“We must never break the chain.” Stevie Nicks

Wie oft hat man diese Zeilen schon gehört: Es war ein ganz normaler Tag. Wir haben gefrühstückt, uns für die Arbeit fertiggemacht und grob den Tag geplant. Jeder ist seiner Wege gegangen. Der Alltag hat Einzug gehalten. Ob einem etwas komisch vorkam? Nein, nicht im Geringsten. Keine Anzeichen einer Unregelmäßigkeit und trotzdem ist es DIESER eine Tag, der alles verändert. Ein Tag, der komplett alltäglich wirkt, und sich nun in die Netzhaut aller Beteiligten brennt, in dem Glauben ein Anzeichen übersehen zu haben.

“Ich habe Ihre Tochter entführt.” (S.17) Harter Tobak. Niemand möchte diesen Satz hören. Absolut niemand. Für Rachel bricht eine Welt zusammen. Tausend Fragen rasen ihr durch den Kopf. Dabei kann sie es zunächst nicht glauben. Kylie, ihre Tochter, ist in der Schule. Sie wurde nicht entführt. Das ist ein Irrtum. Das muss ein Irrtum sein. Der Anrufer macht ihr allerdings rasch klar, dass da kein Fehler ist. Stattdessen soll sie eine hohe Geldsumme zahlen und jemanden entführen der ihre Tochter ersetzt.

“Was? Wen soll ich denn aussuchen?”, fragte Rachel in blankem Entsetzen.
“Jemanden, der die Regeln nicht brechen wird. […] Finden Sie jemanden, der jemand anderen entführt und das Geld überweist und den Mund hält und die KETTE aufrechterhält.” (S.20)

Entführungen kennt man. Lösegeld zahlen ebenfalls, aber selbst aktiv werden und zum Täter werden? Da hat sich jemand einen äußerst makabren Plan ausgedacht. Zumal es nicht sicher ist, dass jedes Opfer diese Anforderungen erfüllt. Aber selbst hier, hat die KETTE vorgesorgt. Wer nicht mitspielt wird komplett ausgelöscht. Wenn es dumm läuft, muss die Familie davor ebenfalls sterben. Wer es nicht glauben möchte, bekommt sofort Beweise vorgelegt. Selbst als Leser spürt man sofort die Macht der KETTE. Alle Lücken, die einem einfallen, sind geschickt gefüllt.

Rachel fällt anfangs fast in eine Schockstarre, bevor ihr Körper das Handeln übernimmt und alles daransetzt, dass sie ihre Tochter wieder sehen kann. Dabei scheint die Beschaffung des fünfstelligen Betrages fast noch das geringste Übel zu sein. Wie um alles in der Welt, soll sie ein anderes Kind entführen und gefangen halten? Sie macht sich dabei selbst strafbar. Ein springender Punkt der KETTE: Man will einschüchtern und Macht demonstrieren.

“Er legt die Waffe weg. Es gibt jetzt keinen Grund mehr, mit einer geladenen Waffe durchs Haus zu laufen.” (S.139)

Parallel zu Rachels Leiden kommt eine weitere Familie zu Wort. Sie sind die Vorgänger, Das Kettenglied vor Rachel und Kylie. Sie wollen ebenfalls ihr Kind zurück und müssen sich auf Rachel verlassen. Selbst als diese die ersten Schritte erledigt hat, können sie sich nicht in Sicherheit wiegen. Dabei kommt Rachel ins Grübeln, es muss doch möglich sein auszubrechen. So mächtig kann die KETTE schließlich nicht sein. Ob sie sich da mal nicht täuscht…

Das Buch ist in zwei Teile unterteilt. Der erste Teil liest sich rasant weg. Wie ein fieser Sog zieht er einen in seinen Bann und lässt einen nicht mehr los. Dann beginnt der zweite Teil und man wird etwas ausgebremst. Der Lesefluss wird etwas gemächlicher, aber nicht weniger unterhaltsam. Hier geht es in die Tiefe. Weitere Charaktere kommen hinzu, der Aufbau der Handlung verändert sich leicht. Wer das Buch aufmerksam liest, weiß rasch, wohin sich alles entwickeln wird. Hier und da hat der Autor dezente Hinweise versteckt. Das Ende kommt zügig daher und rundet alles gelungen ab. Ich persönlich hätte das Ende nach dem Ende gestrichen. Das hat mir ein wenig das Flair zerstört. Alles in allem kann ich aber eine Leseempfehlung aussprechen!

>> Lesetipp! Wer Adrian McKinty nicht kennt, sollte dieses Buch als Einstieg nutzen und sich danach weiter in seinen Werken vertiefen. Wer ihn bereits kennt, kommt um diesen Einzelband nicht drumherum.

 

 


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Genre: Crime / VÖ: September ’19 / Verlag:  Droemer Knaur / Region:  Amerika / Serie: Einzelband

erhältlich bei: hugendubel.de

weitere Kritiken: in Bearbeitung


 

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