltung für kalte Wintertage, die jetzt keine fünf Sterne plus bekommt. Dennoch unterhält sie perfekt und ist für ein wenig Abwechslung herzlich willkommen. Da man merkt man wieder einmal, dass sich das Wühlen in der Mängelexemplar-Box immer wieder lohnt.
Der lockere Schreibstil sorgt für einen zügigen Lesefluss, sodass man es auch schnell gelesen hat. Ich empfehle es also wirklich als einen kleinen Ausreißer aus der Krimi- und Thrillerwelt. Wenn man sich vollkommen auf das Buch einlässt, wird man es auch nicht bereuen. Das Spiel mit der Angst und der Einsamkeit fasziniert einen schließlich immer wieder aufs Neue.


Genre: Roman (Mystery) / VÖ: November 2011 / Verlag: Goldmann / Region: franz. Pyrenäen / Serie: Einzelband

 

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