Es ist kurz vor Zwölf in New Mexico.

Das Rho-Projekt hat inzwischen Ausmaße angenommen, die sich so sicher keiner erhofft hat. Wo man auch hinblickt, stolpert man über plötzlich Todesfälle und vermisste Personen. Machtmissbrauch schwirrt einem direkt im Kopf umher. Da hat die Menschheit endlich mal die Chance neue Erweiterungen der Technik und andere Lebensformen näher kennen zu lernen und was macht sie? Richtig! Mächtige Personen, allem voran die Regierung selbst, hinter der sich die CIA, das FBI und die NSA brav einreihen haben nichts besseres zu tun, als sich gegeneinander aufzuhetzen, sich wieder zusammenzuraufen, um am Ende festzustellen, dass ein paar wenige schlaue Menschen durch das Raster gefallen sind und versuchen dem ganzen etwas Gutes abzugewinnen.

Diese sind keine anderen als die drei Freunde Heather, Mark und Jennifer, welche das Raumschiff Nummer 2 in der Vergangenheit selbstständig entdeckt hatten und schnell gelernt haben sich ihre neugewonnenen Eigenschaften zu nutze zu machen. So treten sie nun bei einem Schulwettbewerb an und stellen eine kalte Fusion vor. Zunächst werden sie hochgelobt, man ist über die Leistung überrascht und erfreut zugleich. Doch fast im gleichen Atemzug kommen die Kritiker. Es ist von Betrug die Rede, einer billigen Kopie. Dem Trio ist schnell klar, welche Macht dahinter steckt, doch die Wahl vor die sie gestellt werden ist nicht so einfach. Schließlich sind sie am Ende doch nur Teenager, die ihren Abschluss machen wollen.

Weitere Gegner sind die beiden Agenten Jack und Janet.

Sie sind auf der Flucht vor der Regierung und ihren langen Tentakeln und wollen zeitgleich einige Verräter zur Strecke bringen, die sie in diese missliche Lage gebracht haben. Man begegnet hier vielen alten Bekannten aus Band 1 wieder und nicht alle überleben dieses Wiedersehen unbehelligt. Eines Tages bekommt das Agentenpaar seltsame Nachrichten. Mit der Zeit stellt sich heraus, dass es die drei Wunderkindern sind, die hier den Kontakt suchen. Bahnt sich hier etwa eine Zusammenarbeit an? Immerhin haben die beiden eine Top Ausbildung genossen, wissen mit Waffen umzugehen und sind nun auf einer Rachetour. Doch was genau die Kids vorhaben, ist ihnen zunächst unklar.

Parallel zu diesen beiden Strängen bekommt man als Leser Einblicke in das Handeln des Doktor Stephensons. Er ist ebenfalls ein alter Bekannter und darf jetzt seine sadistische Ader vollkommen ausleben. So befindet sich der Junge Raul in seiner Obhut. Nachdem was dessen Eltern zugestoßen ist, kann man sich denken, dass der Doktor nicht unbedingt daran interessiert ist, den jungen Mann groß zu ziehen. Nein, er missbraucht ihn eher für seine ganz eigenen Experimente. Somit erwacht Raul eines Tages im Rumpf des fremden Flugobjektes Nummer 1. Ganz in Ordnung ist sein Körper allerdings nicht. Seltsame metallische Beine und Gewinde haben sich unterhalb seinen Rumpfes breit gemacht. Ist der Schock zunächst recht heftig, erkennt er schnell seine Vorteile und bevor sich Dr. Stephenson versieht, hat sich Raul in seiner Rolle voll eingelebt und durchforstet das Raumschiff. Man stellt sich unweigerlich die Frage: Wer nutzt hier eigentlich wen aus? Eine Frage, die im Laufe der Handlung stets aufs neue auftaucht.

Neben diesen drei Erzählsträngen gibt es noch zahlreiche mehr. So kommt die Regierung natürlich auch zu Wort, welche einige Verluste zu beklagen hat. Aber wenn man die kleinen Nanomaschinen ohne Aufklärung in dem Blut anderer Menschen missbraucht, sollte man sich darüber eigentlich nicht wundern.
Außerdem tauchen ein paar Nebenbuhler auf, deren Rolle man nicht überlesen sollte. Alle geben einen Krümel zu dem großen Kuchen hinzu, der am Ende gebacken werden soll.

Der große Clou an der gesamten Handlung liegt nämlich darin, dass “böse” Nanomaschinen entwickelt wurden.

So wird nicht nur defekte DNA repariert, was der positive Effekt der außerirdischen Substanz ist. Es werden negative Eigenschaften verstärkt und zu alledem wird auch noch das zweite Raumschiff von einem Suchtrupp entdeckt. Ein Fakt, den nicht nur das Zusammenspiel des Trios hart auf die Probe stellt, sondern der gesamten Menschheit. Sollte man herausfinden, was das Schiff alles kann, wären die kleinen Nanomaschinen fast das geringere Übel.

Die Story ist wieder so komplex, wie auch im Vorgängerband. Doch diesmal ist man schon einen Schritt weiter, muss mit ansehen, wie Geld und Macht grausam ausgenutzt werden und die Aufklärer fast keine Chance haben dagegen anzukommen. Genau das haben sich jedoch Heather, Mark und Jennifer, sowie die beiden Agents als Ziel gesetzt und dieser Weg ist lang und verdammt steinig.
Der Vorteil von “Rho Agenda – Immun” ist, dass man nun keine großen Figurenvorstellungen mehr braucht, somit viel schneller die Zusammenhänge versteht und den Gedankengängen der Hauptcharaktere rascher folgen kann. Außerdem werden viel weniger Passagen zu komplizierten Erklärmomenten von physikalischen oder elektrischen Vorgängen missbraucht, sodass das Unverständnis zum Glück hier ebenfalls auf der Strecke bleibt.

Alles in allem hat mich dieser Fortsetzungsband vollkommen überzeugt. Er geht nun in eine ganz andere Richtung als der Vorgänger und hat dennoch einen deutlichen roten Faden, welcher sich rund um das Trio windet. Hier und da hätte ich mir noch mehr Tiefe gewünscht. Zaghaft wird ein Blick über den großen Teich angedeutet. Doch das Ausmaß der Katastrophe, die angezettelt wurde, ist nur schwer greifbar. Ebenso lief mir das Finale etwas zu glatt ab. Da es aber noch einen weiteren Band gibt, kann es sein, dass der Autor den Leser nur im sicheren Mantel wiegen will und ihm in Band 3 klar macht, dass der Schein gewaltig trügt. Lassen wir uns überraschen!

rho agenda 2 sketch


Genre: Science Fiction / VÖ: Januar 2015 / Verlag: Piper / Serie: Band 2 / Region: Amerika/New Mexico

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.