the shape of water

“Richard Strickland liest den Auftrag von General Hoyt in elftausend Fuß Höhe. Die Doppelpropellermaschine wird so heftig herumgeschleudert wie der Boxsack eines Schwergewichtlers. “Dies ist der letzte Abschnitt von Stricklands Reise von Orlando über Caracas und Bogotá nach Pijuayal, dem Loch im Arsch des Dreiländerecks zwischen Brasilien, Peru und Kolumbien.” (Buchbeginn)

Richard ist der Auslöser. Wobei das nicht ganz richtig ist. Er hat einen Auftrag und ist somit nur der Fußsoldat, der eine Mission erfüllen muss. Dennoch steht er repräsentativ für die Jagd nach dem Wesen. Einem Wesen, was einzigartig ist. Das beobachtet werden soll. Analysiert und durchleuchtet. Bis in sein Innerstes. Ob es die Prozedur überlebt ist zweitrangig und sein Seltenheitswert macht das nicht besser, eher schlechter. Denn so steigert sich das grausame Interesse an dieser mysteriösen Gestalt noch mehr.

Parallel dazu haben wir Elisa. Ein Frau, die stumm ist und einem Job als Reinigungskraft nachgeht. Man spürt sofort, dass sie anders lebt, als der gewöhnliche Mensch in dieser Geschichte. Elisa ist wie eine kleine Fee. Kaum ist man bei ihr angekommen, geht das Licht an. Alles beginnt sich harmonisch und sanft zu bewegen. Sie lebt über einem Kino, in einer kleinen Wohnung. Stetig in Kontakt mit einem eigenwilligen Künstler namens Giles, der ebenfalls dort sein Lager aufgeschlagen hat.

“Ich bringe ihn um. Letzte Woche hat er geschworen, dass er die Toilette repariert, damit sie nicht mehr blubbert und ich mal vernünftig schlafen kann, aber als ich nach Hause komme, hört es sich an, als würde da jemand acht Stunden unaufhörlich pinkeln.” (S.47)

Zelda. Wie sie leibt und lebt. Der fröhliche Poltergeist neben Elisa. Was diese runterschluckt, plaudert Zelda munter aus. Hat sie etwas auf dem Herzen, teilt sie dies auch ihrer Umgebung mit. Da wird kein Blatt vor den Mund genommen. Aber sie kann auch anders. Wenn es um ihre Kollegin und Freundin Elisa geht, wird sie lammfromm und hält fast mütterlich stetig eine Hand über sie. Diese Frau schließt man sofort in sein Herz. Gemeinsam mit Elisa arbeitet sie bei Occam als Reinigungskraft. Am Ende der Nahrungskette, was die Frauen deutlich zu spüren bekommen.

Doch da ist ein kleines Licht am Ende des Tunnels. Denn das besagte Wesen wurde gefangen und nach Amerika transportiert. Eingepfercht in einem Glasbehälter, muss es zahlreiche Torturen über sich ergehen lassen. Es leidet und liegt im Sterben. Da taucht Elisa auf. Total fasziniert von dem Geschöpf, baut sie langsam eine Beziehung zu ihm auf. Heimlich schleicht sie sich in das Labor und verbringt so viel Zeit wie nur möglich mit ihm. Aber, man ahnt es schon, solche Aktivitäten bleiben in einem Militärlabor nie lange unbeobachtet und so entspinnt sich ein Wettkampf mit der Zeit.

“Nein”, erklärt er. “Das werden wir nicht tun.” Weitere Gebärden. “Weil wir damit das Gesetz brechen würden, darum! Vermutlich ist es schon illegal, dass wir nur darüber reden!” (S.225)

Neben Elisa, Zelda, Giles und Richard, gibt es noch weitere Gesichter, die einen Part mit ihrer eigenen Geschichte bekommen. Bevor nun die Schweißperlen auf der Stirn auftauchen und sich innerlich gegen Figuren-Overput wappnet: Alle haben ihre Berechtigung ist stehen in einem wichtigen Zusammenhang zu unseren vier Hauptcharakteren. Irgendwann fließen alle Stränge zusammen oder lösen sich bereits vorher auf und man kann sich voll auf den Hauptpart konzentrieren: Elisa und die Kreatur aus dem Meer.

Ich könnte nun auf den zauberhaften Schreibstil, die zahlreichen Spitzen gegen die Gesellschaft, das Feeling während des Lesens und die Darstellung der typischen amerikanischen Familie eingehen, aber das würde den Rahmen meiner Kritik sprengen. Daher fasst ich es einmal kurz zusammen: “The shape of water” ist ein wundervolles modernes Märchen, das nicht überall überrascht, sondern recht vorhersehbar ist. Trotzdem überzeugt es mit seinem Stil und Darstellung der Ereignisse, sodass man es eigentlich nur wohlwohllend in seine Arme schließen kann.

the shape of water

Nicht zu vergessen, die feinen Zeichnungen innerhalb des Buches!


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Genre: Mystery / VÖ: März 2018 / Verlag: Knaur / Seiten: 426 / Serie: Einzelband

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erhältlich bei: hugendubel

 

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