Stell dir vor, du bist Polizist. Du wirst in eine wohlhabende Gegend geschickt. Ein blutiger Mord erwartet dich. Bei dem ganzen roten Gesudel bist du dir noch vor dem Anblick der Leiche sicher, dass die Kehle durchgeschnitten wurde. Plötzlich wirst du auf eine Spur in den Keller des Hauses aufmerksam gemacht. Der Polizeihund hat angeschlagen. Zusammen mit Kollegen geht es nach unten. Der typisch modrige abgestandene Geruch eines Kellers empfängt dich. Doch da ist noch mehr. Ein Teenager. Genauer gesagt, ein verängstigt wirkender, blutüberströmter Teenager. Was wäre dann dein erster Gedanke? Wir haben den Täter! Oder eher, dass der Junge die Tat hoffentlich nicht miterlebt hat und nun dauerhaft traumatisiert ist?

Dem Ermittlerteam aus “Kellerkind” passiert fast haargenau dieses Szenario.

Hauptkommissar Waechter leitet dieses Team, zusammen mit Herrn Brandl und Frau Schuster. Alle drei sind zunächst sehr befangen und schockiert zugleich. Kann dieser heranwachsende junge Mann, wirklich so eine Tat begangen haben? Das Blut der toten Frau klebt auf jeden Fall an seinen Händen. Jedoch ist er auch von unzähligen Blutergüssen übersäht, die einen Krankenhausaufenthalt unumgänglich machen und zu alledem kommt noch hinzu, dass der Junge Oliver sich an nichts erinnern kann. Als der Vater schließlich auftaucht zieht er sich immer weiter zurück in sein Schneckenhaus. Doch gerade jetzt bräuchten die Ermittler seine Meinung. Denn im Laufe der Zeit stellt sich heraus, dass mehrere Personen als Täter in Frage kommen. Ab sofort schwirren viele Fragen bei den Beamten und bei dem Leser im Kopf herum: Wer ist der echte Mörder? Wer versucht hier wen zu decken? Wer hat Oliver misshandelt? Warum muss alles so kompliziert sein? Sind nur einige davon.

Man wird ziemlich direkt in das Geschehen hineingeworfen. Die Anwältin Rose Benninghoff wurde ermordet und man muss nun herausfinden, wer so einen Hass auf sie hatte, dass er solch eine heftige Tat begehen würde. Schnell wird man auf ihr karges Umfeld und die Verbindung zu Oliver Baptiste sowie dessen Vater aufmerksam und kann den Verdächtigenkreis immer enger ziehen. Letztlich gibt es aber viele Widersprüche, was das Beweismaterial und die Verdächtigen angeht. Außerdem verheimlicht Herr Baptiste etwas. Nur keiner weiß was genau. Also beschließt man noch tiefer zu graben und stößt auf seltsame Zusammenhänge.

Für den Leser ist diese Suche genauso spannend, wie für das Beamten-Trio. Man weiß nicht mehr wie sie und versucht selbst die Puzzleteile zusammenzusetzen, was gar nicht so einfach ist. Irgendwann hatte ich jedoch einen Verdacht, der sich immer mehr verhärtete und sich schließlich bestätigte. Das nahm mir allerdings nicht das Ende vorweg. Schließlich wollte ich das warum erfahren.

Die Figuren waren mir auf Anhieb sympathisch.

Hauptkommissar Waechter hat seine Truppe gut im Griff und man unterhält sich natürlich mit bayrischem Dialekt, was auch zart in die Dialoge miteinfließt und das Geschehen noch authentischer macht. Wie es sich für einen Serienstart gehört, werden auch die wichtigsten Charaktere näher beleuchtet. So erfährt man einiges über Herrn Brandl seine Patchwork-Familie und den Gedanken von Frau Schuster. Aber auch der gute Herr Waechter selbst hat seine kleinen privaten Sorgen. In der Aufteilung der Ermittlungen geht es dann klar strukturiert weiter. Jeder hat seinen speziellen Aufgabenbereich und muss Ergebnisse an Land bringen, damit der Fall endlich abgeschlossen werden kann. Trotzdem bleibt die Spannung nicht auf der Strecke. Allein die Tatsache, dass man verunsichert ist, wer denn nun die Wahrheit sagt und wer lügt, sorgt dafür das man mitfiebert.

Alles in allem habe ich kaum etwas zu meckern. Allerdings ist dieser eine Kritikpunkt nicht ganz ohne, denn es geht um das Abflauen des Lesetempos. Ist man zunächat eifrig am wuseln und werkeln, verliert man sich ab ungefähr dreiviertel des Buches in vielen Verhören und Dialogen, die sich im Kreis drehen. Da verliert das Geschehen leider erheblich an Luft. Zum Glück, nimmt diese gegen Ende wieder zu, als alle Fäden zusammenführen und dem Finale entgegenlaufen.Trotzdem kann ich das Buch ohne Umschweife empfehlen. So ein herzallerliebstes Ermittlerteam hatte ich schon lange nicht mehr gehabt und ich bin auf ihre weiteren Fälle gespannt!

kellerkind nicole neubauer


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Genre: Krimi / VÖ: Januar 2015 / Verlag: blanvalet / Serie: Band 1 / Ort: Deutschland/München


 

2 thoughts on “|Krimi| “Kellerkind”

  1. Huhuu..naaa dann kann das Buch ja auf jeden Fall auf der Wunschliste bleiben und sollte auch in nicht allzuferner Zukunft ins Regal einziehen. Das klingt wirklich gut :). Ach Ich mag deine Männchen in den Sketchnotes so :). glg Franzi

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