Die Ereignisse rund um Frieda Klein, gehen in eine weitere Runde.

Ob Frieda jemals zur Ruhe kommen wird? Zumindest solange nicht, wie alte Geister sprichwörtlich vor ihrer Nase herumtanzen und sie zu verhöhnen scheinen. Dean Reeve, ein Name, der allgegenwärtig ist, rückt erneut in den Fokus der Ermittlungen. Aber irgendetwas ist anders. Es hat die Optik von Reeve, aber schmeckt dennoch komplett anders. Hat sich da etwa ein Nachahmer eingeschlichen? Nur, wieso hasst er Frieda so sehr, dass er ihr komplette enges Umfeld in Lebensgefahr bringt? Man steht vor einem Rätsel.

Der Auslöser ist eine Leiche unter ihren Füßen. In ihrem eigenen Haus. Versteckt. Reingequetscht in den Boden unter ihren Bodendielen. Es ist der Privatdetektiv, den sie angeheuert hat, um nach Dean zu suchen. Anscheinend hat er sein Zielobjekt erfolgreich gefunden. Da ist sich Frieda sicher. Es muss Dean gewesen sein. Wer sonst? Das teilt sie selbstverständlich der Polizei mit und wie wir es schon kennen, will keiner der “Psychotante” glauben, die sich gerne einmischt.

“Ich bin dafür verantwortlich, dass die Ermittlungen i Fall Dean Reeve eingestellt wurden. Ich wollte ihr keinen Glauben schenken. Jetzt hat mich Frieda Klein da, wo sie mich haben wollte. Ich wette nun lacht sie sich ins Fäustchen.”

“Commissioner, ich kann Ihnen wirklich versichern, dass sie nicht lacht und dass sie im Moment gar nicht in erster Linie an sie denkt.”

Crawford fuhr fort, als hätte er Karlssons Einwand nicht gehört.

“Sie kennen die Frau doch. Wir müssen uns überlegen, wie wir das handhaben wollen.” (S.25)

Dummerweise müssen sie ihr irgendwie Glauben schenken, denn kurz darauf wird Chloe, die Nichte von Frieda entführt und mit Gedächtnisverlust ein paar Tage später gefunden. Sie kann sich an nichts erinnern. Sie wirkt unversehrt. Doch dann tauchen bei einem Journalisten Fotos auf, die von einer Vergewaltigung zeugen. Wie kann das sein? Wo doch keinerlei Spuren an Chloe festgestellt werden konnten? Als dann auch noch Reuben brutal überfallen wird, ist es mit dem Däumchen drehen entgültig vorbei. Wer auch immer Rache übt, er muss schleunigst gefasst werden!

Kaum hat man die ersten Seiten sacken lassen, ist man sofort wieder drin und klebt wie ein zweiter Schatten an Friedas Fersen. Man hat in den vorherigen Bänden schon viele Hochs und Tiefs der Psychoanalytikerin gesehen. Hat mit ihr gelitten und sich gefragt, ob sie noch ganz knusper im Kopf ist. Diesmal ist das etwas anders. Man fragt sich, warum die Polizei ihr nie so recht geglaubt hat. Warum es erst zu einem Eklat kommen muss, bis man endlich reagiert. So, wie auch in der realen Welt.

“Verrückte Zeiten, wenn die Welt auf diese Weise ins rechte Lot kommt. Verrückte, gute Zeiten. Gut für ihn. Er schiebt die Hände in die Taschen und ballt sie zu Fäusten. Er kneift die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen und öffnet sie dann wieder. Vor Aufregung bekommt er kaum Luft.” (S.210)

Ich liebe einfach Friedas kunterbuntes Umfeld! Neben Chloe ist es vor allem der Handwerker Josef, den ich ins Herz geschlossen hab. Auch er bekommt wieder seine eigene Geschichte, der er erleben darf und dennoch ist der stets an Friedas Seite. Genauso Reuben, mit dem man einfach leidet und ihm das Beste wünscht, was man einem krebskranken Mann wünschen kann. Es sind Freunde, die trotz Ecken und Kanten zu ihren Liebsten halten. Dabei bleibt es stets glaubhaft und man wünscht jeden solche Bekannten.

Vom Aufbau her, wird direkt an die Andeutung aus dem sechsten Band (Geruch) angeknüpft und entwickelt sich zu einem ersten großen Höhepunkt, der hoffentlich in einem turbulenten und aufklärenden Finale, im achten Abschlussband endet. Hinweise werden wieder dezent gelegt und erst kurz bevor die Charaktere selbst darauf kommen, erfasst man auch den Täter. Entsprechend werden sie Zwischenfrequenzen, wo er zu Wort kommen darf, auch deutlicher und verstecken sich nicht mehr hinter uneindeutigen Phrasen.

Mir hat dieser Band wieder sehr gut gefallen. Als besten Band würde ich ihn nicht bezeichnen. Noch nicht. Aber er hat eine Chance auf diesen Posten. Wer seichte Krimis mag, die auch ordentlich in die Tiefe bei ihren Charakteren gehen können, sollte zugreifen. Aber auch, wer London mag, sollte sich Friedas nächtliche Spaziergänge nicht entgehen lassen.

Bitte nicht mit diesem Band anfangen! Man versteht sonst die zahlreichen Hinweise & Andeutungen nicht!


Genre: Crime / VÖ: Oktober 2017 / Verlag: C.Bertelsmann / Seiten: 448 / Serie: Band 7 von 8

weitere Kritiken: Pats Blog, Wunderbare Geschichten,

Meine Kritiken zu:Dunkler Donnerstag” / “Mörderischer Freitag” / “Böser Samstag

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