das atlantis gen, science fiction, a.g. riddle

“Dr. Kate Warner wachte mit einem schrecklichen Gefühl auf: Es war jemand im Zimmer.” [S19]

Wenn man nach einem total offenen Prolog mit so einem Satz in das Geschehen eingeführt wird, stellen sich direkt alle Antennen auf und die Leseneugier wird aktiviert. Diese Alarmbereitschaft kommt auch nicht von ungefähr, denn innerhalb kürzester Zeit werden in verschiedenen Einrichtungen Anschläge ausgeübt, die alle nur einem Ziel gelten, was einem bis dahin aber völlig unklar ist. Zum einen werden der Forscherin Kate Warner ihre autistischen Kinder entführt, welche ihr zu Forschungszwecken dienten, um Autisten besser in das reale Leben einbinden zu können. Sie selbst gerät dadurch ebenfalls in Gefahr und wird von dubiosen Männern verschleppt, die ihr nicht wohlgesinnt sind. Fast gleichzeitig werden in der Zentrale namens “Clock Tower” – einer geheimen Agentur – hunderte Angestellte hinterhältig ermordet. Nur wenige konnten sich retten, unter ihnen auch der ehemalige Soldat David.

Und um dem ganzen noch das Krönchen aufzusetzen, erfährt man von Experimenten mit Menschen in China, wo arme Bürger mit Geld gelockt und dann durch seltsame Tests langsam dem Tod entgegen geführt werden.
Das ist zunächst recht harter Tobak und man muss erstmal kräftig schlucken. Denn an dieser Stelle kann man zwischen diesen Strängen noch keinerlei Zusammenhang erkennen, was sich aber in den folgenden Kapiteln alles aufklären wird.

Bis es aber soweit ist, muss man sein eigenes Hirn ein wenig anstrengen und versucht in Erfahrung zu bringen, wie diese vier Erzählstränge alle miteinander verknüpft sind.

Nach kurzer Zeit verbinden sich auch schon zwei zu einem Hauptstrang. Nämlich die von Kate und David. Das Forschungslabor über Autismus und der Soldat einer Geheimagentur. Beide haben eigene Ziele, beide haben offene Fragen und beide wissen nicht sehr viel über ihr Gegenüber als sie aufeinandertreffen. Dennoch müssen sie sich vertrauen um der langen Fingern der Entführer zu entkommen. Das führt entsprechend zu zahlreichen Reibereien. Bevor vor allem Kate sich bewusst wird, dass dieser Mann namens David zwar recht seltsam ist und nicht alles von seinem Wissen Preis gibt, aber sie ihm trotzdem ihr Leben in die Hand legen kann.
Neben diesem Hauptstrang in Jakarta, gibt es noch einen weiteren wichtigen, welcher in der Antarktis spielt. Genau der, mit dem das Buch überhaupt eingeleitet wird. Man sucht nämlich nach einem U-Boot, welches unter riesigen Eismassen begraben sein soll. Rasch wird man auch fündig. Allerdings bekommt man nicht direkt das was man wollte und so werden weitere Bohrungen im Eis gemacht, bis man das Hauptziel entdeckt.

Dieses Objekt der Begierde ist vor allem verschiedenen mächtigen Männern wichtig. Lange muss man grübeln, was die Herren dort genau suchen und warum es denn so verdammt wichtig für die Menschheit ist.

Zeitweise fühlte ich mich hier an den Film von Akte-X erinnert, wo Mulder und Scully im Eis nach der Wahrheit suchen. Aber in “Das Atlantis Gen” geht es nicht um Außerirdische.

Hier geht es um einen evolutionären Prozess, der für die Selektion der Menschheit verantwortlich ist. Dass was sich vor tausenden vor Jahren schon einmal abgespielt hat und wie ein Trichter dafür gesorgt hat, dass nur die besten Rassen überleben, soll sich nun wiederholen. Zumindest wenn es nach diesen Herrschaften geht. Wer fühlt sich jetzt nicht an Hitler erinnert? Nur das Beste darf überleben und man legt selbst Hand an, wenn die Genetik das nicht von selbst automatisch hinbekommt. Böse Natur aber auch! Ja, es wird auch auf Hitler eingegangen, aber keine Angst, es sind nur geschichtliche Puzzle-Teilchen, die für den Verlauf der Geschichte wichtig sind und sie dominieren keinesfalls das Geschehen.

Viel mehr darf man an dieser Stelle eigentlich gar nicht auf die Story eingehen, um nicht vorab zu viele Anreize zu geben. Sonst geht die Spannung schließlich verloren. Man wird aber nun schon ein Gespür dafür bekommen haben, dass das Buch sehr komplex ist. Hier plätschert nichts vor sich hin oder wird gar langweilig. Einzig ein paar Tagebucheinträge zogen sich etwas, da man letztlich nicht alle Informationen daraus unbedingt gebraucht hätte und ich diese Seiten gerne übersprungen hätte. Aber das ist reine Empfindungssache. Der Rest vom Buch hat mich vollkommen überzeugt. An zahlreichen Stellen wird sehr genau und fachmännisch auf die Genetik und die Evolution eingegangen. Ebenso auf das Toba-Protokoll, was in ähnlicher Form tatsächlich existiert. Man wird aber auch hier nicht müde die Informationen zu verschlingen, da alles verständlich und logisch erklärt ist. Manches wird sogar durch die verschiedenen Perspektiven aus einer anderen Sichtweise erneut wiederholt und spätestens in diesem Moment müsste es jeder Leser verstanden haben.

Das Buch ist in drei Teile unterteilt, die einem noch einmal zusätzlich vor Augen halten, wie man sich langsam dem ersten Höhepunkt der Trilogie nähert. Bis dahin wartet dann noch die ein oder andere Überraschung auf den Leser. “Der Schein trügt” könnte man in dieser Stelle sagen oder wie es der Autor selbst macht:
“Dieser Roman ist frei erfunden, abgesehen von den Passagen, die es nicht sind.”

So weiß man manchmal selbst nicht was nun wahr ist oder gelogen, so verworren ist das Lügengerüst. Aber dafür verschlingt man ja das Gelesene, um es aufdecken zu können und da dies dank anhaltender Spannung nie während des Lesens nachlässt, bekommt der Autor beide Däumchen hoch von mir. Ich will auf jeden Fall wissen wie es weiter geht und freue mich auf den nächsten Band im August!

atlantis gen sketch

Randnotiz:
weitere Kritiken zum Buch: Tina (Empfehlung)


Genre: Science Fiction, Zukunftsroman, Thriller / VÖ: Juni 2015 / Verlag: Heyne / Serie: Band 1 von 3 / Region: Antarktis, Jakarta, China

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