“Gut eine Stunde war vergangen, seit Hans Ziemssen von der Route 166 auf die Soda Lake Road abgebogen war, und allmählich fühlte er sich ein wenig unbehaglich.” (Buchbeginn)

Es ist die perfekte Ausgangslage für einen Horror-Roman: Menschen verschwinden. Überall auf der Welt. Mit einem Schlag haben sie sich sprichwörtlich in Luft aufgelöst. Keiner kann sich erklären wieso. Auch in Japan gibt es solche Ereignisse und eine Reporterin namens Saeko wird auf den Fall angesetzt. Erst soll sie nur das Verschwinden einer Familie unter die Lupe nehmen. Doch dann häufen sich die seltsamen Vorkommnisse und sie hat eine neue Mission: Finde die Ursache!

Gemütlich lehnt man sich zurück und lauscht den Worten des Autors. Vertieft sich immer mehr in dem Geschehen und muss irgendwann feststellen, dass da noch eine Story in der Story steckt. Saeko ist nicht nur Expertin für Vermisstenfälle, sie bekommt auch eine ganz eigene Geschichte zugeschustert. In dieser dreht sich alles um das plötzliche Verschwinden ihres Vaters, den sie innig geliebt hat und sehnlichst vermisst.

“Sie hatte sich klein gefühlt, und Saeko konnte begreifen, was das bedeutete. Wenn die Welt, die ihnen bisher einen festen Boden unter den Füßen geboten hatte, den Halt verloren hatte und zu zerfallen begann, konnte sich ein Mensch nur noch so machtlos fühlen wie eine Ameise.” (S.325)

Dummerweise schafft es Kôji Suzuki nicht, dieser beiden Grundstränge so aufzubauen, dass man dauerhaft an seinen Lippen klebt. Dabei liegt es nicht am Inhalt. Eher an den zahlreichen Ausschweifungen in die Astronomie, Physik und Mathematik. Theoretisch nichts schlimmes, da man mich auf diesen Gebieten in Büchern, neben der Biologie meist packen kann. Hier wird es jedoch oft staubtrocken und zäh, sobald man auf diese Fachgebiete zusteuert und verliert das Interesse.

Obwohl diese Thematiken wichtig sind, um den Verlauf der Ereignisse zu begreifen und zu verstehen. Letztlich ist dieser nämlich wunderbar durchdacht. Da hat sich der Autor eine Menge Gedanken gemacht und viel recherchiert, um eine äußerst komplexe Geschichte zu schaffen. Radiert man diese Fachgebiets-Abschnitte weg, reduziert sich das Buch sicher auf die Hälfte. Um einmal das Ausmaß der Komplexität zu zeigen. Wer zu diesem Buch greift, sollte sich dessen also äußerst bewusst sein.

“Saeko versuchte einzuschätzen, was das bedeutete, doch sie kam immer wieder auf die gleiche Grundfrage zurück. War Pi nicht nur ein Wert? Hatte die Veränderung irgendeine Auswirkung auf die Alltagswelt?” (S.412)

“Der Graben” ist ein Buch, was recht eigenwillig ist. Man sollte als Leser eine fette Portion Interesse an den genannten Gebieten mitbringen, dann wird man auch glücklich mit dem Buch werden. Alle anderen sollten lieber die Finger davon lassen, sonst werden sie enttäuscht oder brechen gar ab.

Ich selbst bin letztlich froh, diesen Roman gelesen zu haben. Trotz seiner Ecken und Kanten, habe ich den Grundgedanken hinter allem sehr faszinierend gefunden und das Buch deswegen nicht abgebrochen. Er lässt einen innerlich schaudern, sofern er wirklich wahr werden sollte. Denn ja, alles basiert auf den Grundgesetzen der Physik und Mathematik, nur mit einer zarten Prise Fiktion gemischt.

Randnotiz: Der Neujahrstag wird auch hier erwähnt.


Genre: Crime / VÖ: Januar 2014 / Verlag: Heyne / Seiten: 586 / Serie: Einzelband

weitere Kritiken: Horror & Co,

weitere (dt.) Bände von Kôji Suzuki:  The Ring (I + II + III), Dark Water, …

erhältlich z.B. bei: hugendubel (generell nur gebraucht oder als ebook)


#JapanSpecial [Aktion]

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