die unheimliche biblio, buchkritik, crime, mystery, murakami

“Wie immer war es sehr still in der Bibliothek. Meine nagelneuen Lederschuhe riefen ein seltsames Klacken hervor, als ich über das graue Linoleum ging. Als wäre es gar nicht ich, der dort ging.” (Buchbeginn)

“Gar nicht ich.” Dieses Gefühl schleicht sich beharrlich ein, wenn man das kleine Buch anfängt zu lesen. Ein junger Mann geht in die Bibliothek. Das ist nichts Ungewöhnliches. Er gibt ein Buch zurück und merkt an, dass er ein bestimmtes Nachschlagewerk sucht. Man verweist ihn an Zimmer 107. Auch nichts, was einen stutzig werden lassen würde. Nur warum führt der Weg in den Keller? Ist es da nicht feucht, dunkel und muffig? Der ärgste Feind jeglicher Bücher?

Dort angekommen, führt ihn ein Bibliothekar ihn noch tiefer in die Katakomben. Man fühlt sich weggeschlossen, wie in einem Kerker. Was es letztlich auch ist. Der Junge muss dort bleiben, bekommt zu Essen und Trinken. Exakt zu bestimmten Zeiten und muss das Buch auswendig lernen, was er eigentlich ausleihen wollte. Währenddessen bekommt er Besuch von seltsamen Gestalten. Sind es Hirngespinste oder reale Wesen?

Was will uns der Autor damit sagen?

Diese Fragen haben sich sicherlich viele gestellt, als sie das Buch gelesen haben. Zuerst dachte ich an Fantasy. Den Gedanken hab ich aber rasch wieder verworfen. Danach folgte der Traum und eine Darstellung der inneren Angst des Jungen. Er durchlebt seine Furcht äußerst lebhaft an einem eigentlich wundervollen Ort. Der Bibliothek. Nur warum? Und ist es wirklich nur ein Traum? Eine richtige Antwort gibt es auf keine der Fragen. Leider. Denn gerade das Ende lies mich unzufrieden zurück.

Lobenswert sind die Bilder, die in die Geschichte eingeflochten werden. Ich könnte mir auch eine reine bildliche Umsetzung vorstellen. So bekommt man immer wieder ein Bild präsentiert und fühlt sich ein wenig wie in einem Kinderbuch, um das Kopfkino anzukurbeln. Was nicht zwingend notwendig ist. Der Zeichenstil passt perfekt zur verworrenen Handlung und düsteren Stimmung. Damit man einen kleinen Einblick bekommt, habe ich hier ein paar Beispiele:

Abschließend kann ich sagen, dass ich unzufrieden die letzte Seite zugeklappt habe. Es mag alles etwas Kafkaeskes haben und den Leser unterhalten. Trotzdem fühlt man sich schlichtweg in eine Handlung reingeschmissen und frühzeitig wieder rausgezerrt, bevor man das Wesentliche greifen kann.


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Genre: Roman / VÖ: August 2013  / Verlag: Dumont Verlag / Seiten: 64 Seiten / Serie: Einzelband

weitere Kritiken:  Dragonviews,

weitere (dt.) Bände von Haruki Murakami: siehe buecherwiki

erhältlich z.B. bei: hugenubel


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