kälter als der tod, correnti, italien

“Ich will mindestens fünftausend Zeichen”, sagt Besana und betätigt den Scheibenwischer, ehe ihm klar wid, dass es kein Wasser ist, was da über die Windschutzscheibe rinnt.” (Buchbeginn)

Auf nach Bergamo. Einer Stadt, der ich bereits in meinem Italien-Special begegnet bin. Auch diesmal geht es um einen Mord. Allerdings bleibt es nicht bei einem. Immer mehr Frauen werden ermordet und makaber drapiert. Während die Medien sind wild auf jeden Hinweis, wie Bluthunde stürzen und die Fakten in der Luft zerreißen, geht der ältere Journalist Marco Besana anders an die Sache heran. Ob es am Alter liegt?

Zumindest kommt einem ziemlich rasch der Gedanke, dass er nicht nur aufgrund seiner Berufserfahrung methodisch und recht besonnen vorgeht. Kurz vor der Rente, da ist man nicht mehr so flink, wie die jungen Hüpfer in der Redaktion. Wieso also nicht mit einer jungen – unerfahrenen Nachwuchs-Journalistin – zusammenarbeiten? Ilaria begibt sich gerne in seine Hände. Immerhin kann sie so perfekt den Beruf lernen.

Wo Licht ist, ist auch Schatten.

Natürlich hat Besana eine Vergangenheit und die ist nicht sonderlich rosig. Gerade privat hat er sich schon ein paar Aussetzer geleistet. Doch er ist gut in seinem Job und der Serienkiller kommt daher wie gerufen. Jetzt kann er allen zeigen, was in ihm steckt und sich selbst zu neuem Glanz verhelfen. Selbst Ilaria hat mit ihren sechsundzwanzig Jahren bereits einiges erlebt. Aber nur wer genau hinschaut, findet ihr Leid. Da haben sich also Zwei gefunden, die ihrem Vorgesetzten zeigen wollen, was ihn ihnen steckt und zeitgleich einen Serienkiller zur Strecke bringen möchten.

Unser Serienkiller macht es ihnen allerdings nicht leicht. Man glaubt ein Muster zu erkennen, verwirft es wieder. Dann wird ein Verdächtiger festgenommen, doch es geschehen weitere Morde. DNA Tests werden gefordert, doch man findet keine Übereinstimmung. Hinzukommen die erschreckenden Parallelen zu einer Mordserie des achtzehnten Jahrhunderts und der grausame Hunger, des Mörders. Im wahrsten Sinne des Wortes. Immerhin beißt er seine Opfer und hinterlässt ordentlich Spuren.

Die Nadel im Heuhaufen.

Das Buch pendelt regelmäßig zwischen der Gegenwart und dem Jahr 1871 hin und her. Man bekommt so stets interessante Informationen zugespielt, die die beiden Journalisten so noch nicht kennen. Weiter vorhersehen kann man die Ereignisse dennoch nicht. Rätselraten ist also bis zum Schluss angesagt. Zudem entwickeln sich Besane und Ilaria. Sie setzen sich mit ihren Schatten auseinander und machen zeitgleich neue Erfahrungen, was sie äußerst lebendig wirken lässt.

Alles in allem hat mir das Buch recht gut gefallen. Ich mochte die Herangehensweise an die Mordfälle. Hinzu kommt das Duo, was nicht aus einem rauchenden, übel gelaunten Detektive besteht, der widerwillig mit einer neuen Kollegin zusammenarbeiten muss. Dennoch lastet auf allem eine gewisse Schwere. “Kälter als der Tod” ist nicht in einem Rutsch gelesen. Zu viele Dinge passieren, zu dicht gerafft ist der Schreibstil. Das hat mich etwas uneinig zurückgelassen.

>> Ein Lesetipp für die dunklen Stunden am Abend. Erfrischend und schwer zugleich.

Stichworte: Bergamo, Italien, Verbrechen, Journalismus, Mord

 

[sketchnote folgt]


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Genre: Crime / VÖ: November 2018 / Verlag: Penguin / Serie: Einzelband

erhältlich bei: hugendubel.de

weitere Meinungen:

Iris, Schurkenblog “Unterhaltung für zwischendurch auf italienische Art. Ganz ohne Mafia.”


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