“Im Aussichtswagen des Expreßzuges “Hato” der Tokai-do-Linie standen an der einen Fensterseite fünf Drehsessel in einer Reihe. Toshio Oki bemerkte, daß sich der letzte Sessel in dieser Reihe durch die Bewegung des Zuges geräuschlos hin- und herdrehte. Er starrte gebannt darauf. Die niedrigen Sitze mit Armlehne auf der Seite, wo er saß, waren fest und unbeweglich.” (Buchbeginn)

Diese Beobachtung der Zugsitze, beschreibt eigentlich schon die folgende Geschichte. Symbolisch gesehen verharrt Toshio Oki an seinem Platz. Er lebt sein Leben. Hat eine Frau und einen Sohn. Dazu noch ein Buch, was ihn bekannt machte. Alles hat seine Ordnung. Aber da ganz hinten, in seiner Vergangenheit, da regt sich etwas und ein neues Gesicht taucht auf der Bildfläche auf. Es bringt Unruhe hinein. Dieser Unruhepol heißt Keiko.

Sie ist zunächst eine Unbekannte. Daher müssen wir einen Schwenk in die Vergangenheit von Oki machen. Einst liebte er ein Mädchen. Eine zarte Liebesromanze entwickelte sich. Beide waren glücklich und zufrieden. Als i-Tüpfelchen wurde das Mädchen dann sogar schwanger. Nur leider überlebte das Kind nicht. Die Romanze zerbrach. Dies ist über zwanzig Jahre her. Oki war damals dreißig Jahre alt. Seine Freundin Otoko sechszehn. Keiko ist jetzt die Freundin von Otoko und lernt Oki kennen.

“Rache?” Otoko war fassungslos. “Rache? Für mich?”

“Ja.”

“Keiko. Setz dich her zu mir. Trinken wir deinen abstrakten bitteren Tee und sprechen wir darüber.” (S.55)

Wie diese Form der Rache aussieht, werde ich natürlich nicht sagen. Ganz im Gegenteil. Dieser geschickte Feldzug macht das Buch aus. Auf diesem Weg reflektieren vor allem Oki und Otoko ihre jeweilige Vergangenheit. Es wird viel über Kunst jeglicher Form gesprochen, aber auch über den (ehrenhaften) japanischen Selbstmord. Das spiegelt sich auch in der Sprache wieder. Von einem flüssigen Lesen kann nicht die Rede sein. Vieles wirkt steif und gestelzt. Sicherlich ist dieser Stil nicht für jeden etwas.

Selbst ich habe für die 180 Seiten drei Tage gebraucht, da ich es einfach nicht am Stück lesen konnte ohne den Drang zu entwickeln, die letzte Seite zu lesen. Das war das Einzige, was mich auch davon abgehalten hat, das Buch beiseite zu legen: Ich wollte wissen, das Keiko macht und wie sie es anstellt. In Japan wird der Autor gefeiert, also könnte der ungelenkte Stil auch an der Übersetzung geschuldet sein. Das kann ich nicht beurteilen.

Abschlussworte: Ein lesenswertes Büchlein, das eine besondere Form der Zuneigung aufzeigt. Ausbremsen könnte einen lediglich der Schreibstil.


Genre: Roman / VÖ: Juli 2004  / Verlag: dtv / Seiten: 184 Seiten / Serie: Einzelband

weitere Kritiken:  Japanische Literatur,

weitere (dt.) Bände von Yasunari Kawabata: Der Blinde und das Mädchen, Schneeland, Tausend Kraniche, Die schlafenden Schönen, …

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