die legenden der albae, markus heitz, buchkritik

Es war einmal in einem Land, wo viele seltsame und zugleich außergewöhnliche Wesen lebten. Unter ihnen verweilte auch das Volk der Albae. Viele Gerüchte und Mysterien schweben um diese eleganten erhabenen Geschöpfe. Aber nur eine Sammlung an Erzählungen kommt der Wahrheit am nächsten. Sie beschreibt die Ära der Albae, wie sie furchtlos durch die Welt schreiten. Wie sie die Unendlichkeit im Herzen tragen. Wie die dunklen Gestalten auf den ersten Blick traumhaft schön erscheinen, doch im Inneren grausam und zerstörerisch sind. In dieser Welt leben die zwei Albae Sinthoras und Caphalor. Beides namenhafte Krieger, die in der Stadt Ishim Voróo leben und doch unterschiedlicher nicht sein können. Sie haben es geschafft, durch ihre Taten in die Legenden der Albae einzugehen und das ist ihre Geschichte:

Die Unauslöschlichen Nagsar und Nagsor Inaste rufen die beiden verfeindeten Albae zu sich in die Gemächer und geben ihnen eine Aufgabe, die das Reich der Albae beschützen soll. Denn am Horizont brauen sich dunkle Wolken zusammen. Widerwillig raufen sich die beiden sich scheinbar zusammen und ziehen etwas holprig los. Keiner will dem anderen etwas gönnen und so kommt es immer wieder zu Reibereien, die die Mission gefährden könnten. Doch letztlich bewältigen sie die wichtigsten Etappen. Kämpfen sich gemeinsam zur Himmelsfestung hinauf und treten den Heimweg an. Allerdings befinden wie uns nicht in einem schönen Mischwald, der vor wilden hübschen Hässchen und fröhlich zwitschernden Vögeln strotzt, wo der Fuchs leise durch die Sträucher streicht und keiner Menschenseele ein Haar krümmt. Hier – im Reich der Zauberwesen, Trolle, Fflecx und Riesen – lauern die Gefahren an jeder Ecke und rasch trennen sich ihre Wege. Sinthoras und Caphalor gehen fortan eigene Route, wenn auch mit dem gleichen Ziel. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie ankommen.

Wenn man das Buch aufschlägt und die ersten Seiten durchblättert, fallen einem direkt die Landkarten auf und die Personenliste mit kurzen Beschreibungen. Der erste Gedanke, der mir hier durch den Kopf ging, war “Oh, Gott, wie soll ich die Namen alle behalten!?”. Meine Nerven wurden aber schnell beruhigt, nachdem ich die ersten Kapitel gelesen hatte. Es wird nichts überstürzt. Man lernt nach und nach die wichtigsten Charaktere kennen. Erfährt ihre Namen, ihre Optik, ihre Eigenschaften und kann sie so gut im Gedächtnis behalten. Verwechslungen sind eigentlich nicht möglich, da man immer indirekt einen Hinweise bekommt, mit wem man gerade unterwegs ist. Das hat mich gefreut und den Lesefluss wunderbar erleichtert. Höchstens die gedankliche Aussprache war ab und an etwas schwierig. Doch man gewöhnt sich hier seine eigene Interpretation der Aussprache an und stolpert auch nicht mehr über Wörter wie “Fflecx” oder “Obboona”.

Ungewöhnlich war für mich auch teilweise, dass die Menschen eine niedere hässliche Rasse sind. Die Albae betonen immer wieder, dass sie sich wie die Karnickel vermehren und nur für niedere Arbeiten geeignet sind. Da merkte ich mal wieder, dass ich zu selten Fantasy in letzter Zeit lese und eben die Menschen nicht die am besten entwickelste Spezies ist. Denn die abwertigen spiegelhaften Kommentare stimmen sogar meistens und lassen einen innerlich schmunzeln.
Die Gewalt gegen eben jene Menschen kommt auch nicht zu kurz. Sklaven müssen bestraft werden. Kommen einem die Albae manchmal etwas stümperhaft vor, überraschen sie an anderer Stelle mit ihrer Intelligenz und ihrem Wissen über Wissenschaften und den Aufbau des Körpers. Ein sehr faszinierendes Völkchen. Trotzdem nimmt die Brutalität keine abartigen Neigungen an, sondern bleibt im Rahmen. Schließlich sollen die Legenden keine Splatterbücher werden.

Aufgebaut ist das Buch in 19 Kapitel, die die Taten der beiden Krieger staffeln. Zu Beginn wird immer das Jahr und die Region genannt, sodass man alles richtig zuordnen kann, wenn beispielsweise ein Ortwechsel statt findet. Mit zunehmender Seitenanzahl nimmt auch das Böse zu. Denn auf ihrer Reise haben die beiden Türen geöffnet, die geschlossen bleiben sollten und so ist klar, dass das erste Buch nicht mit einem happy end ausklingen wird. Sobald die ersten Verluste zu verzeichnen sind, ist man emotional voll dabei. Denn inzwischen hat man die beiden – Sinthoras und Caphalor – in sein Herz geschlossen und leidet mit ihnen. Sehr schön finde ich auch, dass sie sich entwickeln! Das habe ich so stark nicht erwartet. Der Wandel kommt dennoch glaubhaft herüber und unterstützt die Gefühle, die man beim Lesen entwickelt.

Alles in allem hat mir der Auftakt zu den Legenden der Albae sehr gut gefallen!
Wer Markus Heitz kennt, kennt seinen Schreibstil und seine Liebe zu seinen Charakteren. Entsprechend werden Fans auch dieses Buch lieben – sofern sie Fantasy mögen. Aber auch Neueinsteiger sollten hier zugreifen. Um diese Reihe wird man nicht dran vorbeikommen, vor allem nicht, wenn man die Zwerge Reihe kennt. Ich kenne sie noch nicht, will sie aber auf jeden Fall auch noch lesen!

albae-gerechter-zorn-sketch


Genre: Fantasy / VÖ: April 2009 / Verlag: Piper / Serie: Serienauftakt / Region: Ishim Voróo/Dsôn Faimon


Loading Likes...