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Ist die nächste Stufe der Evolution das Ende von uns allen?

Diese leicht provokante Frage, fällt einem direkt ins Auge, wenn man den Buchrücken, von “Extinction” durchliest. Ist es wirklich schon so weit, dass sich eine neue Randgruppe gebildet hat, die nun die Macht übernehmen wird und ihre schwächeren Arten aussterben lässt? Dabei ist hier nicht von Tieren die Rede oder Pflanzen, sondern von den Menschen. Undenkbar ist es schließlich nicht, dass auch unsere Körper sich weiterentwickeln von Generation zu Generation oder eine Mutation plötzlich ein besserer Wirt ist als der derzeitige homo sapiens. Wer weiß?

Die Menschheit in dem Thriller von Kazuaki Takano jedenfalls muss sich bereits mit diesem “Problem” befassen. Allerdings wird das nicht offen dargelegt. Man schickt eine undercover mission in den Dschungel von Kongo. “Search and Destroy” lautet die Ansage. Findet diese bestimmte Zielgruppe und tötet sie alle. Danach bekommt ihr eine Belohnung und dürft nach Hause zu euren Familien. Auch Jonathan Yeager gehört diesem 4er Gespann an. Zunächst denkt er sich nicht weiter dabei und bereitet sich entsprechend für den Einsatz vor. Doch sobald die Männer bei dem kleinen Pygmäenstamm angekommen sind, keimen die Zweifel in ihm auf. Wieso sollte er ein intelligentes Kind ermorden? Und warum hat man nicht längst dem Forscher Pierce, der dort lebt, den Auftrag gegeben, dass Kind einzuschläfern?
Man beschließt das Dorf nicht kaltblütig zu ermorden und somit stehen sie fortan selbst auf der Abschussliste der amerikanischen Regierung.

Parallel zu dem Geschehen im tiefsten Kongo, lernt man den jungen japanischen Studenten Kento kennen. Sein Vater ist vor kurzem verstorben und hat ihm ein seltsames Erbe hinterlassen. Er soll die Forschungsarbeiten von ihm weiterführen, wobei hier die Schwierigkeit darin liegt, dass die beiden komplett unterschiedliche Dinge im Bereich der Biologie studiert haben. Noch bevor er sich groß Gedanken darüber machen kann, wie er den Wünschen eines Verstorbenen gerecht werden kann, bekommt er seltsame Anrufe und Warnungen. Er soll sich verstecken und mit keinem über seine Arbeit reden. Rasch stellt Kento Kaga fest, dass da sehr viel Wahrheit dahinter steckt. Jemand ist hinter ihm her und will ihn eindeutig daran hindern die Forschungen seines Vaters fortzuführen. Wird er seine Angst überwinden, oder schmeißt er alles hin?

Neben diesen beiden Erzählsträngen lernt man irgendwann noch einen gewissen Arthur Rubens kennen. Schnell wird einem klar, wer diese Person ist und inwiefern sie in die Ereignisse involviert ist. Man entwickelt einen gewissen Hass gegen Herrn Rubens und seine analytische Welt. Bei ihm merkt man gut die Macht die hinter allem steckt und wie zügig ein gesagtes Wort das Nächste ergibt. Es zeigt sich hier wieder mal: Wer Geld und Macht besitzt, hat die Fäden in der Hand. Doch ob die Regierung damit weit kommen wird, ist fraglich. Denn eine gewisse Person hat extrem etwas gegen diese “Search and Destroy” Missionen und zeigt unverblühmt, wer am längeren Hebel sitzt.

Alle drei Stränge führen mit der Zeit zu einer dicken roten Kordel zusammen. Man versteht dann auch alle Zusammenhänge und Andeutungen, die im Laufe der Zeit gemacht wurden. Dabei unterhält das Buch perfekt. Es lässt sich flüssig lesen und man hängt besonders an Yeager und Kento. Beides Personen, die eine Sache verwickelt worden sind, mit der sie eigentlich nichts zu tun haben wollten. Einzig in der Mitte des Buches gibt es einen fiesen Hänger. Lange theoretische Phrasen prasseln auf einen ein und wollen kein Ende nehmen. Zwar ist der Abschnitt interessant, jedoch in der Umsetzung zu trocken und fad geraten. Danach fängt sich die Story zum Glück wieder rasch und das Lesetempo nimmt wieder fahrt auf.

Die Figuren sind allesamt überzeugend dargestellt. Man hasst oder liebt sie, ein Mittelding gibt es kaum. Entsprechend leidet und fiebert man auch eifrig mit ihnen mit. Die kleinen theoretischen Abschweifungen, die ans Tageslicht kommen, sobald es um das Thema Evolution geht, sind super verständlich und sollten bei keinem für Knoten im Hirn sorgen. Selbst wenn, das Wichtigste versteht man auf jeden Fall. Entsprechend fand ich die ganze background story wunderbar gelungen. Sie ist komplex und überhaupt nicht so abwegig.
Hätte nun der Autor alles etwas mehr gestaucht und somit das Tempo der kompletten Geschichte beschleunigt, wäre das Buch perfekt gewesen.

Absolut lesenswert ist es dennoch!
Das ist das erste Biologie-Evolutions-Buch seit langem, was mich nicht gelangweilt oder überfordert hat und allein schon dafür bekommt Kazuaki Takano ein dickes fettes Fleißbienchen!

extinction-sketch


Genre: Thriller / VÖ: Januar 2015 / Verlag: C.Bertelsmann / Reihe: Einzelband / Region: Amerika, Afrika, Japan

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