“Logbuch der Lüfte”

Zwölf kleine Geschichten haben es in diese Steampunk-Anthologie geschafft. Alle haben mich unterhalten, die einen mehr, die anderen weniger. Sechs Werke stammen von Autorinnen und ebenso sechs Stück von Autoren. Erstaunlicherweise haben mich die Damen mehr mit ihren Worten in den Bann gezogen, als die Herren der Schöpfung. Wie genau ich überzeugt wurde, habe ich kurz zusammen gefasst:

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“Die Wunder der Madame Duret” Marie H.Mittmann

Ava, allein in der Wüste, auf der Suche nach einem Ausweg. Ein Fluggerät stürzt ab und offenbart ihr in seinem Inneren einen interessanten Helfer. Kann er ihr helfen? > Ich war sofort in der Geschichte drin. Spürte die Sandkörner auf der Haut, die Verzweiflung und den Hoffnungsschimmer der Pilotin Ava, als sie unfreiwlligen Besuch bekommt. Gerne mehr davon!

“Pina Parasol und das verlorene Königreich” Tino Falke

Pina und Riccarda, zwei Frauen finden bei der Reparatur eines Zeppelin zueinander. Man träumt von Sagen, Hoffnungen und Wünschen und dem Verlieren, denn Pina ist eine professionelle Verliererin. > Der Schreibstil ist ungewohnt und hat mich nicht  vollends in die Handlung abtauchen lassen. Zudem packte mich die Story nicht. Schade.

“Gargantua” Sarah Stoffers

Gargantua ist ein Luftschif. Die gehobene Gesellschaft macht sich zu einer Rundfahrt auf. Auch eine junge Dame schleicht sich dort ein und hat ganz andere Absichten. Tödliche Rache kann man auch im Himmel ausüben. > Wunderbare Idee. Opulente Kleider, dicke Make-Up Schichten, sündhaft teurer Schmuck, alles kann man spüren. Das Ende ist das besondere i-Tüpfelchen.

“Ins Herz des Sturms” Lena Richter

Xhemin ist Kapitänin. Ihr Schiff der Lüfte möchte ein gewisser Silander kapern, doch was er nicht weiß, dass sie auf eine ganz besondere Art und Weise mit dem Schiff verbunden ist. Diese Verbindung kann man nicht einfach auflösen. > Interessante Herangehensweise an die Liebe zur Mechanik. Zwar vorhersehbar, dennoch absolut lesenswert.

“Elendstal” Magali Volkmann

Eine ehemalige Kapitänin leidet in einem Sanatorium still vor sich hin. Sie brauch ein neues Bein und geht dem Gerücht nach, dass eine Hexe es heilen kann. Doch zu welchem Preis? > Traurig schöne Geschichte über Wünsche und Hoffnungen. Zweitweise wirkte die Worte etwas steif, das störte zum Glück nicht den Lesefluss.

“Kurs Nord-Nordzenit” Paul Tobias Dahlmann

Die Siegesburg ist auf einem Testflug und zeitgleich auf der Suche nach der Nebelschnuppe, einem Geisterschiff und volle Fahrt dabei sich zu verirren. > Äußerst kurze Geschichte, die (viel zu) schnell vorbei ist.

“Holt mir den Fliegenden Holländer runter” Markus Cremer

Die Lady of Terror gerät in ein Feuergefecht mit einem verfluchten Geisterschiff, dem Fliegenden Holländer. Das Leben der gesamten Crew hängt am seidenen Faden, aber Not macht erfinderisch. > Die Kombination aus Mythen, Magie und Bodenhaftung hat mir gut gefallen.

“Am Ende der Welt” Manuel Otto Bendrin

Ein zerstörtes Schiff und ein Überlebender. Eine fremde Crew geht der Ursache auf den Grund. Die Anzeichen der Ursache sind sichtbar, nur begreift man erst spät, warum hier eine Mannschaft den Freitod gewählt hat. > Feine Idee, die ich wirklich perfekt umgesetzt wurde.

“Der letzte Flug der Aristoteles” Yann Krehl

Die Beowulf ist auf der Suche nach einem Luftschiff und findet es auch. Nur ist es wie leergefegt. Den Grund dafür entdecken sie ebenfalls. Ob es noch für eine Flucht reicht? > Nette Idee, gut formuliert, die mir persönlich zu sehr Crossover war.

“Finding Home” Laura Dümpelfeld

Vater und Tochter. Ein Absturz und der Kampf ums Überleben. Phinae muss plötzlich schnell erwachsen werden und alleine Entscheidungen treffen. > Ein harter Lebensabschnitt bildhaft erzählt, gefällt mir.

“Weißer Teufel oder Die Möwe” Markus Heitkamp

Wieso immer nur die Menschen erzählen lassen? Tiere können auch Abenteuer erleben. Maumael lernt eine besondere Lektion über das Leben, die ihn das eigene kosten könnte. > Gelungene Abwechslung, keine großen Überraschungen, aber feiner Unterhaltungswert.

“Über den Wolken” Corinna Schattauer

Zwei Frauen planen den Clou überhaupt. Auf einem Luftschiff, mitsamt Höhenangst und dennoch die wertvolle Beute stets vor Augen. Mit dem Ausgang hatte man allerdings nicht gerechnet. > Hübsche Idee, die mir am Ende etwas zu dick aufgetragen war.

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In allen Kurzgeschichten war das Flair des Steampunk spürbar. Man konnte deutlich sehen, wer bereits länger in der Materie unterwegs ist oder erst zaghaft Fuß fasst. Was selbstverständlich nichts über die Qualität aussagt. Mir persönlich gefällt es, wenn die Sprache angepasst ist und man sich nicht im 21.Jahrhundert befindet, sondern Alltagsgegenstände andere Namen haben und Ausflüche ganz anders klingen. Zwar konnte mich nicht jede Story zu 100% überzeugen, dennoch möchte ich die Anthologie allen Steampunk-Liebhabern und denen, die es noch werden wollen, ans Herz legen!


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Genre: Anthologie Steampunk / VÖ: Juni ’19 / Verlag: artskript Verlag / Region: weltweit / Serie: Einzelband

erhältlich bei: hugendubel.de

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